"Funkstille" in der Straßenbahn

10. April 2008, 13:01
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Handy-Verbot in Öffis wird in Linz überlegt - Wien hingegen hat ausgebaut, dass man auch in U-Bahnen telefonieren kann

Das Handy – Fluch oder Segen? In Linz entschied man sich im Bereich der "Öffis" für Ersteres und überlegt ein Handy-Verbot. Wien bleibt jedoch weiterhin mobil und auf Empfang – auch im Untergrund - Markus Rohrhofer

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Linz/Wien – "Ja, beim Doktor wor i' schon. Na, eh nix schlimmes. A Warz'n hoit." Die drei Personen auf den Nachbarsitzen zucken sichtlich zusammen. "Na, eh net ansteckend", tut der junge Mann in sein Handy kund. Spürbare Erleichterung macht sich in der "2er" breit. Mobilfunktatort Straßenbahn, High Noon in der Linzer Innenstadt. In den Öffis glühen die Handys: lautstarke Gespräche, intime Bekenntnisse, die Charts dank MP3-tauglicher Mobilteile. Es reichen nur wenige Stationen, und man weiß deutlich mehr von Unbekannten, als man je wissen wollte.

Handy wird als störend empfunden

Bei den Linz-AG-Linien trudeln indes immer mehr Beschwerden von Kunden ein, die außer der Haltestellenansage nichts hören wollen. Als Reaktion darauf gibt es jetzt in Linz Überlegungen zu einem Handyverbot in Straßenbahnen und Bussen. "Das Handy wird als störend empfunden. Auch mich stört das zu laute Telefonieren. Nicht nur in der Straßenbahn, sondern generell im öffentlichen Raum", begründet Walter Rathberger, Vorstandsdirektor der Linz-AG-Linien im Standard-Gespräch ein mögliches Handy-Verbot.

Noch nichts fix

Doch noch sei nichts fix: "Es sind diesbezüglich noch viele Fragen offen, und wir planen da sicher keinen Alleingang. Es geht nur, wenn alle österreichischen Verkehrslinien mitziehen", stellt Rathberger klar. Man werde das Thema bei der im Mai stattfindenden Tagung des Fachverbands für Schienenverkehr auf die Tagesordnung setzten.

Strahlenbelastung

Dem angedachten Handy-Verbot liege aber, so Rathberger, nicht nur ein Lärmproblem zugrunde. "Es gibt auch eine neue Studie der Stadt Linz, die angeblich besagt, dass es beim Telefonieren in Straßenbahnen oder Bussen ähnlich wie in Aufzugkabinen oder Autos zu einer deutlich höheren Strahlenbelastung kommt", erläutert der Linz-AG-Vorstand. Man werde die besagte Studie jetzt von der Stadt anfordern und dann weitere Schritte überlegen.

Wien: "Wäre völlig witzlos"

Doch noch ehe man in Linz mit Überlegungen beginnt, kommt aus der Bundeshauptstadt bereits die Absage. "Wir ziehen da sicher nicht mit. Es wäre völlig witzlos, wir haben vor gar nicht allzu langer Zeit gemeinsam mit den Netzbetreibern alles so ausgebaut, dass man auch in den U-Bahnen problemlos telefonieren kann", entgegnet Michael Zentner, Sprecher der Wiener Linien, auf Standard-Anfrage. Es sei ein "zweischneidiges Schwert: "Wer leise telefoniert, fällt nicht auf, wer brüllt, stört", so Zentner. Ein Problem sei vor allem der Bereich der Kontrolle: "Beim Autofahren darf man auch nicht telefonieren, aber gehen Sie durch die Stadt und schauen Sie in die Fahrzeuge", so Zentner.

ÖBB: Ruhezonen in Zügen

Bei den ÖBB ist man in Sachen Handy-Verbot schon einen Schritt weiter. In einer zweimonatigen Testphase werden derzeit in allen Salzburger Nahverkehrszügen sogenannte "Ruhezonen" geschaffen. Handys und MP3-Player sind dort absolut tabu. Wenn die Ruhezonen bei den ÖBB-Kunden positiv ankommen, wird über eine Ausweitung des Konzeptes auf weitere Züge in ganz Österreich entschieden. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 3.4.2008)

Wissen: Öffi-Ordnung - "Den Fahrgästen ist verboten, in den Anlagen und Fahrzeugen zu lärmen, zu musizieren und lärmerzeugende Geräte zu betreiben", steht in den Beförderungsbedingungen der Wiener Linien und der Linz AG. Bei Missachtung heißt es, Strafe zu zahlen. Wer also sein Handy als Ghettoblaster zweckentfremdet, muss in Wien eine Gebühr von 50 Euro entrichten. Musikhören mit Kopfhörern wird nicht geahndet. (mil/DER STANDARD Printausgabe 3.4.2008)
  • Details übers Intimleben: Die Linz-Linien möchten Handys verbieten, die Wiener Linien winken ab
    foto: standard/ matthias cremer

    Details übers Intimleben: Die Linz-Linien möchten Handys verbieten, die Wiener Linien winken ab

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