"Es fehlt die sehr günstige 3-Zimmer-Wohnung"

2. April 2008, 16:59
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Karl Wurm, Obmann der Gemeinnützigen Bauträger, plädiert für architektonisch weniger anspruchsvolle Lösungen - Im Vorjahr wurden 16.399 Wohnungen fertig gestellt

"In bestimmten Segmenten des sozialen Wohnbaus vielleicht wieder etwas einfacher werden" – das wäre laut Karl Wurm, dem Obmann des Verbandes Gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), der richtige Weg, um der Mietensteigerungs-Spirale entgegenzuwirken. Der Druck auf die Wohnbauträger sei nämlich sehr groß: "Die Hypothekarzinsen sind in den letzten beiden Jahren um mehr als 1,2 Prozentpunkte in die Höhe geklettert, der Baupreisindex ist im selben Zeitraum um 7 Prozent gestiegen und die qualitativen und energetischen Anforderungen haben ebenfalls zugenommen." Diese Faktoren hätten die Mieten im geförderten Wohnbau um mehr als 16 Prozent in die Höhe getrieben, was rund einem Euro pro Quadratmeter entspreche.

Was die bauliche Ausführung der Neubauten betreffe, sollte die "ständige Qualitätsspirale nach oben nicht überreizt werden", sagte Wurm am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Wien. Unter der Devise "Geht's nicht auch anders?" seien von den Architekten Alternativvorschläge gefragt, der Spielraum bei der Umsetzung der Architektenpläne sollte "erweitert" werden.

Um dem starken Anstieg der Grundkosten entgegenzuwirken, wünscht sich Wurm außerdem bei den Flächenwidmungen die Möglichkeit, einen Baugrund für "sozialen Wohnbau" zu widmen. Diese Variante werde bereits diskutiert, Verfassungsrechtler hätten allerdings Bedenken dagegen geäußert, so Wurm – deshalb sei nun die Regierung gefragt.

16.399 neue Wohnungen im Vorjahr

Insgesamt haben die gemeinnützigen Bauträger im Vorjahr 16.399 Wohnungen übergeben, um rund 3000 mehr als 2006. Die 192 Mitgliedsfirmen des Verbandes werden auch heuer und 2009 jeweils mehr als 15.000 Wohneinheiten fertig stellen, so Wurm.

In Wien konnte mit 4.753 fertig gestellten Wohnungen das "schwache" Vorjahresergebnis um 51 Prozent übertroffen werden, auch 2008 und 2009 sei in der Bundeshauptstadt mit jeweils mehr als 4.000 neuen gemeinnützigen Wohnungen zu rechnen.

In Niederösterreich wurden 3.155 Wohnungen fertig gestellt, um 26 mehr als 2006. Im Burgenland gab es einen Rückgang von 1.127 auf 942. In beiden Bundesländern zeichne sich eine Fortsetzung dieses hohen Neubau-Niveaus ab, so der GBV-Obmann.

Viel gebaut wurde im Vorjahr auch in Kärnten (910 Wohnungen/+37%), in Oberösterreich (2.172/+64%), in Salzburg (1.193/+16%) und in Tirol (1.378/+74%). Vorarlberg befinde sich in einem "Wellental", und auch die Gemeinnützigen Wohnbauträger der Steiermark lagen mit 1.764 neuen Wohnungen um zehn Prozent hinter dem guten Ergebnis des Jahres 2006.

"Großprojekt" Sanierung

Das Sanierungsvolumen habe sich real in den letzten zehn Jahren von 238 Millionen Euro (1997) auf 440 Millionen Euro (2007) fast verdoppelt, so Wurm. Mittlerweile machen Sanierungen ein gutes Fünftel des gesamten Bauvolumens der Gemeinnützigen aus.

Dennoch dürfe es nicht zu einer Umschichtung von Wohnbaufördermitteln weg vom Neubau, hin zur Sanierung kommen, so Wurm: "Die zuletzt auch vom Rechnungshof aufgegriffene Forderung nach Erhöhung der Förderungsmittel für die thermische Sanierung zulasten des Neubaus auf 1 Milliarde Euro würde bedeuten, dass anstelle von derzeit rund 32.000 Neubauwohnungen weniger als 20.000 gefördert werden könnten. Dies wäre angesichts des hohen Wohnungsbedarfs und starken Kostendrucks sozial und wirtschaftlich keinesfalls verträglich."

Bis zu 56.000 neue Wohnungen, so eine Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), werden in Österreich jährlich auf lange Sicht benötigt. Gebaut werden derzeit aber – sowohl im geförderten als auch im nicht geförderten Wohnbau - weniger als 50.000. Im Jahr 2007 waren es vorläufigen Zahlen zufolge knapp 48.000, erklärte Eva Bauer, Leiterin des Wohnungswirtschaftlichen Referats des GBV, am Mittwoch.

Die 3-Zimmer-Wohnung unter 700 Euro fehlt

Wurm ortet wegen des hohen Preisniveaus derzeit einen "starken Trend in Richtung Miete". Die Neubaumieten liegen im geförderten Wohnbau in Wien derzeit bei 6,50 bis 7,20 Euro brutto pro Quadratmeter, in Bestandsgebäuden liegt der Preis bei durchschnittlich 5,34 Euro. Günstiger seien lediglich Gemeindewohnungen mit 5,02 Euro, so der GBV-Obmann.

Was auf dem Wiener Wohnungsmarkt derzeit ganz klar fehlt, weiß Wurm auch: "Die sehr günstige 3-Zimmer-Wohnung", und zwar bis zu einer Monatsmiete von 700 Euro.

Die Gemeinnützigen Bauträger verwalten rund 750.000 Wohnungen in Österreich. Ein Drittel davon sind Eigentumswohnungen, zwei Drittel Mietwohnungen. (Martin Putschögl, derStandard.at, 2.4.2008)

-> Tabelle: Fertig gestellte Wohnungen der Gemeinnützigen Bauträger nach Bundesländern

Tabelle: Fertig gestellte Wohnungen der Gemeinnützigen Bauträger nach Bundesländern

Bundesland 2005 2006 2007
Wien 3.847 3.142 4.753
Niederösterreich 2.793 3.129 3.155
Oberösterreich 1.891 1.325 2.172
Steiermark 1.860 1.957 1.764
Tirol 1.236 794 1.378
Salzburg 1.332 1.030 1.193
Burgenland 871 1.127 942
Kärnten 697 664 910
Vorarlberg 153 181 132
  • Karl Wurm: "Den Spielraum bei der Umsetzung der Architektenpläne erweitern."
    foto: standard/newald

    Karl Wurm: "Den Spielraum bei der Umsetzung der Architektenpläne erweitern."

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