"Ausstellungen und Konzerte in China absagen"

von Redaktion  |  23. April 2008, 12:25
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    Francesca Habsburg: "Stellung beziehen."

China ist traurigerweise eine Supermacht in allen Bereichen – außer moralisch - ein Kommentar der anderen von Francesca Habsburg

Wien – Die Bahnlinie nach Lhasa transportiert täglich unerwünschte Han-Immigranten nach Tibet, unterwirft die Tibeter damit einer organisierten Umvolkung und macht sie zu einer Minderheit im eigenen Land. „Was wir sehen, ist das Verschwinden einer Nation und einer Zivilisation“, sagt Samdhong Rinpoche, der vor kurzem gewählte Premierminister der legitimen tibetischen Exilregierung, bezugnehmend auf die Ansiedlung von Millionen von Chinesen in Tibet. Gleichzeitig transportiert diese Bahnlinie enorme Mengen wertvoller Rohstoffe aus Tibet ins eigentliche China und plündert damit weiter in großem Stil die Bodenschätze Tibets aus. Chinas eklatante Missachtung der Umwelt im eigenen Territorium setzt sich in Tibet fort.

GCHQ, einer der britischen Geheimdienste, der aus dem All die halbe Welt elektronisch beobachtet, untersucht unbestätigte Berichte, wonach Agenten der chinesischen Volksbefreiungsarmee als Mönche verkleidet die jüngsten Krawalle provoziert haben, bei denen hunderte Tibeter verletzt oder getötet worden sind. Die chinesische Regierung interpretiert die Unruhen als vorsätzliche Unterminierung der Rechtsstaatlichkeit und hat den Dalai Lama beschuldigt, den Aufruhr angezettelt zu haben. Der Dalai Lama ist gegenwärtig der vielleicht größte Förderer des Friedens, er hat 1989 den Friedensnobelpreis erhalten. Heute aber hat die Welt anscheinend ihn und sein Volk vergessen. Wo sind all die sogenannten Freunde Tibets, wo sind all die Politiker, die mit Seiner Heiligkeit zusammengetroffen sind und ihm ihre „tiefe Sorge“ über die Bedrängnis des tibetischen Volkes versichert haben?

China ist traurigerweise eine Supermacht in allen Bereichen – außer moralisch. Die Welt schaut beinahe schweigend zu, wie China brutal wie immer seine kolonialen Interessen in Bhutan, im Sudan, in Ruanda, verteidigt. Es gibt nur wenige Versuche, die Menschen in diesen unglücklichen Ländern zu beschützen, und China macht sie weiterhin zum Gespött. Unsere politischen Führer haben keinen Druck auf China ausgeübt, unsere gewählten Vertreter unternehmen nur wenig.

Daher gehen in der Regel Initiativen eher von Einzelpersonen aus als von Regierungen. Hauptsächlich dank persönlichen Engagements, zum Beispiel von Mia Farrow und seit kurzem von Steven Spielberg, beginnt sich die Lage in Darfur zu ändern. George Clooney, Don Cheadle, Brad Pitt und Matt Damon haben die Gruppe „Nicht unter unseren Augen“ gegründet, um zu versuchen, die Weltaufmerksamkeit auf den Westsudan zu richten, wo in den letzten vier Jahren Hunderttausende gestorben und Millionen Menschen vertrieben worden sind.

Aber, so großartig sie auch sind, diese Aktionen Einzelner müssen auf lange Sicht wirkungslos sein; sie verlieren an Kraft, sobald sich ihr Neu_igkeitswert abgenützt hat. Der Schwung geht rasch verloren ohne tatkräftige Unterstützung der schweigenden Mehrheit, ohne uns alle. Mutige Einzelpersonen, Persönlichkeiten von Rang in der Welt der Kunst und der Unterhaltung sagen ihre Meinung. Diese wenigen Stimmen müssen durch viele andere verstärkt werden. Wie tapfer war Björk, nach ihrem Lied „Declare Independence“ zum Schluss ihres Konzerts in Schanghai zu rufen: „Tibet! Tibet! Lass deine Fahne wehen!“

