Der Kongress tanzt zum Sound of Music

5. April 2008, 17:00
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Salzburg wurde zur weltbesten Veranstaltungs- Destination für Businessgäste gewählt

Auch schon einmal in Hellbrunn auf einem steinernen Sitz gesessen und angepinkelt worden? Nicht lustig? Geschäftsleute sehen das offenbar anders als Schülergruppen, die mit den Wasserspielen im Salzburger Schloss bereits in Kontakt kamen. Incentivereisen zu den banalsten Sehenswürdigkeiten der Stadt boomen und beinahe die gesamte Altstadtkulisse ermöglicht schon den perfekten Firmenauftritt.

Wie also soll man nun die aktuelle Auszeichnung mit dem Conga Award deuten, der Salzburg attestiert, die beste Veranstaltungsdestination weltweit zu sein? 25000 internationale Fachleute wählten dabei jene Stadt oder Region aus, die die besten Voraussetzungen bietet, Tagungs- und Kongressgäste zu bedienen. Zu allererst jedenfalls als großen Erfolg, denn im vergangen Jahr wurde Salzburg nur von der Wunderwelt Dubai vom ersten Platz verdrängt und heuer konnte die Stadt Mitbewerber wie New York und Istanbul hinter sich lassen.

Dass Salzburg als Destination für Meetings, Incentives, Events und Kongresse aber auch nur besser qualifiziert sein kann als etwa Wien, ist schwer zu glauben, wenn man sich die reine Infrastruktur ansieht: Elf Einrichtungen stehen der Stadt zur Verfügung - das Land Salzburg ist da bereits mitgerechnet -, die Kongresse beherbergen können. Vierzig ausgewiesene Seminarhotels verteilen sich ebenfalls über das Stadtgebiet und den ländlichen Raum, Eventlocations gibt es insgesamt nicht mehr als sechzehn. Allerdings fällt auf, dass viele dieser Tagungsorte und vor allem jene Betriebe, die große Firmenevents ausrichten können, zum überwiegenden Teil auch ganz "normale" Salzburger Sehenswürdigkeiten sind. Der Reiz, diesen vorübergehend das eigene Branding überzustülpen, ist offensichtlich größer, als ein perfekt ausgestattetes, aber anonymes Gelände zu nutzen.

Man nehme etwa die Festung Hohensalzburg, die wie ein Wahrzeichen über der Stadt thront. Wer im neunhundert Jahre alten Burgsaal einen Empfang ausrichten will und dann über die Aussichtsterrassen auf einen Unesco-geschützten Altstadtkern herabblicken kann, ist durchaus bereit, dafür auch zu bezahlen. Auch die Burgen Mauterndorf und Hohenwerfen sowie die Residenz zu Salzburg haben nichts dagegen einzuwenden, ihren geschichtsträchtigen Gemäuern auch noch die jeweilige Firmengeschichte der Mieter hinzuzufügen. Unleistbar? Keineswegs, Hohenwerfen kann sich nicht nur Hollywood leisten, den Palas-Saal gibt's bereits ab 460 Euro für drei Stunden und die Burgkapelle bekommt man um 80 Euro gleich dazu.

Die Kavernen aus dem 16. Jahrhundert haben in Salzburg nicht nur das Parkplatzproblem in der Altstadt längst gelöst, wer das will, kann auch gleich da unten bleiben und auf 1000 Quadratmetern seiner Belegschaft erklären, warum die Bilanz gerade wieder im Keller ist. Das ist freilich nicht für jedermann. Apropos: Salzburg berühmteste Freilichtaufführung auf dem Domplatz gibt's natürlich auch im Paket als Incentive, selbst wenn man sich nur im Keller des wesentlich bescheideneren Stifts St. Peter für ein Mozart Dinner Konzert eingemietet hat.

Globales Trapp-Seminar

Es gibt also in Salzburg kaum etwas, das nicht geht. Sogar der zuvor exportierte "Sound of Music" ist kurzfristig auch vor Ort wieder herstellbar. Denn das Schloss Leopolds-kron als Drehort für den weltberühmten Film über die Familie Trapp ist ohnehin seit Jahrzehnten in amerikanischem Privatbesitz von "Salzburg Global Seminar". Dass man Tagungsgästen hier die "originale Sound-Of-Music-Tour" inklusive Soundtrack mit auf den Weg gibt, versteht sich von selbst.

Deutschsprachige Geschäftsreisende können mit diesem Salzburgbild aber erfahrungsgemäß wenig anfangen. Da kommen dann schon eher die noch offensichtlicher rustikalen Programmpunkte ins Spiel, wie das Salzburger Freilichtmuseum, das mit sechzig historischen Originalbauten das Land auf's Land holt - errichtet wurde es nämlich in Großgmain. Zu bespielen gibt es immerhin einen 200 Jahre alten Bauernhof und zwei mehr oder weniger authentische Stadeln für Musikanten.

Aus historischer Sicht vielleicht weniger erhebend aber praktisch für alle, die gleich wieder abheben müssen, ist der "Amadeus Terminal 2" direkt am Salzburger Flughafen, der immerhin 1700 Gästen auf der Durchreise Platz bietet. Und noch ein Apropos: Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse ist denn auch eines der wenigen historischen Gebäude, das als Allerheiligstes bislang noch keinem Branding oder Ritteressen für Firmen zugeführt wurde.

Die Conga Trommeln, denen der Kongress Award seinen Namen zu verdanken hat, werben allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt für Salzburg. Denn so sehr sich das "Salzburg Convention Bureau" auch über die Auszeichnung als bester Tagungs-Erlebnispark der Welt freut, man hat eine Fußball-EM zu überstehen. Und die ist nicht gerade ein Garant dafür, dass eine kleine Stadt wie Salzburg problemlos Kongressgäste entlang von Lärm geplagten Fanmeilen einquartieren kann. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/29./30.3.2008)

Informationen:
www.salzburgcb.com
  • Vom Schloss Mirabell - Blumendeko inklusive -  bis zur Festung Hohensalzburg kann fast jedes bekannte Gebäude von Firmen gemietet werden.
    foto: salzburg.info

    Vom Schloss Mirabell - Blumendeko inklusive - bis zur Festung Hohensalzburg kann fast jedes bekannte Gebäude von Firmen gemietet werden.

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