"Wär es nicht toll, wenn der Körper das Handy mit Strom versorgt?"

1. April 2008, 13:13
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Vor 35 Jahren machte Handy-Pionier Martin Cooper den ersten Mobilfunkanruf der USA - Heute sieht er eine große Zukunft für Geräte, die im Körper "eingebettet" werden

Als Martin Cooper vor 35 Jahren das Mobiltelefon erfand, stellte er sich eine Welt vor, in der Menschen mit ihren drahtlosen Verbindungen so verheiratet wären, dass sie mit Geräten in ihrem Körper spazieren gehen würden.

Hinter den Erwartungen

Zwar haben Handys einen weiten Weg zurückgelegt seit dem ersten drahtlosen Anruf, den der damalige Motorola-Forscher am 3. April 1973 an einer New Yorker Straßenecke machte. Aber die Industrie sei weit hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben, bedauert Cooper. "Wir träumten davon, dass eines Tages niemand mehr mit einem verdrahteten Telefon anrufen würde, weil alle drahtlose Geräte benutzen", erzählt der 79-jährige Elektroniker. Er sei nach seinem ersten mobilen Anruf so aufgekratzt gewesen, dass er darüber gewitzelt hätte, künftig werde "jeder Mensch bei seiner Geburt eine Telefonnummer erhalten und sterben, wenn er nicht mehr abhebt".

"Die Vorstellung ist, dass die Telefonnummer ein Teil von dir wird", sagt Cooper, der darauf wartet, eines Tages nur an einen Anruf denken zu müssen, damit sein Telefon automatisch die dazugehörige Nummer wählt. Das Beste kommt erst

Energie und Gesundheit

Obwohl die Mobilfunkindustrie boomt und weltweit rund drei Milliarden Menschen Handys besitzen, im Vergleich zu 300.000 im Jahr 1984, glaubt Cooper daran, dass es noch viele drahtlose Entwicklungsmöglichkeiten gibt, von Gesundheitsanwendungen bis zu Energie.

"35 Jahre danach ist endlich klar, dass Menschen die Freiheit haben wollen, sich auch dann zu verständigen, wenn sie unterwegs sind. Bisher haben wir das nur für Gespräche geschafft", sagt der Forscher, der heute CEO von ArrayComm ist, ein Spezialist für Drahtlostechnologien.

Implantate

In 15 bis 20 Jahren, ist er überzeugt, werden Menschen drahtlose Geräte implantiert haben, die bei der Diagnose und Therapie von Krankheiten helfen können. "Überlegen Sie nur, was wir erreichen könnten, wenn wir Ihre Körperdaten messen können, wenn Sie krank sind, und diese direkt an einen Arzt oder Computer übertragen können", sagt Cooper. "Sie können sofort mittels Funk diagnostiziert und behandelt werden."

Implantierte Drahtlosgeräte könnten auch das Problem des Energieverbrauchs lösen, das aufgrund der wachsenden Komplexität von Mobilgeräten noch immer ein frustrierendes Problem für ihre Benutzer sein kann.

"Da haben Sie diesen wunderbaren Generator namens menschlicher Körper, der andauernd Energie erzeugt", erklärt Cooper. "Wäre es nicht toll, wenn man diese Geräte einbauen und aus dem Körper mit Strom versorgen könnte?"

Hürden

Cooper räumt ein, dass es Hürden gibt, seine Vision von implantierten drahtlosen Geräten umzusetzen. "Die Begrenzung liegt nicht so sehr bei der Technologie, sondern den Menschen. Menschen sind wirklich konservativ."

Aber auch wenn die Vorstellung, dass Menschen ihre Handys durch ihren Körper wieder aufladen können, wie Science-Fiction klingt: Cooper erinnert sich an die staunenden Passanten, die ihn Ecke 56. Straße und Lexington Avenue in sein Drahtlosgerät sprechen sahen.

Prototyp

Der Prototyp wurde in dreimonatiger Bauzeit entwickelt, wiegte fast ein Kilo und hatte 20 Minuten Betriebszeit. Der erste Anruf ging an die Forscherkollegen des Bell Labs, das zu einem Vorläufer des US-Telekomriesen AT&T gehörte. AT&T hatte zwar schon in den 40er-Jahren das erste Funkgerät für ein Auto gebaut, aber erst 1978 gab es das erste kommerzielle Mobilfunknetz. Und es dauerte weitere fünf Jahre, ehe das erste "Handy" mit dem Spitznamen "Ziegel" verkauft wurde. Viel einfacher werden

Ja, Handys seien heute wesentlich zuverlässiger, und die Netzwerk-Abdeckung sei besser geworden, sagt Cooper. Aber die Mobilfunkindustrie müsse die Geräte noch viel einfacher machen, fordert er. Features wie Musik, Kamera, E-Mail oder Websurfen müssten leichter zu benutzen sein. "Richtig wäre es, wenn es zum Fotografieren zwei Knöpfe gebe: einen zum Knipsen, den anderen zum Verschicken."

Herz gebrochen

Die Nachricht, dass Motorola - 29 Jahre Coopers Arbeitgeber - die Handysparte abspalten wird, habe ihm das Herz gebrochen. "Motorola muss etwas riskieren, um wieder zu gewinnen." So wie seinerzeit, als alle Ingenieure für den Bau des ersten Mobiltelefons eingesetzt wurden. "Die Leute hielten mich für verrückt, weil ich mir ein Telefon vorstellte, das man einfach einsteckte." (Sinead Carew, Reuters)

  • Martin Cooper, früherer Motorola Forscher, machte am 3. April 1978 in New York das erste Gespräch mit dem Prototyp eines Motorola Handys DynaTAC.
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    Martin Cooper, früherer Motorola Forscher, machte am 3. April 1978 in New York das erste Gespräch mit dem Prototyp eines Motorola Handys DynaTAC.

  • Prototyp eines Motorola Handys DynaTAC.
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    Prototyp eines Motorola Handys DynaTAC.

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