Appell an jeden Einzelnen

Hiermit appelliere ich an jeden Einzelnen in der Welt der Kunst und Unterhaltung, Stellung zu beziehen, Petitionen zu unterschreiben, klare Aussagen zu machen, Ausstellungen und Konzerte in China abzusagen und aufzuhören, chinesische Kunst zu kaufen. Beziehen Sie Stellung auf jede Art, die Ihnen einfällt, tun Sie alles, was sie können, aber bitte hören Sie auf, das Schicksal Tibets zu ignorieren, und erheben Sie Klage! Was die Olympischen Spiele betrifft (das Medieninteresse konzentriert sich ja derzeit sehr darauf), sollte festgehalten werden, dass China der Weltöffentlichkeit gegenüber – vertreten durch das Internationale Olympische Komitee – eine Verpflichtung abgegeben hat, dass es die Menschenrechte achten werde, als Voraussetzung, um überhaupt die Olympischen Spiele abhalten zu dürfen. Nach dem Bruch dieses leeren Versprechens sollten die chinesischen Führer mit einer angemessenen Reaktion des Internationalen Olympischen Komitees konfrontiert werden. Das IOC soll seine Prinzipien verteidigen und darauf bestehen, dass Gastgebernationen den Regeln gehorchen oder die Konsequenzen tragen. Freiheitsliebende Athleten aus allen Ländern der Welt sollen die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele boykottieren.

Diese Athleten haben jahrelang trainiert und sich den Großteil _ihres Lebens auf diesen Wettbewerb vorbereitet, und man sollte ihnen diese Möglichkeit nicht nehmen. Aber Sport kann nicht wichtiger _sein als Menschenleben und menschliche Werte. Beim Sport _sollte es um Menschenleben und menschliche Werte gehen. Die Eröffnungszeremonie ist weltweit anerkannt als Chinas heißersehnte Debüt-Party. Es ist gleichzeitig die Gelegenheit, bei der die Welt zeigen kann, was sie über die chinesische Genozidpolitik denkt.

Noch immer: Ein Genozid

Wie der Dalai Lama richtig festgestellt hat, begeht China noch immer kulturellen und tatsächlichen Genozid am tibetischen Volk. Wenn sich die Mehrheit der Welt einmal gegen China stellte und alle seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte, bildeten sich vielleicht Sprünge in der Machtbasis dieses Landes, und es könnte Hoffnung geben für das tibetische Volk. Martin Luther King sagte einmal zu den Unterdrückten und Leidenden: „Am Ende werden wir uns nicht mehr an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde.“ (DER STANDARD, Printausgabe, 1.4.2008)

Zur Person
Francesca Habsburg wurde 1958 als Tochter von Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza und seiner Frau Fiona geboren. 1993 heiratete sie in Mariazell Karl Habsburg. 2002 gründete sie in Wien die „Thyssen-Bornemisza Art Contemporary“-Stiftung (T-B A21).
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JOACHIM SCHREIBER 
07.04.2008 16:03
super artikel...

Thumbs up!

nana11
06.04.2008 10:37
"umvolkung"

sehr schön, der standard übt sich im jargon von mölzer und co.

bravo!!!

muterl
05.04.2008 10:37
sippenhaft

auch für eingeheiratete ist nicht möglich - wir würden uns dann auf das niveau eben der sippe begeben

aber irgendwie stinkt es da bei den abkömmlingen der monarchischen "elite"
der eine kriecht vor der condolenza
der andere verzapft im parlament gefährlichen unsinn
und jetzt polemisiert auch noch die damenriege unter missachtung von tatsachen und logik

gut dass der standard uns das alles berichtet

die monarchisten sind wirklich zu bedauern ...

dr.ban cok
02.04.2008 21:55

was man so zu lesen bekommt...
die olympischen spiele wurden trotz der situation in tibet an china vergeben, da wirtschaftliche fragen relevant sind. schon die naivität hier etwas anderes zu erwarten lässt diesen artikel in die bedeutungslosigkeit versinken.

hat sich das niemand durchgelesen was da gebrabbelt wird?

obendrein gibt es bei derartigen konflikten im leben nicht die möglichkeit von richtig oder falsch zu sprechen. grundsätzlich beutet china ALLES aus, auch das eigene volk.
ein großteil der demonstrationen in tibet waren gewalttätig und chinesen in tibet haben schaden genommen...spricht keiner drüber, sind ja chinesen.

die eklatante dummheit und ignoranz die einem allgemein entgegenwuchert ist erschreckend.

schimmelkaas
02.04.2008 23:26
die möglichkeit

über die intelligenz anderer zu urteilen ohne selbst eine unter beweis zu stellen finde ich erschreckend.

dr.ban cok
03.04.2008 09:57

grundsätzlich haben sie natürlich recht. allerdings sollten sie soweit sein, dass sie zwischen unsinn und halbwegs überlegter argumentation unterscheiden können.

im aktuellen fall bietet es sich eigentlich an den mund zu halten, da niemand zur meinungsäusserung gezwungen wird. wenn dann allerdings doch ein jeder unbedingt seine rechte, aus fadenscheinigen gründen wahrnehmen will, und brabbelt, ist zu erwarten, dass man dadurch auf einen ganzen haufen deppen stößt.

