"Jetzt ist die CA in den ewigen Schlaf gesunken": Ex-Banker blicken zurück

20. April 2008, 17:49
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Erinnerungen von Heinrich Treichl, Hannes Androsch, Guido Schmidt-Chiari, Walter Fremuth, Franz Vranitzky und Erich Hampel

Heinrich Treichl – 94, kam 1958 in die Creditanstalt, deren Generaldirektor er von 1970 bis 1981 war.

Die Creditanstalt war eine besondere Bank. Das Besondere daran ist der geglückte Versuch, eine österreichische Bank von internationalem Rang zu führen und sie durch die Unfähigkeit der Politik zu zerstören. Das ist mein trauriges Resümee. Ich habe meine Arbeit in der CA vom ersten Moment an geliebt, meine Jahre an der Spitze der Bank waren aber ausnahmslos schwierig – eben wegen der Politik.

Die CA war im 19. Jahrhundert eine der bedeutendsten Banken Europas; es gab ja kaum eine Eisenbahnlinie zwischen dem Schwarzen Meer und dem Genfer See, an deren Finanzierung sie nicht mitgewirkt hätte. Ich selbst habe dem internationalen Geschäft viel Gewicht beigemessen und wollte die Bank von der Last ihres Industriekonzerns befreien; das ist aber erst später geschehen. Was mein größter Erfolg war? Ich habe die Öffnung der CA für den kleinen Mann geschafft und die CA aus ihrem Dornröschenschlaf geholt. Jetzt ist sie in den ewigen Schlaf gesunken.

Hannes Androsch – 69, war nach seiner Ablöse als Finanzminister und Vizekanzler von 1981 bis 1988 roter Generaldirektor der schwarzen CA.

Am einprägsamsten war für mich, 1983 draufzukommen, dass der Industriekonzern der Bank – Steyr, Semperit, Andritz – dermaßen in Schieflage geraten war, dass die Bank bedroht war. Wir haben es dann geschafft, rund zehn Milliarden Schilling an Staatshilfe zu bekommen, die die Bank gerettet haben. Das wurde einstimmig im Nationalrat beschlossen. Wenig später begannen die Probleme der Verstaatlichten mit Intertrading, Chemie Linz, Voest – die Panikreaktion hat 100 Milliarden Schilling und 50.000 Jobs gekostet. Damals, nach dem Rettungsbeschluss für die CA, kam ein schwarzes Vorstandsmitglied zu mir und sagte: "Danke, Herr Doktor Androsch, Sie haben meine Pension gerettet."

Ja, und dank des persönlichen Ehrgeizes von Gerhard Randa wurde die monetäre Visitenkarte des Landes, die 1855 und somit vor der Deutschen Bank gegründet worden war, verschleudert. Sie wurde zunächst eine Filiale der Münchner HypoVereinsbank und dann der UniCredit. Mit diesem Verkauf ist ohne Grund fast die Hälfte des österreichischen Bankwesens verloren gegangen. Schade. Für mich war das wirtschaftlicher Hochverrat, der nicht geahndet wird und an dem Politiker wie Wolfgang Schüssel mit ihrem Privatisierungswahnsinn maßgeblich Schuld trugen.

Guido Schmidt-Chiari – 75, Generaldirektor der CA von 1988 bis zur Übernahme durch die Bank Austria 1997.

Ich erinnere mich sehr lebhaft an eine Panne in einer Hauptversammlung der Ära Androsch. Ein Kleinaktionärsvertreter stellte den Antrag, Bruno Kreisky wegen dessen internationaler Kontakte in den Aufsichtsrat zu wählen. Der Vertreter der Republik, der die Bank mehrheitlich gehörte, geriet in höchste Verlegenheit, konnte seinen Minister (Herbert Salcher; Anm.) aber nicht erreichen und tat daher zunächst – nichts. Daher galt der Antrag, Kreisky in den Aufsichtsrat zu wählen, als angenommen. Er wurde dann später aus formalen Gründen für ungültig erklärt.

Sehr einprägsam war natürlich auch die Übernahme der CA durch die Bank Austria 1997. Bei der Protestversammlung im Großen Kassensaal in der Schottengasse wurde ich mit dem Schild "Das ist unsere Bank" in der Hand fotografiert.

Wir haben das natürlich nicht im wörtlichen, rechtlichen Sinn gemeint, aber wollten damit unsere Ablehnung gegen die in unseren Augen feindliche Übernahme ausdrücken. Gerhard Randas Äußerungen damals waren eindeutig; mir war völlig klar, dass das ein rasches Ende der Eigenständigkeit der CA und den Untergang des traditionsreichen Namens Creditanstalt bedeutet. Was uns allen damals nicht ganz klar war, war die schwierige Lage der Bank Austria – nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. Schon die BA-CA-Bilanz 1998 bewies ja, dass der Gewinn der Gruppe von der CA kam.

