
Claudia Schmied (SPÖ) sitzt tief in ihrem neuen Lieblingssessel im Unterrichtsministerium. Gerüchte um ihren Abgang dementiert die "täglich lernende Ministerin": "Da ist gar nichts dran".
Schmied erhofft sich von dieser Reform "Transparenz in der Verantwortung" und eine bessere "Ressourcensteuerung" im Bildungssystem, sagte sie im Interview mit dem STANDARD. Derzeit gibt es knapp 41.000 Bundes- und 67.000 Landeslehrer. Dass die große Koalition bis zum nächsten planmäßigen Wahltermin 2010 halten wird, daran hat die Unterrichtsministerin keinen Zweifel: "Ich arbeite mit der Perspektive 2010." Es sei aber nötig, an der "gegenseitigen Vertrauensbasis" zu arbeiten. Die Fragen stellte Andrea Heigl.
STANDARD: SPÖ und ÖVP haben sich vergangene Woche versöhnt. Trauen Sie dem neuen Koalitionsfrieden?
Schmied: Ich bin sehr froh darüber, weil wir gut eingearbeitet sind, und es hätte mir sehr leidgetan, wenn die Regierung jetzt auseinandergegangen wäre. Ich werde alles dazu beitragen, dass die Zusammenarbeit weiterhin sachorientiert läuft. Zentral wird sein, dass wir an der gegenseitigen Vertrauensbasis arbeiten. In der Vergangenheit hatte man das Gefühl – und da mache ich keinen Unterschied zwischen den Parteisekretariaten von SPÖ und ÖVP –, dass das gemeinsame Freuen am Erfolg nicht so ausgeprägt ist, das halte ich aber für sehr wichtig.
STANDARD: Wir wählen also 2010?
Schmied: Ich arbeite mit der Perspektive 2010.
STANDARD: Was sagen Sie zum Kompromisspapier?
Schmied: Es ist aus meiner Sicht sehr, sehr gut. Es ist einzigartig, wie rasch Österreich konkrete Maßnahmen für die Menschen setzt.
STANDARD: Aber seine Kernforderung – Steuerreform 2009 – hat der Bundeskanzler nicht durchgesetzt.
Schmied: Aus eigener Erfahrung bei den Verhandlungen zur Neuen Mittelschule kann ich sagen: Manchmal muss man halt die Latte höher legen, wenn man zu Kompromissen kommen will. So bewerte ich das. In einer Koalitionsregierung muss man aufeinander zugehen.
STANDARD: Sind Sie zufrieden mit dem, was für den Bildungsbereich herausgekommen ist?
Schmied: Alle Maßnahmen, die wir im Fahrplan festgehalten haben, entsprechen dem Regierungsprogramm. Mir ist ganz wichtig, dass die Bildungsstandards sehr früh auf dem Programm stehen, schon vor dem Sommer. Das größte und wichtigste Thema im Bildungsbereich ist aber die Verfassungs- und Verwaltungsreform. Die entscheidende Frage ist: Wer ist wofür verantwortlich? Da haben wir derzeit ein ziemliches Tohuwabohu in den Kompetenzen. Wir haben Bundeslehrer, Landeslehrer, Bundesschulen, Landesschulen – das sind nur ein paar Beispiele. Ordnung und Transparenz in der Verantwortung zu schaffen ist eine große Aufgabe, die nur mit einer Zweidrittelmehrheit zu lösen ist. Hier könnten wir Weichen stellen.
STANDARD: Wo sollen die hinführen?
Schmied: Österreich braucht die besten Schulen, wir können uns dieses zersplitterte System nicht länger leisten. Ich halte es für entscheidend, dass der Bund künftig für alle Lehrer zuständig ist. Dann ist eine Ressourcensteuerung möglich, dann ist beispielsweise die Umsetzung des Kleingruppenunterrichts in Fremdsprachen, individuelle Förderung und Integration viel einfacher als in der Koordination mit neun Bundesländern.
STANDARD: Was bedeutet das für die Landesschulräte?
Schmied: Das ist eine komplexe Materie. Ich habe oft den Eindruck dass für sie, obwohl sie Bundesbehörden sind, die Landesinteressen im Vordergrund stehen.
STANDARD: Aber die Kompetenz für die Lehrerauswahl würde zum Bund und damit in Ihr Ressort wandern.