Michael Eisner  
02.04.2008 12:55
Interviews

Vielleich wäre es auch möglich einen griffigen Slogan zu kreieren - etwas origineller als "Free Tibet" (mir fällt nur im Moment nix ein) - den die Sportler bei jeder Gelegenheit in chinesische und internationale Kameras sagen. Oder eine Geste - wie das T im Taubstummen-Alphabet, oder der Gebärdensprache.
Dann könnten wir mal sehen wie die Zensur reagiert, wenn die Olypioniken Stellung beziehen. Denen können sie ja hoffentlich nichts antun.

DieBo
02.04.2008 11:15
Ich könnte mir vorstellen die Mussen dieser Welt brauchen sowieso eine Auszeit, sind sie doch damit ausgelastet die Beutekunst aus dem Irak und Afghanistan zu archivieren.

pepitant 
02.04.2008 07:45
Supermacht in allen Bereichen – außer moralisch

Von welcher Supermacht ist hier die Rede ?
Oder besser: Von welcher Macht - auch wenn sie nicht so super ist - nicht ?
Wie stehts eigentlich um unsere westliche Moral in Hinblick auf die Auslagerung von Arbeit aus Profitgründen - nach China ?

schimmelkaas
02.04.2008 11:20
wenn china eine

halbwegs funktionierende demokratie wäre, wärs halb so wild. dann könnte man davon ausgehen, dass sich die preise der billigarbeiter langsam erhöhen werden und sich unserem niveau anpassen würden. die auslagerung würde nur bewirken, dass die vermögensunterschiede auf der welt ausgeglichen werden.
aber china ist keine demokratie. ich befürchte sie werden die löhne der arbeiter künstlich niedrig halten - und langsam wird sich die produktion aller güter nach china verschieben.

und irgendwann gehts "zack". china dreht die produktion ab - scheisst auf unser geld und erobert land für land mit der weltgrößten produktionsmaschinerie im rücken. der kommunismus hat gewonnen. FRAGE : ist das komplett unrealistisch? ich bin mir nicht sicher.

Walter Bimini
01.04.2008 22:39
was ist eigentlich

eine umvolkung?


Friedrich N. 
01.04.2008 20:42
China muss nur warten

In vielen Länder Afrikas werden Rückführungen an die indigene Bev. aus europ. Sicht als negativ empfunden. Niemand klag GB für die Okkupaion von Nordirland an und auch im Fall Israel aht man akzeptiert das sich Immigranten eines Landes bemächtigen und die Bev. in Getthos verbannen. USA Kanada und Australien sind weitere Beispiele. Vielleicht sind die beispiele aber auch nicht gut weil in diesen Fällen handelt es sich um Weiße vertreiber.

dr.ban cok
02.04.2008 21:55

hehe, in der tat nahe an der sache.

Welke Nelke
01.04.2008 15:06

was habsburger-kritik angeht, ist die "standard"-zensur anscheinend ziemlich empfindlich - inzwischen sind schon zwei postings von mir verschwunden...

offensichtlich fällt es immer noch unter majestätsbeleidigung, wenn man darauf hinweist, dass es vermutlich auf die (an zahlreichen "world vision"-werbebannern erkennbare) finanzielle zuwendungen des hauses habsburg-lothringen an den verlag zurückzuführen ist, dass dieser dummdreiste aprilscherz-kommentar tatsächlich auf lachsrosa papier abgedruckt wurde...

Goldberger Josef
01.04.2008 14:44
In den Kreisen der Hochwohlgeborenen...

trägt man selbstverständlich keine chin. Textilien am Leibe. Boykottmaßnahmen müssen ergo auf den chinesischen Kunstmarkt verlagert werden. Mit politischer Zielgenauigkeit (immerhin ist die Dame in eine Familie eingeheiratet, in der man was von Vielvölkerproblemen versteht) trifft es dabei natürlich die Hauptverantwortlichen in der Tibetfrage: die chin. Künstler! Also nieder mit chin. Kunst! Boykott!! Boykott!! für alle Maßnahmen eines friedlichen kulturellen Austausches!!
Vielleicht wären die Investoren im lukrativen chin. Kunstmarkt aber auch gut beraten, wenn sie persönl. ihre Neuerwerbungen begutachten würden und entsprechend dem eigenen Geschmack und Kunstverständnis (so vorhanden) einkaufen.
Damit wäre auch den chin Künstlern geholfen

Felix Kronabetter
01.04.2008 13:53
"Kommentar der Anderen" in Chin Medien...