Dass die CA jetzt verschwindet, macht mich natürlich sentimental. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass der Verkauf an die BA die falsche Entscheidung war, man hätte mehr Anteile an die Börse bringen sollen.

Was mir zu Randa einfällt? Zu Randa fällt mir nichts ein.

Walter Fremuth – 75, Ex-Verbundchef, war ab 1981 im CA-Aufsichtsrat, 1989 bis 1996 dessen (roter) Präsident.

Sehr einprägsam war der Abgang von Hannes Androsch als CA-Chef 1988. Damals war Ex-Vizekanzler Fritz Bock (ÖVP; Anm.) CA-Präsident. Androsch, der nach seiner Verurteilung seinen Rücktritt angeboten hatte, sollte entlassen werden. Aber ich habe eine Mehrheit im Aufsichtsrat gefunden, um das zu verhindern – mit den Stimmen von drei schwarzen Aufsichtsräten. Um zehn Uhr am Abend rief ich Androsch an und sagte: "Dein Rücktritt ist angenommen, nimm dir ein Taxi und komm." Er kam und hielt seine Abschiedsrede.

Ab 1989 war ich Aufsichtsratspräsident, der letzte der selbständigen CA. Vor dem Verkauf an die Bank Austria stimmte ich mit Kanzler Franz Vranitzky darin überein, dass es das Beste für die Bank wäre, mit der Schweizerischen Kreditanstalt zusammenzugehen, die CA wäre prinzipiell autonom geblieben. Aber die Wiener SPÖ war stärker als die Bank, hatte großes Interesse, dass die BA die CA schluckt. Mir lief das total zuwider. Ich habe meinen Rücktritt erklärt, Randa hat ihn nicht angenommen. Ich trat daher bei der Hauptversammlung 1996 zurück.

Franz Vranitzky – 70, war von 1976 bis 1981 Vizechef der CA, 1984 bis 1986 Finanzminister, bis 1997 Kanzler.

Von meiner aktiven Zeit in der CA war das Einprägsamste mein Abgang. 1980 wurde beschlossen, dass Androsch Heinrich Treichl beerbt, ich sollte in den Vorstand der Länderbank. Aber niemand aus der SPÖ war Manns genug, mit mir auch nur ein Wort zu reden, ich erfuhr die frohe Botschaft von Friedrich Peter, FPÖ.

Ob der Verkauf der schwarzen CA an die rote Bank Austria die SPÖ-ÖVP-Koalition damals fast zum Platzen gebracht hätte? Ich bestreite das. Die CA-Privatisierung gestaltete sich ja sehr langwierig, keiner der etlichen konservativen Interessenten hat auch nur annähernd einen Kaufpreis zustande gebracht; es ging nur um den Preis. Nur Randas Offert mit 17,5 Mrd. Schilling hatte Bestand. Hartes Brot für VP-Obmann Schüssel: Er ging damit in die Geschichte ein, dass er die CA, den Edelstein der Konservativen, an die Roten verlor.

Das Verschwinden der CA verursacht mir schon auch Herzbluten. Wie die Vorstellung, dass aus der Länderbank ein Hotel werden soll.

Erich Hampel – 57, von 1997 bis 2002 letzter Generaldirektor der CA; heute ist er Bank-Austria-Chef.

Es gab sicher viele einprägsame Erlebnisse in der CA. Aber was mir bis heute am lebendigsten in Erinnerung geblieben ist, war das Angebot, als Generaldirektor zur Creditanstalt zu wechseln. Denn es war damals zweifelsohne eine der größten Herausforderungen für einen Banker, das heimische Flaggschiff zu übernehmen.

Ich habe diesen Schritt nie bereut und heute bin ich stolz darauf, dass wir die Stärken und das Know-how der CA in die Bank Austria integriert haben und sie damit – als heute ertrags- und kapitalstärkste Bank des Landes – zum neuen Flaggschiff gemacht haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.3.2008)

  • Guido Schmidt-Chiari (ÖVP, li.) und Walter Fremuth (SPÖ): Beide waren gegen den Verkauf an die Bank Austria, aber aus unterschiedlichen Gründen.
    foto: standard/cremer

    Guido Schmidt-Chiari (ÖVP, li.) und Walter Fremuth (SPÖ): Beide waren gegen den Verkauf an die Bank Austria, aber aus unterschiedlichen Gründen.

  • Franz Vranitzky: "Schüssel verlor Edelstein der Konservativen."
    foto: standard/cremer

    Franz Vranitzky: "Schüssel verlor Edelstein der Konservativen."

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