Erster Bankomat für Blinde in Österreich

11. April 2008, 10:19
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Sprachgesteuert: Blinde können mit Kopfhörern Anleitungen entgegennehmen - Pilotversuch unweit des Grazer Odilieninstitutes

Bankgeschäfte eigenständig erledigen - rund um die Uhr: Das ist ein großer Wunsch vieler Blinder in Österreich. In Graz wurde am Montag der österreichweit erste sprachgesteuerte Bankomat präsentiert, der es blinden Menschen ermöglicht, ohne fremde Hilfe Geld zu beheben oder den Kontostand zu prüfen. Ob weitere Apparate installiert werden, hänge von den Erfahrungen mit dem Pilotprojekt in der Bankstelle der RLB Steiermark St. Leonhard-LKH ab, hieß es.

Keine Selbstverständlichkeit

Geld am Bankomat abzuheben, ist in Österreich keine Besonderheit - für Blinde und Sehbehinderte ist die Bedienung des Gerätes allerdings keine Selbstverständlichkeit. Wollen sie ihn nutzen, sind sie meist auf Begleitpersonen angewiesen. Als Alternative bietet sich noch der Bankschalter an: Ist der geschlossen, gibt es oft kein Bargeld. Das soll sich mit dem vom Wincor-Nixdorf mit dem steirischen Bankinstitut entwickelten Gerät nun ändern.

Einfach

Die Benutzung des Bankomaten ist einfach. In die Bank und zum betreffenden Gerät selbst führt ein Blindenleitsystem. Im Foyer steckt der Kunde entweder seinen eigenen Kopfhörer oder einen, den er in der Bank erhält, an eine leicht ertastbare Anschlussbuchse am Gerät. Von hier ab wird er akustisch weitergeleitet, indem eine Stimme auf die in Blindenschrift gekennzeichneten Tasten verweist. Mit dem neuen akustischen System lässt sich nun auch erstmals der aktuelle Kontostand diskret erfragen. "Das Gerät ist wunschtraummäßig ausgestattet, vom Leitsystem über den Sichtschutz bis hin zum Kopfhörer", freute sich Mario Kowald, Geschäftsführer der Blinden- und Sehbehinderten GmbH Steiermark, bei der Präsentation am Montag.

40.000 Euro

"Wir wollen mit dem Gerät Blinden und Sehbehinderten ermöglichen, leicht und sicher zu Bargeld zu kommen", hielt RLB-Generaldirektor Markus Mair fest. Als Kosten der Projektentwicklung nennt die Raiffeisen-Landesbank Steiermark rund "30 - bis 40.000 Euro". Nachdem das System nun stehe, würden weitere Geräte rund zehn Prozent Mehrkosten bereiten. Nun werde erst einmal das vorhandene Gerät und seine tatsächliche Blindenfreundlichkeit erprobt. Weitere Geräte zumindest in Graz - wie z.B. am Jakominiplatz, dem Verkehrsknotenpunkt der steirischen Landeshauptstadt, seien angedacht, so RLB-Privatkundenchef Peter Haberer. (APA)

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