Lokalaugenschein: Wien wächst nach Nordosten

Redaktion, 1. April 2008, 11:02
  • Die Broczas freuen sich auf den neuen Staddteil.
    foto: berthold eder

    Die Broczas freuen sich auf den neuen Staddteil.

  • Käthe Bac ist skeptisch: die verglasten Hochhäuser, die  hier entstehen sollen, erinnern sie an die Wohnsiedlungen am Rennbahnweg.
    foto: berthold eder

    Käthe Bac ist skeptisch: die verglasten Hochhäuser, die hier entstehen sollen, erinnern sie an die Wohnsiedlungen am Rennbahnweg.

  • Das Asperner Flugfeld aus der Luft: hier landete 1913 der erste Zeppelin.
    foto: apa/schlager

    Das Asperner Flugfeld aus der Luft: hier landete 1913 der erste Zeppelin.

  • Der Masterplan des schwedischen Architekturbüros Tovatt.
    grafik: apa

    Der Masterplan des schwedischen Architekturbüros Tovatt.

  • Das Fahrtechnikzentrum des ARBÖ wird irgendwann den Baumaschinen weichen müssen.
    foto: berthold eder

    Das Fahrtechnikzentrum des ARBÖ wird irgendwann den Baumaschinen weichen müssen.

Flugfeld Aspern: Wo einst Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde, entsteht ein neuer Staddteil: nicht alle Anwohner sind begeistert

„Ich sehe das als eine Riesenchance“: Das Ehepaar Brocza ist vor neun Monaten nach Aspern gezogen, weil die Gegend am Wiener Stadtrand Zukunft hat. Im Jahr 2013 soll die verlängerte U2, die dann bis zum ehemaligen Flugfeld reichen wird, in der Nähe ihres Einfamilienhauses halten, und auch vom geplanten neuen Stadtteil erwarten sie sich viele Vorteile.

Am nordöstlichen Rand Wiens, wo Flurnamen wie „Pilotengasse“ daran erinnern, dass einst Wiens Hauptflughafen lag, soll in den nächsten Jahren eine Wohnsiedlung entstehen. Auf dem 200 Hektar großen Areal werden laut Masterplan des Stockholmer Architekturbüros Tovatt 20.000 Menschen wohnen, Büro- und Gewerbeflächen sollen für die Schaffung ebenso vieler Arbeitsplätze sorgen.

Aushub soll Autobahn überdecken

Die Broczkas haben bereits zwei Infoveranstaltungen des Bezirksamts besucht, und was sie dort erfahren haben, klingt vielversprechend: im Zentrum der Anlage wird ein künstlicher See angelegt, die Autobahn, die am Nordrand des Geländes vorbeiführt, soll mit dem Aushub der Großbaustelle überdacht werden. So werden den Anrainern viele LKW-Fahrten erspart, und von der zu erwartenden Verkehrszunahme durch den neuen Stadtteil werden die Asperner auch weniger mitbekommen.

Allerdings erfordert die Überdachung, die auch die neu angelegte U2-Trasse und die Schnellbahn einbeziehen soll, dass Asfinag, ÖBB und die Wiener Linien ihre Bauvorhaben koordinieren, und auch die Finanzierungsfrage soll noch nicht geklärt sein, haben sie gehört.

Der Masterplan sieht vor, den Autoverkehr von Norden und Süden zum neuen Stadtteil zu führen: so soll die Wohnqualität der Kleingartenbewohner am Ostrand des Flugfeldes möglichst wenig beeinträchtigt werden, und auch der Windschutzgürtel, den die Bewohner selbst angelegt haben, werde erhalten bleiben, haben sie gehört.

Arbeitlose "Ursiedler"

„Man kann eh nichts ändern“, meint Käthe Bac, die seit 20 Jahren in Aspern wohnt, „die Stadt wächst halt“. Die rüstige Siebzigerin kennt viele „Ursiedler“, wie sie sie nennt, also Leute, die seit der Errichtung der ersten Wohnhäuser in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts hier leben.

Damals siedelte die Wiener Stadtregierung hier Familien an, die von der Massenarbeitslosigkeit betroffen wurden. Die Neuankömmlinge mussten sich selbst an der Errichtung der Häuser beteiligen, um die Kosten niedrig zu halten, und die Grundstücke waren damals 1500 Quadratmeter groß, damit die Siedler mit sich Gemüseanbau und Kleintierhaltung selbst ernähren konnten.

Steigende Grundstückspreise

Seitdem hat sich viel verändert: wenn Frau Bac in ihre geliebte Lobau radeln will, muss sie den kilometerlangen Hallenkomplex des General-Motors-Werks weiträumig umfahren. Der Anstieg der Grundstückspreise bewirkte, dass viele Siedler ihre Parzellen teilten und eine Hälfte abgaben, um die Pacht zu senken. „64.000 Schilling pro Jahr wollte die Gewista auf einmal“, erinnert sie sich, „da sind die Leute auf die Barrikaden gegangen.“

Von der neuen Wohnanlage erwartet Frau Bac nichts Gutes: die Fotos beim Infozentrum erinnern sie an die Gemeindebauten am Rennbahnweg, und ob sich der künstliche See zum Schwimmen eignen wird, bezweifelt sie. „Jetzt wohnen wir ja praktisch auf einer Insel der Seligen“, merkt die pensionierte Verkäuferin an, „unsere Enkelkinder freuen sich, wenn sie am Wochenende zu uns ins Grüne kommen können“. Wie lange das noch so bleibt, ist ungewiss: erste Vorarbeiten für die Wasserfläche und die Bauphase 1 sollen im Frühling anlaufen, mit der Fertigstellung der Anlage wird nicht vor 2020 gerechnet. (Berthold Eder, derStandard.at)

Service
Der Infopoint auf dem Flugfeld Aspern (Ecke Johann Kutschera-Gasse/An den Alten Schanzen, 1220 Wien) ist seit 22. März wieder geöffnet.

