Riesenskulpturen und Zwergengemälde

10. April 2008, 13:27
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Jan Fabre markiert den Eingang zum Grand Palais mit einer berittenen Schildkröte: Die "artparis" setzt auf Langweilig-Arriviertes, Kunst aus dem Mittelmeerraum und dem vorderen Orient

Paris – Pünktlich fielen die ersten Sonnenstrahlen durch die Glaskuppel des Grand Palais, als gestern die Pariser Kunstmesse artparis begann, die bis 7. April vorwiegend zeitgenössische Kunst anbietet. Die französische Kulturministerin Christine Albanel eröffnete die zehnte artparis gemein-sam mit dem Kulturminister von Abu Dhabi, dem Prinzen Scheich Sultan Bin Tahnoon Al Nahan. Die artparis-Organisatoren deuten damit auf ihre Zweitmesse, die artparis-abudhabi, die seit November 2007 existiert, hin. Eine von Brahim Alaoui, dem ehemaligen Direktor des Institut du Monde Arabe, kuratierte Ausstellung zeigt unverkäufliche Werke von 20 Künstlern aus dem Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient, die meist von den ausstellenden Galerien geliehen wurden. Eric Dupont, Paris, borgte Wandskulpturen von Yazid Oulab, den er u.a. auch am Stand zeigt. Catherine Issert, Saint-Paul, verweigerte dagegen die Leihgabe eines schwarzen Holzschiffes von Karim Ghelloussi, das für 6000 Euro ihre Koje versperrt.

Einige Künstler geben den Ton an: Allen voran Jan Fabre, dessen Riesenskulptur Searching for Utopia (ein auf einer Schildkröte reitender Mann), vor dem Eingang des Grand Palais platziert wurde. Fabres belgische Galerie Guy Pieters hat bereits eines der drei Exemplare für rund 1 Million Euro verkauft und zeigt auch seine goldglänzenden Autoporträt-Bronzeskulpturen (je 200.000 Euro für acht Exemplare), da Fabre ab 10. April im Louvre präsent ist. Auch der erstmals in Paris teilnehmende Wiener Mario Mauroner hat Fotos und Kugelschreiberarbeiten aus der Serie Tivoli von Jan Fabre an seinem Stand.

Erró gibt es bei Ernst Hilger, Wien, der zwei Gemälde von 1964 ausstellt, auf denen Chinesen in ein Interieur eindringen (um 100.000 Euro), sowie neuere Arbeiten. Louis Carré, Paris, bietet die völlig absurde Serienproduktion Play back die aus 65 winzigen Gemälden (je 7000 Euro) besteht, an, sowie Schirme für je 150 Euro. Eine derartige Demonstration diskreditiert den Künstler und seinen Galeristen. Erró zählte zur sogenannten "Figuration narrative", die Paris von 1960– 1972 belebte und welcher ab 16. April im Grand Palais eine große Ausstellung gewidmet ist. Arnulf Rainer findet man bei der Pariser Galerie Le-long, die ein Kreuz-Gemälde (55.000Euro), sowie sechs Fehlfotografien aus einer neuen Serie (je 4000 Euro) gehängt hat.

Die auf Auktionen erfolgreichen Chinesen gibt es bei den Pariser Galeristen JGM (Jean-Gabriel Mitterrand) und Albert Benhamou. Die Paris-Beijing Photo Gallery, Peking, gibt dagegen gute Einblicke in den chinesischen Alltag von Chen Jiagang. (Olga Grimm-Weissert, DER STANDARD/Printausgabe, 03.04.2008)

  • Die artparis setzt auch am Stammsitz fort, was in Abu Dhabi begonnen wurde: Kunst aus dem Mittelmeerraum.
    foto: artparis

    Die artparis setzt auch am Stammsitz fort, was in Abu Dhabi begonnen wurde: Kunst aus dem Mittelmeerraum.

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