Österreichische Forscher arbeiten am Identitätsmanagement 2.0

4. April 2008, 11:14
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MySpace, Facebook und Co.: Nutzer sollen Kontrolle über ihre persönlichen Daten und Profile im Internet zurückbekommen

Soziale Netzwerke wie MySpace oder StudiVZ bringen zwar viele "neue Freunde", sie speichern jedoch auch eine Reihe von persönlichen Daten ihrer Nutzer. Oft um einen hohen Preis. Denn diese lassen sich - einmal eingetragen - nur schwer aus dem globalen Netz entfernen und vom User kaum kontrollieren. Das EU-Forschungsprojekt "PrimeLife" mit österreichischer Beteiligung will hier nun Abhilfe schaffen und neue Lösungen für ein nachhaltiges Datenschutz- und Identitätsmanagement im Netz entwickeln.

Kontrolle

Dabei sollen die Anwender nicht auf die Funktionalitäten und Vorteile des Internets verzichten müssen, wie Peter Wolkerstorfer vom Center for Usability Research & Engineering (CURE) in Wien im Gespräch mit APA-ZukunftWissen erklärte. Ziel sei es, dem Nutzer die Kontrolle über seine persönlichen Daten und Profile im Internet zurückzugeben - und zwar im besten Fall ein Leben lang. "Das hat auch eine psychologische Komponente. Niemand kann sich merken, wo er überall Daten hinterlassen hat." Vorschläge, wie Anwendungen zum Schutz der Daten aussehen könnten, habe man bereits im Vorgängerprojekt "Prime" entwickelt. Damals sei vor allem E-Commerce im Mittelpunkt gestanden, jetzt gehe es um neu entstehende Internetanwendungen in der Welt des Web 2.0, so der Usability-Forscher.

Darüber hinaus spielt die Authentifizierung von Personen, etwa mittels eines Altersnachweises oder einer bestimmten Berufsqualifikation, eine bedeutende Rolle. Die Forscher arbeiten dabei an Möglichkeiten, diese Nachweise auch anonym erbringen zu können. "Die Herausgabe von Daten und deren Verwendung erfolgt anhand von Standardeinstellungen sowie personalisierten Datenschutzregeln für jegliche Art von Internetanwendungen. Sollten persönliche Daten anderweitig verwendet werden, wird der Benutzer entsprechend gewarnt", skizziert Jan Camenisch, Projektkoordinator vom IBM Forschungslabor Zürich, den Nutzen.

Mensch-Maschine-Kommunikation

Um diese Vision zu realisieren, bedürfe es erheblicher Fortschritte in den zugrunde liegenden Technologien. "PrimeLife" werde daher den Stand der Technik in den Bereichen Mensch-Maschine-Kommunikation, konfigurierbare Sprachen zur Beschreibung von Regeln, Infrastrukturen und Kryptographie sowie Entwicklung von Web-Diensten weiterentwickeln, betont Camenisch. Bei der Verbesserung der Mensch-Maschine-Kommunikation greifen die Züricher auf die Erfahrungen der Wiener Experten zurück. Die Forscher von CURE werden laut Wolkerstorfer im Rahmen des Projektes vor allem am Design diverser Benutzerschnittstellen arbeiten und diese testen. Darüber hinaus wolle man mit der Open-Source-Szene zusammenarbeiten.

"PrimeLife" ist auf drei Jahre angelegt und mit 10 Millionen Euro dotiert. Das Projekt bringt 15 Expertengruppen aus Universitäten und Industrie zusammen - darunter auch die Policy Language Interest Group des W3C. (APA)

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    primelife.eu
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