Eine Wahl und bisher unbekannte Verwandtschaften

11. April 2008, 11:59
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Barack Obama und George Bush sind entfernte Vettern

Der Scherz über den fernen Cousin, er gehört zum Standardrepertoire des Wahlkämpfers Barack Obama. „Da forschen sie und forschen. Da hofft man, sie finden was Tolles, vielleicht, dass man mit Abraham Lincoln verwandt ist. Und dann?“ Die Pointe, mit so schön gespielter Enttäuschung gesetzt, dass sie ganze Hallen zu Lachsalven bringt, ging bisher so: „Und dann finden sie Dick Cheney.“

Es war im vergangenen Herbst, als penible amerikanische Stammbaumexperten für Aufsehen sorgten. Der weißhaarige Falke im Amt des Vizepräsidenten, fanden sie damals heraus, ist über drei Ecken mit dem Hoffnungsträger der Demokraten verwandt. Jetzt hat die New England Historic Genealogical Society noch ein bisschen tiefer gegraben. Und siehe da, Obama ist nicht nur Cheneys Cousin, sondern auch der von George W. Bush.

Als gemeinsamen Urahnen der beiden hat man Samuel Hinckley ermittelt, einen Mann, der 1662 in Massachusetts das Zeitliche segnete. Von ihm geht die Linie auf der einen Seite zur betuchten Ostküstenfamilie der Bushs, auf der anderen zu Stanley Ann Dunham, Obamas Mutter, die im Präriestaat Kansas geboren wurde und später voller Abenteuerlust in die Welt zog.

Gleicher Uropa wie Brad Pitt

Dann ist da noch Brad Pitt, ebenfalls verwandt mit dem charismatischen Senator. Keine Ähnlichkeit? Nun, der gemeinsame Uropa lebte vor elf Generationen. Und außer Bush kann Obama nicht weniger als vier weitere US-Präsidenten in seine Ahnengalerie aufnehmen: Gerald Ford, Lyndon Johnson, Harry Truman und James Madison.

Potenziellen Neidhammeln macht Brenton Simons, der Präsident der Genealogischen Gesellschaft, mit feiner Ironie Mut. „Tatsache ist, wir alle sind mit berühmten Menschen verwandt. Die Frage ist nur, wie viel Arbeit Sie reinstecken, um sie auch zu entdecken.“

Zumindest eines beweist die Studie, nämlich, wie klein die Welt ist, speziell die Neue Welt. Oben zitierter Samuel Hinckley lebte auf der Halbinsel Cape Cod, nicht weit von der Stelle, an der 1620 die Pilgerväter landeten, nachdem sie auf der „Mayflower“ über den Atlantik gesegelt waren. Jene religiös Verfolgten also, die nach amerikanischem Mythos der späteren Republik alles in die Wiege legten, was die an Tugenden aufwies.

Hillary Clinton kann zwar nicht mit den Pilgervätern angeben, dafür mit Madonna, Céline Dion und Angelina Jolie. Mit Letzterer teilt sie sich einen Altvorderen namens Jean Cusson, der bis 1718 im heute kanadischen Quebec lebte. Auch Camilla Parker-Bowles, Gattin des britischen Kronprinzen Charles, ist – via Quebec – Hillarys entfernte Cousine.

Bei John McCain, dem dritten Präsidentschaftsbewerber, dem die Stammbaumspezialisten besondere Aufmerksamkeit zuteil werden ließen, fällt die Beute dagegen magerer aus. Bisher weiß man nur, dass Laura Bush, die First Lady, zu seiner Großfamilie gehört. Ein bisschen enttäuschend, wenn man bedenkt, dass der 71-Jährige glaubt, ein Urenkel des schottischen Königs Robert the Bruce zu sein. Man werde dranbleiben und zweifellos auch im Falle McCains interessante Verbindungen aufspüren, verspricht Simons, der Genealoge. Beim Wählen aber, fügt er augenzwinkernd hinzu, „sollte es keine Rolle spielen, welchen Cousin jemand hat“. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.3.2008)

  • Teilen sich die Stammväter: Hillary Clinton mit Madonna Louise Ciccone ...

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    ... Barack Obama mit Brad Pitt

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