Vermittler im Interview: "Es ist ein politisches Ultimatum"

12. April 2008, 13:57
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Lösegeld ist im Ultimatum der Entführer eines Salzburger Paares nicht vorgesehen, sagte Österreichs Vermittler, Anton Prohaska im STANDARD-Interview

Standard: Wie schätzen Sie die Lage wenige Tage vor Ablauf des neuen Ultimatums am 6. April ein?

Prohaska: Ich kann nur sagen, dass wir hier in Mali und beim Krisenstab in Wien mit Hochdruck an der Freilassung arbeiten.

Standard: Anders als im Irak sind Geiselnahmen in Westafrika bisher eher gut ausgegangen. Stimmt Sie das zuversichtlich?

Prohaska: Unser Bundespräsident hat in seiner Botschaft an den Präsidenten von Mali ausdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass alles für eine Freilassung ohne Blutvergießen unternommen werde. Der Präsident von Mali ist ein Pragmatiker und bekannt dafür, jedes Blutvergießen zu vermeiden.

Standard: Werden informelle Kontakte durch das jüngste Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen Armee und Tuareg-Rebellen im Norden erschwert?

Prohaska: Wir sind von diesem Konflikt nicht unmittelbar betroffen.

Standard: Lässt die zweiwöchige Verlängerung des Ultimatums nicht den Schluss zu, dass es den Entführern vorrangig um Geld geht?

Prohaska: Die Verlängerung bedeutet zuerst einmal, dass wir uns mit größerer Umsicht und Genauigkeit dem Ziel nähern können. Dass es um Lösegeld geht, geht aus dem Ultimatum nicht hervor; so wie ich es kenne, ist es grundsätzlich ein politisches Ultimatum – für die Befreiung von Gesinnungsbrüdern in Algerien und Tunesien.

Standard: Laut Jörg Haider spielt Libyen eine aktive Rolle in den Verhandlungen.

Prohaska: Alle, denen das Wohlergehen der Geiseln am Herzen liegt, versuchen via Freunde und Kontakte zu einem guten Ausgang des Dramas beizutragen. Im Einzelfall kann ich das nicht bestätigen oder negieren.(Stefan Brändle/DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2008)

Zur Person: Der pensionierte Diplomat Anton Prohaska (68) war unter anderem österreichischer Botschafter in Paris. Als Verhandler bei Geiselnahmen hat er sich im Libanon bewährt.
  • Das Wiener Außenamt arbeite weiter mit Hochdruck an der Befreiung der Geiseln, sagt Vermittler Prohaska.
    foto: hopi-media/martha hermann

    Das Wiener Außenamt arbeite weiter mit Hochdruck an der Befreiung der Geiseln, sagt Vermittler Prohaska.

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