Schmied: Die ganze Administration wäre Bundessache, nach meinem Verständnis müssen die Direktoren aber mehr Personalverantwortung bekommen. Die Schulleiter sind für die Qualität der Schulen verantwortlich, also brauchen sie auch Personalverantwortung.
STANDARD: Dienstgeber für alle Lehrer soll aber künftig der Bund sein.
Schmied: Ja.
STANDARD: Und wann wird das beschlossen?
Schmied: Es steht im Arbeitsprogramm unter dem verheißungsvollen Titel "Neuordnung der Schulverwaltung im Juli 2008".
STANDARD: Was erwarten Sie sich von den Bildungsstandards?
Schmied: Sie sollen Kompetenzen abbilden und eine Rückmeldung für die Lehrer sein, im Sinne von: Ist meine Arbeit angekommen? Das wird ein Meilenstein, wenn es uns gleichzeitig gelingt, zu einer wertschätzenden Feedback-Kultur zu kommen.
STANDARD: Nächste Woche präsentiert Ihre Expertengruppe einen neuen Bericht. Mit welchem Inhalt?
Schmied: Zu den Inhalten verrate ich noch nichts. Ich schätze es jedenfalls sehr, von erfahrenen Menschen Ratschläge zu bekommen. Ich hoffe, dass es mir mit dieser Herangehensweise gelingt, nach und nach die Parteipolitik aus dem Schulbereich zu verdrängen. Die erste Frage bei der Bewertung einer Maßnahme sollte sein: Ist sie zum Wohl unserer Kinder? Und nicht: Von welcher Partei kommt der Vorschlag.
STANDARD: Die Neue Mittelschule, geht in die Umsetzung. Es gab Klagen, dass es zu wenig Geld und daher zu wenige Klassen gäbe. Wie viel Geld wird in das Projekt investiert?
Schmied: Derzeit wird alles vorbereitet, damit die Modelle im Herbst starten können. Wir erwarten etwa 3500 Schüler an 65 Schulen in den Modell-Standorten. Das oberste Prinzip ist die Individualisierung des Unterrichts, auch für die kleineren Klassen mit maximal 25 Schülern sind Ressourcen bereitgestellt. Für das Schuljahr 2008/09 kostet das 2,8 Millionen Euro, dieses Geld ist auch im Budget veranschlagt. Alles weitere wird im Herbst verhandelt.
STANDARD: In Ihrem Ressort ist schon einiges abgearbeitet. Was machen Sie jetzt noch bis 2010?
Schmied: (lacht) Es ist eine riesige Herausforderung, die Projekte umzusetzen, und es wird oft übersehen, dass die Tätigkeit einer Ministerin auch eine Managementfunktion ist. Ein großes Thema ist die Frage der Restitution als historische Pflicht der Republik – und nicht als „Kampfthema“, daher möchte ich es in einer breitestmöglichen Zustimmung des Parlaments behandeln. Im Bildungsbereich ist das Mega-Thema die Verfassungs- und Verwaltungsreform.
STANDARD: In den letzten Wochen gab es Gerüchte, dass Sie in die Wirtschaft zurückgehen würden. Ist das richtig?
Schmied: Da ist gar nichts dran. Mein Aufgabengebiet – sowohl Bildung als auch Kultur – ist unglaublich interessant, ich bin eine täglich lernende Ministerin. (Andrea Heigl, DER STANDARD-Printausgabe, 29./30. März 2008)
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Die neu geschaffenen pädagogischen Hochschulen (eine der letzten Missgeburten der Ära Gehrer) sind österreichweit ein totales Chaos. Lehrer/innen gehören nach einem stringenten, qualitätsorientierten Konzept an der Uni ausgebildet. Dagegen sträubt man sich natürlich, weil die Landeslehrer/innen weniger verdienen als Bundeslehrer/innen, obwohl sie auf der Sekundarstufe 1 die gleiche Altersgruppe nach den gleichen Lehrplänen unterrichten.
(Um falschen Schlüssen vorzubeugen: bin kein Hauptschullehrer.)
in unserem Konzept auf www.zpa.at sollen die Bezirke über die Lehrerbestellung in den Pflichtschulen entscheiden, und für alle weiterführenden Schulen der Bund,
- die Länder sind in unserem Konzept nicht mehr vorgesehen.
war am Anfang recht engagiert und hat selbst in ihrer schlimmsten Zeit nicht viel mehr Unsinn geredet.
