Fast Food, aber bitte langsam!

4. April 2008, 17:00
53 Postings

In der Burggasse haben die "Burgermeister" eröffnet - Sie braten Burger in allerhand Variationen, ausnahmslos aus Bio-Zutaten, mit Liebe und ohne jeden Anflug von Eile

Barbara Kunze stammt aus Sattledt, Jan Bahr kommt aus Kleve bei Düsseldorf. Kennengelernt haben sie sich auf der Slow-Food-Uni für gastronomische Wissenschaften im italienischen Colorno. Jetzt sind sie in Wien gelandet - und machen Fast Food. Solches der total selbstgemachten, moralisch und gustatorisch vertretbaren Art zwar, aber doch: Burger. Das geht für Slow-Food-Jünger, noch dazu solche mit dem Titel eines "Master of Food Culture", natürlich gar nicht. Nur die zwei sehen das nicht so: "Wir machen ja nicht irgendwelche Burger." Geboren wurde die Idee schon auf der Uni, wo die Laberl-Sandwiches des Paares (das dem Fleisch in bewusstem Bruch der US-Tradition Semmelbrösel und Ei beimischt) ausgesprochen gut ankamen.

"Vielleicht auch, weil sie aus Pferdefleisch gemacht waren", wie Barbara Kunze anmerkt. Dass derlei in der Stadt der Lipizzaner nicht so gut kommt wie auf einer kosmopolitischen Gastro-Uni, haben sich die zwei auch ausgerechnet, aber versuchen wollen sie es dennoch: "Zumindest als Special wollen wir es anbieten, ebenso wie Lamm und Strauß." Schließlich sei das Fleisch vom Gaul nicht nur sehr gesund, weil frei von Mastzusätzen, sondern auch mager und wohlschmeckend - ideales Burger-Material also.

"Fleischeslust"

Einstweilen tut es aber Bio-Rind ganz allein, dazu Bio-Buns der wirklich köstlichen Art, Tomaten, Zwiebel, Salat natürlich. Weiters handgeschnittene Pommes vom Erdapfel (sehr super) oder der Süßkartoffel (wie dicke, süße Chips ...), fantastisch würziges, selbstgerührtes Ketchup, täglich frisch geschlagene Mayonnaise mit kaltgepresstem Olivenöl und, ganz wichtig, extrascharfen Dijon-Senf. Stimmt, so können Burger echte Freude machen.

Als Toppings gibt es entweder braven Gouda, reichlich milde Gorgonzolasauce oder, eindeutig der "Gourmet-Choice", die Variante "Fleischeslust" mit ordentlich gebratenem Speck, Champignons und Käse. Dazu trinkt man Coke aus der klassischen Glasflasche oder eines von gut 25 internationalen Bieren, die im Kühlschrank zur Selbstentnahme bereitstehen - darunter echte Spezialitäten wie Leffe und Hoegaarden aus Belgien, Tannenzäpfle-Pils aus dem Schwarzwald oder Schlägl Kristall aus Oberösterreich. Nur Zeit sollte man haben: Bis zwei Burger und ein sehr ordentlicher Caesar Salad auf dem Tisch stehen, vergeht schnell einmal eine halbe Stunde. (Severin Corti/Der Standard/rondo/04/04/2008)

Die Burgermeister
Burggasse 12
1070 Wien
Tel.: 0699/11 58 95 99
Di-Sa 11.30-22.30 Uhr
Burger: € 5,50-7
Pommes: € 2,50
  • Die Slow-Burger von Jan Bahr und Barbara Kunze zeigen, dass Fast Food auch ganz anständig schmecken kann.
    foto: heribert corn

    Die Slow-Burger von Jan Bahr und Barbara Kunze zeigen, dass Fast Food auch ganz anständig schmecken kann.

  • Jan Bahr und Barbara Kunze
    foto: heribert corn

    Jan Bahr und Barbara Kunze

  • Besonders erfreulich: Die Bierauswahl zu sehr zivilen Preisen.
    foto: heribert corn

    Besonders erfreulich: Die Bierauswahl zu sehr zivilen Preisen.

Share if you care.