Wenn Lebensmittel krank machen

2. April 2008, 11:54
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Nahrungsmittelallergien nehmen stätig zu: Ein Leben mit der Erkrankung ist nicht immer einfach, im Idealfall handelt es sich aber "nur" um eine Unverträglichkeit

Vierzehn verschiedene Allergene müssen Lebensmittelhersteller derzeit verpflichtend angeben. Gedient ist dem Allergiker damit nur bedingt. Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme ist umstritten. Denn eine Garantie für eine hundertprozentige Allergenfreiheit ist das meistens noch nicht.

Ein Traum jedes Betroffenen wäre es deshalb, ein serviertes Essen im Restaurant, gleich vor Ort selbst auf allergieauslösende Substanzen testen zu können. Das klingt ziemlich verlockend. Im neuen Christian Doppler Pilotlabor in Tulln bemüht man sich derzeit um die Entwicklung eines Allergen-Schnelltests.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Als Lösung für den Endverbraucher sind die neuen Tests aber leider nicht gedacht. "Der schnelle Nachweis von Lebensmittelallergenen soll Herstellern und Kontrollanstalten dienen", so die ernüchternde Erklärung der Lebensmitteltechnologin und Laborleiterin Sabine Baumgartner und bedauert: "Eine hundertprozentige Sicherheit kann der Test leider nicht geben", um möglichst niedrige Nachweisgrenzen allergieauslösender Eiweißstoffe seien die Forscher jedoch bemüht.

Das Problem für Lebensmittelallergiker bleibt, denn: "Grundsätzlich kann man gegen jedes Nahrungsmittel allergisch sein", erklärt Christof Ebner, Facharzt für Immunologie und Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien, und weiß, dass dieser Aspekt nur ein Teil der Geschichte ist. Ein anderer Aspekt ist anhand der Erdnuss-Etikettierung leicht erklärt.

Beispiel Erdnuss

Viele Schokoladeproduzenten schützen sich selbst indem sämtliche Schokoladesorten mit dem Hinweis "Kann Spuren von Erdnuss enthalten" versehen werden. Die Folge: Erdnussallergiker können Süßwarenregalen nur noch meiden. "Mir wäre lieber, wenn Produkte positiv beschriftet würden. Mit der Information: Enthält sicher keine Erdnuss. Damit kann ein Erdnussallergiker wesentlich mehr anfangen", stellt Ebner die Beschriftung in Frage.

Allergie versus Unverträglichkeit

Zusätzlich glauben viele Menschen fälschlicherweise, dass sie auf ein Nahrungsmittel allergisch sind, obwohl sie das in Wahrheit gar nicht sind. "Bei der Milch ist beides möglich. Auf sie kann man sowohl allergisch sein oder aber es besteht eine mehr oder weniger harmlose Unverträglichkeit", erzählt der Allergologe Christof Ebner.

Allergie ist eine Immunreaktion

Die echte Nahrungsmittelallergie ist, wie jede andere Allergie auch, immer eine Überreaktion des Immunsystems. Ein per se ungefährlicher Eiweißkörper wird als fremd und gefährlich erkannt. Der Organismus versucht ihn zu eliminieren.

Unverträglichkeit durch fehlendes Enzym

Bei der Milchunverträglichkeit, der sogenannten Laktoseintoleranz, kommt es zu keiner Immunreaktion. Hier fehlt ein entscheidendes Verdauungsferment, das für die Spaltung von Milchzucker verantwortlich ist. Blähungen und Durchfälle sind die möglichen Konsequenzen, Fehlinterpretationen durch den Laien sind deshalb naheliegend. Eine andere weit verbreitete Unverträglichkeit ist die Zöliakie, die Unverträglichkeit von Getreideproteinen.

Problematisches Histamin

Für Verwirrung sorgt ein Stoff, der im Rahmen allergischer Reaktionen die typischen Symptome macht: Histamin. Hier ist die Symptomatik der Unverträglichkeit mit jener der Allergie ident. Histamin verstopft in beiden Fällen die Nase, verursacht tränende Augen, Hautausschläge oder Kopfschmerzen. "Gefährlich wird histaminhältiger Rotwein oder Käse aber nicht", betont Ebner. Wer histaminunverträglich ist, hat als Ursache wiederum ein fehlendes Enzym.

Sichere und einfache Tests bleiben noch Vision

Der gemeinsame Nenner für alle Allergien und Unverträglichkeiten heißt Karenzkost und somit die Streichung sämtlicher auslösender Lebensmittel vom Speiseplan. Zusätzlich helfen im Notfall orale Antihistaminika. Das ist, wie sich zeigt, nicht ganz einfach. Der Wunsch nach übersichtlicher Deklarierung von Inhaltsstoffen, Testverfahren für den Eigengebrauch und allergenfreier Lebensmittel bleibt. (phr)

Tipp
Weltallergie- und Asthmatag im Wiener Rathaus
Veranstaltungsprogramm
  • Artikelbild
    foto: ama/rita newman
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