"Zimmer frei" beim Milliardär

1. April 2008, 23:52
8 Postings

Das Griss um Ferienwohnungen in Lech macht erfinderisch. Wer reich genug ist, baut sich ein Hotel oder eine Pension - mit Kommentar

Lech - Zweitwohnsitze in Lech sind so begehrt wie knapp. Deutsche Manager und russische Oligarchen bieten Millionen für ein Domizil im Schnee und treiben die Preise in die Höhe. Manch Reicher wird sogar zum Gewerbetreibenden, um das Raumplanungsgesetz zu umgehen.

So kaufte Oleg Deripaska vom früheren Lebensmittelhändler Martin Zumtobel ein marodes Hotel, riss es nieder; innerhalb weniger Monate wurden drei unspektakuläre Häuser hochgezogen. Keine Ferienhäuser, wie Bürgermeister Ludwig Muxel "fest überzeugt" ist, sondern "ein Luxushotel mit 19 Suiten und 30 Beschäftigten". Ende 2008 wird der Betrieb aufgenommen. Man werde natürlich überprüfen, ob der Hotelwidmung entsprechend gehandelt wird, sagt der Bürgermeister, und es klingt trotzig. Schließlich sitzt er im EU-Ausschuss für nachhaltigen Tourismus und weiß, "dass Zweitwohnsitze der Untergang des Qualitätstourismus sind".

Misslungener Einstieg

Dem deutschen Industriellen Martin Viessmann ist der Einstieg in die Hotellerie misslungen. Er wollte sich eine "Pension" bauen, auf einem Grundstück, das ihm die Gemeinde verkauft hätte. Die Entrüstung war zu groß, Viessmann zog zurück. Auch der früherer Daimler-Chrysler-Manager Eckhard Cordes, heute bei Metro, möchte seine Lecher Wohnung gewerblich nutzen, bekommt aber keine Genehmigung. Muxel vermutet im Cordes-Fall ein "Umgehungsgeschäft", der Manager will nun durch die Instanzen gehen.

In Oberlech wohnt der alte Ferienwohnungsadel. Jüngste Zugänge am Millionärshang sind der Harder Industrielle Alwin Lehner und Michael Hilti, der Liechtensteiner Baumaschinenspezialist. "Hilti braucht keine Genehmigung", sagt Muxel "das Haus, das er 2005 gekauft hat, hat seit 1957 eine". Auch Siegfried Wolf (Magna), der sein Haus vom früheren Gemeindesekretär kaufte, habe eine "alte Bewilligung von 1993". Ron Sommer (früher Deutsche Telekom) habe auch vor 2000 gekauft. "Das würden wir heute nicht mehr machen", räumt Muxel ein. Auch Lehner habe vor 2000 gekauft, jenem Jahr als das "Räumliche Entwicklungskonzept" beschlossen wurde. Keine zusätzlichen Flächen werden ausgewiesen, steht im Konzept. Nur "bei Vorliegen besonders berücksichtigungswürdiger Umstände" seien Einzelgenehmigungen möglich.

Keine Widmung

Besondere Umstände vermutet auch der Anwalt Karl Schelling. Er vertritt die Atlantis Architektur Bau GmbH, eine Vorarlberger Firma, die in Oberlech eine Anlage mit drei Wohnungen gebaut hat und keine Ferienwohnungswidmung bekommt. Im Gegensatz zum neuen Projekt "Lama", das laut Bürgermeister "eine Pension" ist. Schelling: "Ich habe nichts gegen Restriktionen. Die Kriterien müssen aber klar sein und für alle gelten."

Muxel lässt den Vorwurf nicht gelten. "Das ist böswillig. Es gibt keine Ausnahmen, wir sind ganz restriktiv." Lech hat laut Muxel 400 genehmigte Ferienwohnungen. Zwei Gemeindeprüfer gehen auf Kontrolle. Jährlich gibt es rund 20 Anzeigen, Strafen bis 35.000 Euro sind möglich. Bei wiederholter widmungswidriger Nutzung droht die Zwangsversteigerung. Muxel würde das Instrument anwenden, sagt er. "Egal, wen es betrifft." (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 31.3.2008)

  • Nächsten Winter kann man bei Milliardär Oleg Deripaska übernachten. Falls er ein Zimmer frei hat
    foto: standard/berger

    Nächsten Winter kann man bei Milliardär Oleg Deripaska übernachten. Falls er ein Zimmer frei hat

Share if you care.