Durch das Standard Forum inspiriert wollte ich mal sehen ob man in den Chinesischen Medien auch posten kann.

Erstaunlicherweise wurde mein Kommentar in einem Forum der China Daily nicht zensoriert obwohl ich als Zensor das sicher getan haette:

http://comment.chinadaily.com.cn/articlecm... ter+unrest

Lao Wei 2008-03-27 21:42
What a shame. The visit didn't go as planned. Monks are still protesting and the whole world saw it.

Stanislaw Petrow 
01.04.2008 21:20
keine sorge, ihr kommentar in der china daily wurde bereits zensuriert!

... klicken sie mal auf den link;-)
... zensoren sind halt auch nur menschen, und brauchen ihre zeit bis die arbeit erledigt ist.

Felix Kronabetter
02.04.2008 10:29
???

habe gerade geklickt und es noch gefunden...

Sind Sie zufaellig in China? Vielleicht wird von den Zensoren da unterschieden...

Mfg. FK

Stanislaw Petrow 
02.04.2008 18:57

sorry, liegt wahrscheinlich tatsächlich an meinen pc-einstellungen.
wenn es tatsächlich so ist und kommentare nicht zensuriert werden, ist das wirklich eine erfreuliche entwicklung. nur was ist dann mit den zahlreichen berichten, in denen behauptet wird, dass das internet in china zensuriert wird?

dr.ban cok
02.04.2008 21:58

das internet wird überwacht, allerdings meiner meinung nach bei weitem nicht in dem ausmaß wie berichtet wird. ich hatte bei meinem letzten chinabesuch nur mit wikipedia keine chance - soweit ich weiss ist auch cnn nicht erreichbar...

Welke Nelke
01.04.2008 12:12

besonders gut gefällt mir auch der werbebanner für "world vision" gleich neben diesem schlechten aprilscherz von einem kommentar.

noch mal den namen der autorin lesen und dann scharf nachdenken: welche ehemalige österreichische kaiserfamilie geriet vor ein paar jahren wegen unregelmäßigkeiten beim umgang mit spendengeldern in die schlagzeilen? brauchen sie den telefonjoker?

lieber dalai lama, wer solche freunde hat, braucht keine feinde mehr...

tibet muss frei bleiben!

schimmelkaas
01.04.2008 10:38
der boykott vorschlag

von frau habsburg ist überhaupt nicht zielführend.

sinnvoll wäre es für eine dicke fette markierung (und zwar fetter als die streifen auf den adidas schuhen)
von produkten aus china zu protestieren - der rest würde sich dann mit der zeit von alleine ergeben.

von mir aus könntens generell überall fett draufschreiben wo welches produkt wirklich produziert wurde.

schließlich entscheidet man ja bei jedem kauf auch mit, welche polititk man fördert und welche nicht.
jeder sollte sich bewusst sein, dass jeder einkauf eine unterstützung von gewissen gruppierungen darstellt.
so gesehen denke ich, dass einkaufen beinahe wichtiger als wählen ist.

auf designed in usa und made in china verzichte ich jedenfalls wenn ichs vorher weiss...

dr.ban cok
02.04.2008 22:19

hehe, sie sind aber gewaltig daneben. schaun sie mal genau was alles aus china kommt und wenn ihnen das noch nicht reicht dann zerlegen sie zu hause mal alles und schaun wo am ende komponenten drinnen sind die aus china kommen.

SIE unterstützen dieses regime wie wir alle. dieses idiotische geschrei zeugt von einiger dummheit. es reicht anscheinend, dass man von seiten der politik etwas stimmung macht, dann plärren es sicher genügend ignoranten gleichermaßen. schalten sie ihr hirn ein.

schimmelkaas
02.04.2008 23:01
ich bin mir vollkommen

bewusst was alles auch china kommt - eben drum...

es hat nämlich einen grund wieso alles aus china kommt- den ignorieren aber die meisten, und der wird sich nochmal rächen.
mir wärs möglicherweise sogar egal wenns einfach nur unfair wäre(wir beuten irgendwelche armen arbeiter aus.... bei uns sind ein paar ungebildete mehr arbeitslos... - kann mir eigentlich wurst sein)
auf unserer trägheit erwacht aber möglicherweise ein ungetüm welches eine gefahr für die freiheit der menschheit ist.
möglicherweise hat china keine langfristigen pläne und wird bald eine mehr oder weniger echte demokratie - aber wenn nicht dann gnade uns gott...

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