Milliardengrab deutscher Banken

17. April 2008, 17:01
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Die Finanzkrise fordert täglich ihren Tribut. Die WestLB rutscht gefährlich in Richtung Abgrund, jetzt muss gespart werden

Bis zu 200 Mrd. Euro Kredite faulen laut einer Studie noch alleine in den Büchern deutscher Banken.

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Frankurt/Wien - Nachdem erneut Mega-Verluste von Banken bekannt geworden sind, die sich mit Ramschhypotheken ("Subprimes") übernommen haben, werden jetzt Spekulationen darüber laut, wie lange die Finanzkrise noch dauern wird. Tenor der Experten: Es werde noch dauern, bis man Klarheit über die Situation hat und das Vertrauen am Markt wieder hergestellt ist.

Allein in den Büchern der deutschen Banken lasten laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young noch faule Kredite in der Höhe von rund 200 Milliarden Euro. Dabei geht es aber um sämtliche Ausfallrisiken, nicht nur um Engagements im angeschlagenen US-Hypothekenmarkt.

"Keinen Überblick"

Wegen des Misstrauens der Banken untereinander ist der Handel mit notleidenden Krediten eingebrochen. 2007 hätten die deutschen Banken solche Kredite im Wert von rund 6,5 Mrd. Euro verkauft, das war weniger als halb so viel wie im Rekordjahr 2006 mit 14,4 Mrd. Euro.

Auch Bundesbankpräsident Axel Weber und EU-Finanzkommissar Joaquin Almunia sehen den Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht. "Wir haben noch immer keinen Überblick über das gesamte Ausmaß der Verluste und es fehlt immer noch an Vertrauen in die Banken", sagte Almunia der Frankfurter Rundschau.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin rechnet im Subprime-Geschäft mit Verlusten in der Kreditwirtschaft von weltweit bis zu 600 Mrd. Dollar.

Weiter schlechte Nachrichten

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Banken neue Milliardenlöcher im Zuge der Finanzmarktkrise mitgeteilt. Die Deutsche Bank muss im ersten Quartal 2008 weitere 2,5 Mrd. Euro abschreiben - mehr als im gesamten vergangenen Jahr mit 2,3 Mrd. Euro. Die Schweizer Großbank UBS erwartet für das erste Quartal Abschreibungen von 19 Mrd. Dollar (12,1 Mrd. Euro) und ist damit eine der von der Krise am schwersten getroffenen Banken.

Und auch am Mittwoch ging die Serie der schlechten Nachrichten weiter. Die deutsche Immobiliengesellschaft Patrizia hat wegen der Finanzkrise die Dividende gestrichen und rechnet im laufenden Jahr nicht einmal mehr mit der Hälfte des Vorsteuerergebnisses aus 2007.

Auch die WestLB kommt nicht zur Ruhe. Fehlspekulationen haben der Bank 2007 einen Verlust von 1,6 Mrd. Euro beschert, 1350 Jobs sollen gestrichen werden. Heuer rechnet die Bank mit weiteren Ergebnisbelastungen durch "die unvermeidlichen Restrukturierungsmaßnahmen".

Erneutes Hilfspaket

Im US-Senat arbeiten Demokraten und Republikaner derweil an einem weiteren, milliardenschweren Hilfspaket für hoch verschuldete Hausbesitzer. Im Kampf gegen eine Rezession sollen jene Hausbesitzer Gelder bekommen, denen eine Zwangsvollstreckung droht, weil sie ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Allerdings gibt es zwischen den beiden Parteien noch unterschiedliche Ansichten darüber, wie umfangreich die Hilfe sein soll. Besonders umstritten ist der Vorschlag der Demokraten, Richtern zu erlauben, Hypothekenschulden teilweise zu erlassen.

Die Situation in den USA spitzt sich jedoch zu. In der US-Handelsbankenbranche droht nach Einschätzungen des Finanzforschungsunternehmens Celent LLC in den kommenden zwölf bis 18 Monaten ein drastischer Personalabbau. Bis zu 200.000 der zwei Millionen Arbeitsplätze könnten dabei verlorengehen. 2007 hatte der Finanzdienstleistungssektor bereits 153.000 Stellenstreichungen bekanntgegeben.

Die EU-Kommission prüft nun den Umstrukturierungsplan für die britische Northern Rock, die in den Strudel der Finanzkrise geraten war. Das Beihilfeverfahren beziehe sich auf die Pläne der Regierung, Northern Rock für mindestens drei Jahren weiter mit staatlichen Geldern zu unterstützen. (Reuters, APA, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2008)

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    Im vergangenen Jahr hatten die Finanzmarktkrise und Pannen im Eigenhandel die WestLB tief in die Verlustzone gerissen.

  • Melange: Zwischen Auf- und Abstieg liegt nur ein Verlust
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachten der Schweizer Verlag Orell Füssli und Buchautor Dirk Schütz den unrühmlichen Abgang von Marcel Ospel als Chef der Schweizer Großbank UBS. Zufrieden, weil der Wirbel um den weiteren Riesenverlust, der dazu geführt hat, dass der "Herr der UBS" nun den Hut nahm, gut für das Geschäft ist – und damit auch gut für den Bücherverkauf. Nicht recht
glücklich ist der Verlag mit der Unterzeile des Buches, das in den
nächsten Tagen in zweiter, überarbeiteter Auflage erscheint. Der lautet
nämlich "Der unaufhaltsame Aufstieg des Marcel Ospel". (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2008)

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    Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachten der Schweizer Verlag Orell Füssli und Buchautor Dirk Schütz den unrühmlichen Abgang von Marcel Ospel als Chef der Schweizer Großbank UBS. Zufrieden, weil der Wirbel um den weiteren Riesenverlust, der dazu geführt hat, dass der "Herr der UBS" nun den Hut nahm, gut für das Geschäft ist – und damit auch gut für den Bücherverkauf. Nicht recht glücklich ist der Verlag mit der Unterzeile des Buches, das in den nächsten Tagen in zweiter, überarbeiteter Auflage erscheint. Der lautet nämlich "Der unaufhaltsame Aufstieg des Marcel Ospel". (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2008)

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