Nordische Filmwoche: Liebesglück, Fußballpech und schwarzer Humor

6. April 2008, 18:39
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Filme aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island - heurige Ausgabe des Festivals in der Wiener Urania steht unter dem Motto "Sachen zum Lachen"

Wo 2007 noch das "Morden im Norden" wütete, herrscht heuer der Humor vor: Die traditionelle Nordische Filmwoche in der Wiener Urania hat sich 2008 unter das Generalmotto "Sachen zum Lachen" gestellt. In Zusammenarbeit mit den Nordischen Botschaften werden von 3. bis 9. April insgesamt 14 Filme aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island gezeigt.

Zwei skurrile Highlights kommen aus Norwegen: In Bård Breiens "Kunsten å tenke negativt" ("Die Kunst des negativen Denkens") verzweifelt Ingrid an ihrem nach einem Unfall völlig verbitterten Freund Geirr und hetzt ihm die gemeindeeigene "Positivitätsgruppe" auf den Hals. Geirr dreht den Spieß jedoch um und bringt das Good Vibrations-Kommando nach und nach auf seine düstere Seite. - Einem Überfall im Eigenheim sieht sich auch der namenlose Protagonist des Eröffnungsfilms "Tatt av kvinnen" ("Gekrallt") gegenüber: der Invasion einer Frau, die sich vorgenommen hat sein Leben in die Hand zu nehmen. Abwehrkampf oder Kapitulation vor der Liebe heißt fortan die Frage.

Die Tücken des Verliebtseins bieten Stoff für die unterschiedlichsten Amour fou-Szenarien: Im schwedischen Film "Miffo" ("Dummkopf") trifft einen idealistischen Priester ausgerechnet bei einer toughen Kettenraucherin der Blitz, im finnischen "Vieraala Maala" ("Land of Love") gibt sich der junge Finne Tuomas mit einiger Mühe als Ingusche aus, weil er sich in die Sprachlehrerin seines Freundes verliebt hat. In der dänischen Komödie "Den store dag" ("The Big Day") fällt es Anne und ihrem schwulen Freund Jesper wesentlich leichter, als Wedding Planner das Glück anderer Leute zu organisieren als es selbst zu finden, während der sowohl warm- als auch schwarzherzige schwedische Film "Wellkåmm to Verona" zeigt, dass auch in einem Altersheim noch Hormonstürme entfacht werden können - zumal seine Insassen Theater-Vergangenheit und damit einen ausgeprägten Sinn fürs Dramatische haben.

Und da im EM-Jahr am Thema Fußball kein Vorbeikommen ist, Schweden sich aber als einziges nordisches Land qualifiziert hat, müssen sich die Ausgeschiedenen mit filmischer Aufarbeitung trösten: In "Íslenski draumurinn" ("The Icelandic Dream") sieht sich Tóti nicht nur von familiären und geschäftlichen Problemen geplagt - zu allem Überfluss steht seine Fußballmannschaft auch noch vor dem Abstieg. - Das kann Pete mit seinem Team aus Helsinki nicht passieren: sie spielen längst in der untersten Liga. Als sie aber planen zur WM nach Deutschland zu fahren, reicht es ihren Frauen endgültig mit der ewigen Kickerei: Sie gründen den "FC Venus" und treten gegen ihre Männer an, die im Fall einer Niederlage künftig fußball-abstinent bleiben müssten. Geschlechterkampf schließlich auch im isländischen Abschlussfilm "Með allt á hreinu" ("On Top"): Hier zerfällt eine Band in eine männliche und eine weibliche Combo - der Krieg um die Publikumsgunst hat begonnen.

Alle Filme werden in Originalsprache mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. (red)

Link
Nordische Filmwoche 2008
(mit Infos zu den einzelnen Filmen und Ticket-Bestellmöglichkeit)
  • Die kommunale Positivitätsgruppe kommt zu Besuch - wer könnte ihren geballten guten Schwingungen widerstehen? Geirr kann's und lehrt sie "Die Kunst des negativen Denkens" ...
    foto: maipo film & tv produksjon

    Die kommunale Positivitätsgruppe kommt zu Besuch - wer könnte ihren geballten guten Schwingungen widerstehen? Geirr kann's und lehrt sie "Die Kunst des negativen Denkens" ...

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