Links
Flugfeld-Aspern.at - das Bauprojekt
Flughafen-Aspern.at - die Geschichte des Flugplatzes

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Die AsfinAG kann sich zurückziehen

Laut Projektleiter Christoph Chorherr (Die Grünen) kommen dort keine Autos hin, nur Fahrräder und Tretroller. U-Bahn-Anbindung kommt ja auch.

Daher brauchen wir in Aspern keine Straßen. Die AsfinAG ist ohnehin bis über die Ohren verschuldet.

unort

wenn das ganze projekt von aspern mit seinen feldern, einfamilienhäusern und industriegebieten ins donaufeld, also zwischen die beinahe städtischen strukturen floridsdorf und kagran, verlegt würde, wäre es wirklich sinnvoll und innovativ. und man würde sich auch einige 100 mio euro für eine sinnlose u-bahn-verlängerung ersparen.

in aspern wohnt man aber nicht zwischen wohnblöcken der 70er jahre

sondern im grünen mit ubahn...das ist schon etwas anderes!

Dort besitzt die Stadt aber nicht eine rieisigen Brocken Land, was am Flugfeld eben solch einen vernünftig klingenden Masterplan zumindest theoretisch ermöglicht.

Wenn mal nur das was im Masterplan verwirklicht wird, wird das die beste Stadterweiterung, die es seit langem in Wien gegeben hat.

mittlerweile ist von Schi-Hallen und Sprungschanzen die Rede.

Weiters die neue Ankerbrot-Fabrik und riesige Einkaufszentren.
---> außer der Verhundertfachung des motor. Individualverkehrs wird gar nichts "erweitert".

"Im Jahr 2013 soll die verlängerte U2, die dann bis zum ehemaligen Flugfeld reichen wird, in der Nähe ihres Einfamilienhauses halten, ..."

Jö wie süß.
Jetzt versorgen die U-Bahnen schon Einfamilien-Häuser.

Dazu noch eine Autobahn.

So ein Schwachsinn kann nur in Wien vorkommen.
Typische SPÖ-Arbeit.


nein dort wird ein stadtteil gebaut

weil wien in den nächsten jahren einen enormen einwohner zuwachs erfährt...und damit wohnen im internat. vergleich so günstig bleibt, muss man das angebot erhöhen...süß gell!

naja, die anreisebeschreibung zum arbö aspern mit öffis lautet: bus ab kagran, 2x umsteigen mit bis zu 30 min wartezeit, anschliessend 15 minuten fussweg.
dass sich die dame (die ja nicht so weit von dort weg wohnt) über die u-bahn freut, ist irgendwie nachvollziehbar. ausserdem gibt es ja dort ja auch einige grosse siedlungen.

Von welchem Schwachsinn genau, ist hier die Rede?

Von dem Schwachsinn...

...eine Satellitenstadt am Rande der Stadt aus dem Boden zu stampfen. Jeder Raumplaner lernt das wohl im ersten Semester, dass Stadtentwicklung nicht am Rande der Stadt, sondern von innen heraus stattfinden sollte. Satellitenstädte sind die größten Verkehrserreger, zudem nicht unbedingt lebendig, weil sie schnell zu Wohnghettos ohne gewachsene Strukturen verkommen.

Ja, aber sag das mal dem Chorherr

richtig

war nicht auch die großfeldsiedlung damals ein vorzeigeprojekt? und heute? ATV land ;-)

das kann man nicht vergleichen

weil das projekt völlig anders aufgezogen wird...schade dass vorurteil vor information geht...übrigens so viel ich gesehen habe, planen auch erstsemestrige mit...

hieß es...

...vor zeiten nicht noch "anrainer" statt "anwohner"? unnötiges neuösterreichisch bitte ein bisserl eingrenzen!

ich frag mich ja was genau ein anwohner so macht?

das ist...

piefgonisch welches, genau wie die Anglizismen, ja so viel besser ist als das, was wir bis jetzt hatten...

Noch schlimmer als Anwohner ist Anlieger....

ist zwar kleinlich,

aber nocheinmal: Aspern liegt NICHT im Nordosten, sondern im Osten. und zwar eindeutig.

danke! wir sind osten!!

ostKlub!

Das haben die roten Bonzen in Wien noch nicht mitbekommen ;-)
Für die ist auch der 21. Bez. noch immer im Norden?

Die Donaustadt war einmal schön. Jetzt wird sie urbanisiert. Schön ist anders...

stadt und grün schließt sich nicht aus

äcker sind nicht schön...wilde parks und wasser sind schön und das kommt dort hin

Wo gibt es wilde Parks?

Außerdem sind Felder eine schöne Kulturlandschaft, die auch gewährleisten, dass die Menschen nicht den (Weit-) Blick für das Ganze verlieren ;-)

Die massive Verbauung in kurzer Zeit ist keinesfalls schön. In den 70er Jahren hatte man die Großfeldsiedlung, die Rennbahnwegsiedlung, etc. in Wien hingeklotzt. Ähnliches passiert jetzt leider wieder in leicht anderer Form.

genau!

weil im benachbarten groß enzersdorf haben die grundwehrdiener beim morgenappell immer in richtung sonnenaufgang gestanden um zu wissen wo der öchlimme österreich bedrohende "feind" herkommen wird.....

naja

die bezirke über der donau waren auch schon immer die nördlichen bezirke

die a2 heißt auch nicht südwest-autobahn

Kommt drauf an von wo aus gesehen...

gibts leicht bei himmelsrichtungen unterschiedliche blickwinkel?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.