Der Trend zum Online-Spiel und Rückgänge bei traditionellen Lotto-Produkten haben den Österreichischen Lotterien 2007 einen massiven Ergebniseinbruch beschert
Wien - Die Österreichischen Lotterien haben 2007 deutlich weniger verdient und erwarten auch heuer keine Erholung des operativen Gewinns. Der Trend gehe zu Online-Spielen, die eine höhere Ausschüttungsquote (90 Prozent) als die klassischen Lotto-Produkte haben, erläuterte Lotterien-Vorstandschef Karl Stoss die unerfreuliche Entwicklung.
Aber auch bei "klassischen Produkten" wie Rubbellosen sei die Umsatzstagnation mit einer von 52,5 auf auf 55 bis 67,5 Prozent erhöhten Ausschüttungsquote auf Kosten des Ertrags gestoppt worden. Und bei den Lottos "6 aus 45" und "Euromillionen" sei die geringe Zahl von Jackpots für die rückläufige Entwicklung verantwortlich, hieß es.
In Zahlen gegossen bedeutet dies für die Lotterien bei einem Umsatzzuwachs von 1,3 Prozent auf 2,067 Mrd. Euro einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 40 Prozent: von 27,4 auf 16,4 Mio. Euro.
Der Jahresüberschuss reduzierte sich auf 24,8 Mio. Euro (nach 33,1 Mio. im Vorjahr), als Dividende werden erneut 24 Mio. Euro gezahlt. Den Casinos Austria gehören 68 Prozent der Lotterien, sechs Prozent dem ORF, die restlichen 26 Prozent halten Banken und Versicherungen.
2008 würden die Lotterien dieselbe Dividende wie 2007 ausschütten können, kündigte Stoss an, das operative Ergebnis werde "stagnieren."
Auslandspläne
Die Wachstumschancen in Österreich seien begrenzt, weshalb man auch bei den Lotterien die Expansion ins Ausland überlege. Ein erster Schritt könnte in Argentinien erfolgen, wo die Gruppe eine Spielkonzession für die Provinz Salta besitzt und von dort aus den argentinischen Markt aufrollen möchte.
Zufrieden zeigte sich Stoss mit dem ersten Quartal 2008. Das Jahr sei gut angelaufen, der Umsatz in den ersten drei Monaten um 9,2 Prozent auf 556,4 Mio. Euro gestiegen.
Der Anfang Februar eröffnete Online-Pokerroom habe der Tochter Win2day (gehört zu je 50 Prozent den Casinos Austria und den Lotterien) bereits 25.000 Neukunden beschert. Insgesamt habe Win2day rund 330.000 registrierte User. Der Ertrag beim neuen Pokerprodukt macht 2,5 Prozent der getätigten Einsätze aus.
Trotz der Ergebnisstagnation gebe es keine Pläne für einen Mitarbeiterabbau, innerhalb der Gruppe solle es aber zu einer "weiteren Bündelung der Kräfte" kommen. "Backoffice, zentrale Dienste und Stäbe kann man zusammenlegen, beide Unternehmen bleiben aber eigenständig", so Stoss, der auch Chef der Casinos Austria ist. Dort soll der Aufsichtsrat am Freitag entscheiden, ob das Hauptquartier in ein Gebäude bei den Lotterien übersiedelt. Das Ringstraßenpalais würde dann vermietet. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2008)