Auf der Suche nach einer anderen Welt

1. April 2008, 20:13
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Wissenschafter sind sich aufgrund jüngster Er­kenntnisse einig, dass es im All Planetensys­teme gibt, die dem unseren ähnlich sind

Diese Planeten könnten durchaus intelligentes Leben hervorgebracht haben. Wie dieses denn aufzuspüren sei, darüber diskutieren Forscher aus aller Welt derzeit bei einer astronomischen Fachtagung in Salzburg.

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Schön, dass sich die Zeiten ändern können. Nachdem der italienische Philosoph Giordano Bruno (1548- 1600) in seinem Werk De l'infinito, universo e mondi (Über die Unendlichkeit, das Universum und die Welten) erklärt hatte, dass Sterne wie unsere Sonne seien, das Universum unendlich sei, es eine unendliche Anzahl von Welten gebe und diese mit einer unendlichen Anzahl intelligenter Lebewesen bevölkert seien, schickte ihn die heilige Inquisition nach einer die ketzerische Seele reinigenden Prozedur auf dem Scheiterhaufen gen Himmel.

Heute bleiben von derselben Überzeugung wie Bruno beseelte Forscher von der Glaubenskongregation unbehelligt, tauschen ihre Erkenntnisse über extrasolare Planetensysteme, wie diese inzwischen wissenschaftlich nachgewiesenen anderen Welten außerhalb unseres Sonnensystems genannt werden, beim 7. Alexander-von-Humboldt-Colloquium in Bad Hofgastein aus.

Bei der vom Astronomischen Institut der Universität Wien und vom Wissenschaftsministerium organisierten astronomischen Fachtagung diskutieren bis Ende dieser Woche gut 50 Planetenjäger aus aller Welt die Frage, ob es im Universum erdähnliche Planeten gibt und wie sie entdeckt werden können. Zwar kennt die Wissenschaft bereits mehr als 270 Planeten, die um andere Sonnen kreisen, dabei handelt es sich aber meist um Gasriesen wie beispielsweise den Jupiter, den größten Planeten unseres Sonnensystems, auf dem Leben nach derzeitigem Wissensstand unmöglich ist.

Nötige Voraussetzungen

Um Leben hervorzubringen, sind sich Experten einig, muss ein Planet mit entsprechender Atmosphäre und Wasser ausgestattet sein, den richtigen Abstand zu seiner Sonne aufweisen und auch in Masse und Größe "erdähnlich" sein - damit darf er auch nur höchstens achtmal so voluminös sein wie die Erde. Was für die Forscher den höchst unangenehmen Umstand mit sich bringt, dass die Lichtjahre entfernten Dinger verdammt klein sind, sich ihre Entdeckung wie die buchstäbliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen darstellt - Forscher sind neben der Mathematik und der Physik besonders auf die Technik angewiesen.

Der erste Exoplanet wurde 1995 von Michel Mayor vom Departement für Astronomie der Universität Genf mithilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt. Der Planet kreist im 4,2-Tage-Takt um den rund 40 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern Pegasus 51. Seitdem wurden 277 extrasolare Planeten in 234 Systemen entdeckt, darunter 17 Systeme mit zwei, sieben Systeme mit drei, ein System mit vier und ein System mit fünf bekannten Planeten.

Da Exoplaneten von ihren Sonnen überstrahlt werden, können sie mit irdischen Teleskopen nicht direkt beobachtet, müssen somit indirekt entdeckt werden; was unter Ausnutzung von Gravitation, Rotation, Doppler-Effekt, Transit und Lichtschwächung passiert - wobei die zwei Letztgenannten die modernste Technik darstellen. Erst vor einem guten Jahr schickte die Europäische Weltraumbehörde Esa ein entsprechendes Satellitenprojekt ins All (siehe Interview unten).

Ein ähnliches, nur wesentlich ehrgeizigeres, plant die US-Weltraumbehörde Nasa mit dem "Terrestrial Planet Finder" (TPF). Das System aus bis zu sechs im All schwebenden Einheiten soll zu einem gigantischen Teleskop zusammengeschaltet werden, das auch relativ winzige, also endlich erdähnliche Planeten aufspüren können soll.

Und der von MIT und Nasa geplante "Transiting Exoplanet Survey Satellite" (TESS) soll 2012 in eine Umlaufbahn gebracht werden. Auch er wird die Transit-Suchmethode benutzen. Mit sechs hochauflösenden Weitwinkelkameras soll der ganze Himmel abgesucht und die exakte Helligkeit von etwa zwei Millionen Sternen gemessen werden. Da nur bei wenigen Sternen die Planeten diese regelmäßig aus der Sicht des Satelliten umrunden, geht man davon aus, dass man innerhalb von zwei Jahren mindesten 1000 Planetensysteme entdecken wird.

Aufgrund neuer Beobachtungen mit dem Spitzer-Weltraumobservatorium der Nasa lässt sich schon heute zumindest abschätzen, dass Sonnensysteme in unserer Galaxie, der Milchstraße, viel häufiger als gedacht vorkommen. Bei mindestens 20, vielleicht sogar 60 Prozent der sonnenähnlichen Sterne könnten solch erdähnliche Planeten entstanden sein, sagte US-Astronom Michael Meyer. Eine spannende Erkenntnis, zumal viele Wissenschafter, die nach erdähnlichen Planeten suchen, dort auch Leben zu finden glauben. Was vorerst freilich Spekulation bleibt.

Nach intelligentem Leben im Universum befragt, pflegt der exzentrische britische Astrophysiker Steven Hawking meist mit der Gegenfrage zu antworten: "Gibt es denn intelligentes Leben auf Erden?" (Andreas Feiertag/DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2008)

  • Auf dem HumboldtColloquium in Bad Hofgastein diskutieren derzeit Astronomen, wie man erdähnliche Planeten samt möglichem Leben findet.
    foto: nasa

    Auf dem HumboldtColloquium in Bad Hofgastein diskutieren derzeit Astronomen, wie man erdähnliche Planeten samt möglichem Leben findet.

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