Finanzkrise und Preisexplosion bremsen Wirtschaft ein

25. April 2008, 14:20
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Die Konjunkturflaute reicht nach Ansicht der Wirtschaftsforscher weit ins kommende Jahr hinein und bringt wieder einen Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sich

Wien - Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) haben die Hoffnung, dass die Konjunkturwolken rasch vorüberziehen, aufgegeben. Die Prognostiker nahmen am Freitag nicht nur ihre Wachstumserwartungen für heuer, sondern auch für 2009 deutlich zurück. Das Wifo rechnet im kommenden Jahr nur noch mit einem Plus des österreichischen Bruttoinlandsprodukts von 1,7 Prozent. Das IHS vertraut (notorisch) auf die Selbstreinigungskräfte in den USA und rechnet deshalb mit einem kürzeren Abschwung.

Trotz der Revision der Prognosen nach unten betonten Wifo-Chef Karl Aiginger und IHS-Leiter Bernhard Felderer die Risken einer längeren Flaute. Im zweiten Halbjahr und dann 2009 werde sich erst wirklich zeigen, ob die von der Finanzkrise ausgehende Schockwelle eingebremst werde. Felderer meinte, auch die pessimistischere Wifo-Schätzung für das kommende Jahr sei immer noch zu hoch, wenn die Finanzkrise länger als zwei Jahre dauere. Er erinnerte an das vom Platzen der Immobilienblase ausgehende Dauertief in Japan.

Realeinkommen stagnieren

Dass sich der Euroraum nicht von den USA abkoppeln könne, meinte auch Wifo-Ökonom Markus Marterbauer. Neben den schwächeren transatlantischen Impulsen dämpfe der Preisauftrieb die Wirtschaft und laste der starke Euro auf den Exporten. Überdies halte die schwache Binnennachfrage an. Die hängt wiederum eng mit der Inflation, die vom Wifo auf 2,9 Prozent nach oben revidiert wurde, zusammen. Von den Verdienstzuwächsen im Ausmaß von 3,3 Prozent bleiben dank Teuerung nur 0,4 Prozent übrig, höhere Abgaben fressen auch diesen Zuwachs auf. Lediglich die angekündigte Beitragssenkung in der Arbeitslosenversicherung für Niedrigeinkommen sorge dafür, dass die Österreicher nicht weniger in der Geldbörse haben, hofft Aiginger.

Am besten läuft nach Ansicht der Ökonomen noch der Industriemotor, hier vor allem der Export, bei dem das Minus im Dollar-Raum von Zuwächsen in den Schwellenländern überkompensiert wird. Doch die Abschwächung macht vor den Ausfuhren nicht halt, weshalb die Unternehmen auch die Investitionen zurückfahren. Sie werden heuer auf 2,2 Prozent halbiert, 2009 rechnen die Experten mit einer weiteren Reduktion.

Unter dem Strich bleibt die Flaute nicht ohne Folgen für den Arbeitsmarkt. Nach drei Jahren kräftiger Beschäftigungszuwächse rechnen Wifo und IHS 2009 mit einer Trendwende. Die Zahl der Jobsuchenden wird dann um 12.000 Personen steigen, die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnungsmethode auf 6,2 Prozent. Aiginger verweist in diesem Zusammenhang auf die Schwierigkeiten bei der Vermittlung Arbeitsloser: Trotz 175.000 neuer Stellen, die seit 2005 entstanden sind, ging die Zahl der Jobsuchenden nur um 41.000 Personen zurück.

Teuerung hält an

Für die Inflation zeichnen nach wie vor die "drei üblichen Verdächtigen" (Aiginger) Energie, Wohnen und Nahrung verantwortlich. Trotz Stabilisierungsanzeichen bei Getreide und Milchprodukten rechnet das Wifo mit einem Anstieg der Lebensmittelpreise im laufenden Jahr um sieben Prozent, die Teuerung der Energie dürfte noch stärker steigen.

Wenngleich die vorgelegten Prognosen einen eindeutigen Abschwung darstellen, übte sich Aiginger in Optimismus: Das österreichische Wachstum liege deutlich über dem des Euroraums: "Ein kleines Dorf - nicht in Gallien, sondern Pannonien - leistet großen Widerstand."

Positive Meldungen kamen am Freitag auch von den Volkswirten der BA-CA. Der vom Geldinstitut erhobene Einkaufsmanagerindex ist im März leicht gestiegen. Die heimische Industrieproduktion habe im März wieder kräftiger expandieren können, hieß es in einer Aussendung. Allerdings sei der Auftragszuwachs relativ bescheiden ausgefallen und auch deutlich niedriger als im abgelaufenen Jahr, obwohl im März viele Aufträge wegen erwarteter Preisanhebungen zeitlich vorgezogen worden seien. "Die österreichische Industrie präsentiert sich ungeachtet der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und den ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen derzeit in einer robusten Verfassung", erklärte Stefan Bruckbauer, Ökonom der BA-CA. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.3.2008)

  • Wifo-Chef Karl Aiginger und IHS-Chef Bernhard Felderer bremsen die Erwartungen. Die Nettorealeinkommen der heimischen Beschäftigten sinken heuer leicht durch die starken Energie- und Nahrungsmittel-Verteuerungen. Das dämpft die Konsumausgaben spürbar.

    Wifo-Chef Karl Aiginger und IHS-Chef Bernhard Felderer bremsen die Erwartungen. Die Nettorealeinkommen der heimischen Beschäftigten sinken heuer leicht durch die starken Energie- und Nahrungsmittel-Verteuerungen. Das dämpft die Konsumausgaben spürbar.

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