Alles muss fließen

2. April 2008, 19:04
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Das donaufestival präsentiert den überwundenen Rock der US-Band Apse

Es ist eine überlieferte Tatsache, dass Musiker kaum in Überschwang verfallen, wenn sie in mit Etiketten beklebte Genre-Schubladen gesteckt werden. Seit Mitte der 90er-Jahre geistert der Begriff Postrock durch die Kommunikation von Musikinteressierten und Medien. Gemeint war zunächst, dass hier an den für Rockmusik üblichen Instrumenten Musik hergestellt werden sollte, die sich gegen die eingerosteten, klassischen Songformate und Normierungen sträubt. Unter dem losen Mäntelchen des Postrock war schnell alles erlaubt: Trübsal blasende Orchesteropulenz, Jazz-Affinität, xylophonbeschwingte Exotika oder das Integrieren von elektronischem Knistern und Rumpeln. Mittlerweile schabt der Begriff, mithilfe dessen beständig versucht wird, schwer Fassbarem ansatzweise beizukommen, längst an den Pforten zur Redundanz.

Geisterhafte Soundwände

Die aus dem US-Bundesstaat Connecticut stammende Band Apse treibt seit ihrer Gründung 1999 quer durch die Stile und hat so diverse - nicht selten mit den Umgestaltungen im Personalsektor einhergehende - Wandlungen vollzogen. Während der frühe, wohl in der ursprünglichen Dreierbesetzung begründete, karg aus Schlagzeug, Gitarre und Bass geleierte Klang noch Verwurzlung in strukturierter Rockmusik nachhallen ließ - eben Postrock, wenn man so will -, errichteten Apse mit der Rekrutierung neuer Mitglieder und verstärktem Einsatz von Percussions zuletzt geisterhaft verhuschte Soundwände, die die Band in die Gegend dessen rückt, was in den letzten Jahren gerne Freak-Folk oder New Weird America genannt wurde. Unter Bezugnahme auf deutsche Krautrock-Gruppen der 60er und 70er wie Can oder Amon Düül entstehen hier Schwaden, die von schamanenhaften Gesängen oder von enthemmtem Geraschel und Getrommel getragen werden, dabei aber altbekannte Songschemata und Folk-Gitarre im Hinterkopf bewahren.

Dass derlei Unternehmungen bisweilen auch ergebnisloses Herumprobieren mit sich bringen, liegt in der Natur der Sache. Vor allem ihr fulminantes erstes und bislang einziges Album, Spirit, war 2006 Dokument des erfolgreichen Zusammendenkens verschiedener Ansätze: Die Energie der oft als prototypischen Postrockband gehandelten Formation Slint verdichtet sich hier mit der Schwermut aus dem Umfeld des kanadischen Labels Constellation sowie dem entrückten Geklappere des Schlagzeug-Manifests Drum's Not Dead der Gruppe Liars (ebenfalls beim donaufestival zu sehen) zu einem Klangteppich, der der Band sogleich die Charakterisierung, nun ja, Post-Postrock einbringen sollte.

Wenn kommenden Sommer die EP Eras erscheint, werden Apse selbst schon wieder anderswo angekommen sein: Alles muss fließen. (Philipp L'Heritier, DER STANDARD/Printausgabe, 03.04.2008)

>> Apse live: 24. 4. Halle 1, 23:00 Uhr
  • Bilderrätsel: Irgendwo in diesem Bild sind die Mitglieder der US-Band Apse versteckt. Wer sie entdeckt, gewinnt - nichts!
    foto: promotionfoto

    Bilderrätsel: Irgendwo in diesem Bild sind die Mitglieder der US-Band Apse versteckt. Wer sie entdeckt, gewinnt - nichts!

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