Bei Repräsentationsausgaben liegen sie schon jetzt gleichauf.
Um die hübsche moderne Einrichtung beneide ich Schmied nicht, weiß allerdings, dass in etlichen Bundesschulen immer noch die Leuchten von der Decke und die Fenster aus dem Rahmen fallen.
Super - Kein Mensch weiss, was die neue Mittelschule ist und was das ganze soll. Daher ist es umso wichtiger, dass sie endlich umgesetzt wird.
Vor 2 Monaten habe ich eine TV-Diskussion gesehen, in der ein Buch über das österr. Schulsystem diskutierte wurde. Mit Politikerinnen aus Rot und Grün. Nach einer Stunde voller umfangreichster Modelle / Gesamtschule etc. war die Diskussion vorbei und der Eindruck blieb, dass die Politikerinnen selbst keine Ahnung von dem hatten, über das sie sprachen. In der Schlussrunde sagte der Autor dann: "Alles was Sie sich vorstellen ist vielleicht gut und vielleicht schön aber ganz sicher sehr teuer. Unser derzeitiger Schulsystem ist gut. Alle was wirklich nötig ist, sind Sprachkenntnisse zu Beginn." ;-)
80% der Entscheidungen im Schulbereich fallen schon jetzt im Ministerium, weil das vom Gesetz her so vorgesehen ist. An der Spitze des LSR stehen meist schulfremde Ahnungslose, die gleichzeitig durch eine unvorstellbaren Feigheit gegenüber Eltern "verhaltensorigineller" Schüler gekennzeichnet sind. Weiters gehören Schulaufsichtsbeamte zu den höchst bezahlten Beamten im gesamten Beamtenschema, deren Leistung schon mehrmals evaluiert und als nicht entsprechend qualifiziert wurde.
Ein Landesschulrat ist nur ein riesiger aufgeblähter und überbezahlter Beamtenapparat, zum Selbstzweck verkommen und frei von jedem positiven Output für die Schulen, Schüler, Eltern und Lehrer.
Eine politische Geldvernichtungsmaschine ...
Es ist ein Irrglaube, wenn man meint, Zentralisierung würde alles besser oder billiger machen. Auf mittlere Verwaltungsebenen, die zwischen den Schulen und den Ministerien liegen, wird man nicht verzichten können, bei einer niedrigen sechsstelligen Zahl an Lehrern und einer siebenstelligen an Schülern.
Lokale Ansprechpartner wird es weiterhin geben müssen. Viele Bundesschulen haben auch so ihre Erfahrungen mit dieser Zentralisierung. Wien ist weit weg und im Moloch Ministerium wird man hin und her geschickt und keiner für irgendwas zuständig.
nur eines ist noch schlimmer als der rote einheitserziehungsbrei, und das ist die instrumentalisierung der lehrerschaft und anderer bildungstraeger (samt bestechung mit unzeitgemaessen privilegien auf kosten der allgemeinheit) wie sie die OeVP herren neugebauer und amon fuer ihr polittheater betreiben.
Daher wäre es an der Zeit sich mit den Einsparungsmöglichkeiten auseinander zu setzen!
Brauchen wir 9 Bundesländer mit 9 Gesetzgebungen und den Verwaltungsaufwand dazu? Warum in OÖ andere Gesetze und Richtlinien wie z. B. in Salzburg und der Steiermark etc.?
Leider beginnen "Volksvertreter" nie bei sich selbst einzusparen, sondern immer beim "Kleinen Mann".
Schafft den Bundesrat und die Landesregierungen ab - die Vorgaben für den Nationalrat werden ja auch schon zu 80 % von der EU vorgegeben! Ein Land mit 8 Mill. Einwohnern kann ohne Probleme auf 9 Landesgesetzgebungen verzichten! Der Bundesrat ist ohnehin nur eine Versorgungseinrichtung für Parteigünstlinge und völlig für die Katz!
unter gehrer hatte man als lehrergewerkschafter vereinzelt die möglichkeit zur "audienz"
bei schmied wird jede art der kontaktaufnahme von vornherein verunmöglicht, indem termine erst gar nicht vergeben werden bzw. kurz vorher abgesagt werden.
in diesem sinne ist ihr posting - als toll ironische schilderung des sachverhaltes - durchwegs mit "grün zu bestricheln" ...
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