In den niederträchtigen niederländischen Medien hieß man Österreich eine C-Klasse-Mannschaft und das schwächste Team der EURO...
Dabei ist dieses austriakische Gänseblümchen-Team so stark wie lange nicht, es hat Selbstvertrauen und kombiniert, zumindest eine Stunde lang, dass einem das Herz übergeht. Es zeigt Pressing und Tempofußball, wie man es von einer österreichischen Nationalmannschaft seit vielen Wintern nicht gesehen hat. Man muss nur noch lernen zu atmen, das Spiel mal kurzfristig zu verschleppen. So wie man die letzten Jahre ständig gespielt hat, muss man nun, um Luft zu holen, pro Halbzeit zehn Minuten einschieben, dann ist man zwar immer noch ein Stiefmütterchen, aber doch für jedes Veilchen gut.
Bleibt nur zu hoffen, dass dieses zarte, im Keimen begriffene Pflänzchen auch nach der EURO, egal, was man dort erntet, gehegt und gehätschelt wird - und nicht einem neuen Trainer unter den Pflug des Neubeginns kommt. Natürlich kann man Hickersberger vieles vorwerfen, mir dünkt immer noch, dass er Scharner und Vastic integrieren müsste, dafür halte ich Hiden und Weissenberger für verzichtbar, über die Stürmer kann man streiten, und auch mancher Wechsel ist mir Schnecke. Wie kann man etwa gegen Holland, beim Stand von 3:1, wenn man Konter spielen muss, Janko bringen? Da müsste ein (nicht einberufener) Hoffer rein. Dennoch ist diesem Gärtner des österreichischen Fußballfrühlings viel gelungen, er hat auf die Jugend gesetzt und schon zwei Stunden Sonnenschein geerntet. Er hat eine Mannschaft geformt, die noch viele pflanzen wird, wenn sie denn von ihm selbst oder einem internationalen Klassetrainer zur Blüte gebracht wird. Nur von wem? Für Osim käme das Angebot um zehn Jahre zu spät, Rehhagel ist fest in Griechenland verwurzelt, Hitzfeld veredelt die Schweiz. Vielleicht wäre jemand wie Rangnick ein Glücksgriff? Von einer österreichischen Schrebergärtnerlösung wie Constantini, Jara, Schachner halte ich wenig.
Der ÖFB sollte schon jetzt mit Hickersberger reden, ob er das von ihm geformte Pflänzchen nicht durch das Gewächshaus WM-Quali in den Garten Eden einer ertragreichen Zukunft führen will. Sonst hat man im Herbst den nächsten Umbruch und wieder jahrelangen Unkrautfußball - dafür ist Österreich zu klein. Man darf Hickersbergers Mannschaft nicht mit Hoffnung überdüngen, aber es ist dem Gärtner gelungen, aus einer Wald- und Wiesenmannschaft zwei Stunden Klassefußball zu ziehen - das ist in Österreich schon viel. Da werden sich noch manche Tulpenzüchter wundern. (Franzobel; DER STANDARD Printausgabe; 1. April 2008)