"Back to Africa"

1. April 2008, 15:38
posten

Die diesjährige "Diagonale" eröffnet mit dem Film "Back to Africa", eine Hymne auf die Kulturen und differenzierten Realitäten Afrikas

Vom 1. bis 6. April 2008 findet in Graz die DIAGONALE, das Festival des österreichischen Films statt. Othmar Schmiderers "Back to Africa" wird der Eröffnungsfilm sein. Der österreichische Regisseur hat fünf afrikanische ArtistInnen vom Zirkus "Afrika! Afrika!" in ihren jeweiligen Ländern privat begleitet. Daraus ist eine wunderschöne Hymne auf die Kulturen und über die differenzierten Realitäten Afrikas entstanden. Für alle, die an Afrika nicht mehr glauben.

Ebraima Tata Dindin aus Gambia spielt die Kora - die afrikanische Harfe par excellence - Mingue Diagne Songo ist Tänzerin aus Senegal. Georges Momboye aus Côte d´Ivoire ist Choreograph. Mayaka Dimbelolo aus dem Kongo nennt sich Schlangenmensch und läuft wie eine Spinne auf die Bühne. Dickson Oppong aus Ghana ist der Watermann. Von seinem Vater lernte er, wie man fünf Liter Wasser im Körper speichert und im entscheidenden Moment hervorsprudelt. Alle sind Publikumslieblinge bei "Afrika!Afrika!".

Wer sind sie aber im wirklichen Leben, als Privatpersonen? Wie leben sie ihr Leben jenseits ihres Beruf als Nomadenkünstler in Europa? Was bedeutet ihr persönliches Engagements für sie, ihre Familie, ihr Land, ihres Kontinent? Wie verkraften Sie die Zerrissenheit zwischen Europa wo sie arbeiten und Afrika, wo Sie Ihre Wurzel haben. Was schätzen bzw. lehnen sie aus beiden Kontinenten ab? Eigentlich eine Frage der modernen wandelnden und globalisierten Arbeitskräfte.

Diesen Fragen ist Othmar Schmiderer nachgegangen. In einer geduldiger und gut recherchierten Arbeit hat er viele Antworten erhalten. Er begleitete die fünf Künstler in ihren eigenen Ländern sowie auch auf Tournée in Europa. Daraus ist der Film "Back to Africa" entstanden. Der Streifen diesen Film ist eine Annäherung an das Individuelle und engagierte Leben dieser KünstlerInnen. Zuhause sind die Künstler, Personen die Hoffnung verkörpern und Verantwortung für die Zukunft tragen. Fast alle haben in den jeweiligen Ländern Ausbildungstätte eröffnet, wo die junge Generation trainiert und versucht, ihren Traum zu verwirklichen.Sie übernehmen Aufgaben, für die die staatliche Strukturen längst versagt haben. Mit Erfolg.

Jenseits vom Afrika der Korruption und korruter politischer Eliten sowie unfähiger Staatsmänner blüht ein lebendiges, kunst und kulturreiches, dynamisches Afrika. "Back to Africa" thematisiert auch die kritische Ausseinandersetzung der porträtierten Künstlern mit sich selbst, der eigenen Familie sowie den staatlichen Institutionen.Diese Künstler sind gegenüber ihren Familien sowie dem Staates bodenfeste Kritiker. Sie kritisieren nicht nur, sondern engagieren sich selbst um die dortige Situation zu verändern. Mayaka Dimbelolo hat zum Beispiel in Kongo, durch seiner Arbeit ein Bestattungsunternehmen mit importierten Autos aus Deutschland eröffnet. George Momboye gründete eine Tanzschule, wo talentierte künstler rekrutiert werden, Mingue Diagne Songo beschäftigt sich intensiv mit dem Thema "Tanz und Kinder". Sie gibt ihr Wissen weiter an Kindern obwohl ihre Situation vor Ort in Senegal als berufliche Tänzerin, wie sie selbst sagt "keine leichte ist". Ebraima Tata Dindin ist Schatzmeister der Griots.Die Griots sind die Bewahrer der Geschichte, oralen Literatur und Musik ihrer Völker. Sie singen Balladen, erzählen Geschichten und unterhalten. Bei vielen wichtigen Zeremonien in den meisten westafrikanischen Ländern ist die Anwesenheit von Griots erforderlich.Dickson Oppong tut es auch in seiner Familie. Seine Tocher lernt wie sie als waterwoman Menschen unterhalten kann.

Was tun Menschen wenn staatliche Strukturen gescheitert sind? Mehrere Antwort kommen in Schmiderers Film zur Sprache. Die Kreativität und die Dynamik von engagierten Menschen trägt diesen Kontinent. Ein wichtiges Thema im Film ist die Solidarität zwischen den Generationen sowie der Rückhalt der Ahnen und Vorfahren nach dem Bantu Prinzip von Ubuntu: "Ich bin weil wir sind". "Ohne meine Vorfahren würde ich heute diesen Kunst nicht ausüben" gibt Ebraima Tata Dindin aus Gambia zu. Klartext: Ich existiere nur wenn andere existieren oder existiert haben.

Im Film dargestellte Afrika träumt nicht davon, von der Entwicklungshilfe gerettet zu werden. Nein. Dieses Afrika gestaltet die eigenen Welt aus eigener Kraft. Dieses Afrika arbeitet sehr hart und kommt aber selten in Nachrichten zu Wort. Dieser Film zeigt nur ein Abschnitt engagierter Menschen, die an Afrika glauben und in Afrika investieren. Eine schöne Hymne an die unsichtbarer Kräfte Afrikas, die die Zukunft entscheidend mitgestalten und eine Ohrfeige an die engstirnigen Medien, die diesen Kontinent nur als Kontinent der Krisen, Korruption, und Katastrophen betrachten. (Simon Inou)

Zur Person:
Simon Inou ist Chefredakteur von AFRIKANET.INFO
  • Simon Inou
    foto: philipp horak

    Simon Inou

Share if you care.