Kollwentz-Weine generell und der Eichkogel 2004 im Besonderen
Schon klar, es ist nicht ganz unproblematisch ist, einen Wein zu empfehlen, der jetzt vordergründig nicht mehr soooo leicht zu haben ist. Aber die Cuvée Eichkogel 2004 von Kollwentz war einfach zu beeindruckend, um ihn sich vielleicht bei nächster Gelegenheit im Restaurant oder bei dem einen oder anderen Händler entgehen zu lassen.
Eichkogel ist eine Cuvée aus Blaufränkisch (dominierend) und Zweigelt und an den Hängen des Leithagebirges auf kalkhältigem Lehmboden gewachsen. Er besticht durch ungemein komplexe Aromen, dunkle Früchte, Brombeeren, Kirschen, Maulbeeren, Weichseln dazu alles was man bei einem Frühlingsspaziergang im Wald riechen kann: Frisches Grün (ohne jegliche unreife Aromen), Blätter und Waldboden, in seiner Gesamtheit interpretierbar als die für Blaufränkisch so typische erdige Würzigkeit. Der Wein ist sehr dicht, samtig, kraftvoll ohne zu überpowern, hat feines, reifes, bestens eingebundenes Tannin und genau die fruchtige Säuerlichkeit um ihn musterhaft harmonisch zu machen. Es beginnt gerade trinkreif zu sein und hat noch ein langes Leben vor sich. Eichkogel hat sich die Punzierung „Zweitwein“ (zu Kollwentz’ bekanntester Cuvée „Steinzeiler“), die ab und an in den Beschreibungen diverser Händler und Verkoster zu finden ist, ganz und gar nicht verdient. Dazu ist er schlicht zu eigenständig.
Familie Kollwentz zählt zu den Großen in der österreichischen Weinwirtschaft. Anton Kollwentz, der Vater, dessen Jägerhut fast schon so etwas wie ein Markenzeichen geworden ist, zählt zu den Pionieren des Qualitätsweinbaus in Österreich. In den 80-er probierte er Barriquefässer, als noch großes Holzfass angesagt war, experimentierte als einer von wenigen mit Cabernet Sauvignon, als man gerade einmal gesickert ist, dass diese Rebsorte Großes möglich machen könnte und betrieb, dass man sich hierzulande intensiver mit dieser seltsamen zweiten Gärung befasste (Stichwort Alpbach), die gut einige Jahre später unter biologischer Säureabbau, BSA oder malolaktische Gärung zum gerne angeführten Qualitätskriterium wurde. Andi Kollwentz stieg Ende der 80-er ein und führt gekonnt mit seinem Vater fort, was dieser initiiert hatte.
Kollwentz’sche Erzeugnisse zählen in allen Weinfarben und -stilen seit vielen Jahren zum Österreichs Best of: in Rot z.B. Steinzeiler (Blaufränkisch, Cabernet und Zweigelt), Blaufränkisch Point oder seit kurzem Pinot Noir von der Riede Dürr. In Weiß sind es die beiden Chardonnays Gloria und Tatschler, die ihre vollen Qualitäten immer erst mit reiferen Jahren ausspielen, sofern sie diese erleben dürfen, und der Sauvignon Blanc Steinmühle, den es auch als Reserve gibt. Sollte es passen, entstehen auch Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eiswein.
Aktueller Jahrgang bei Eichkogel am Markt ist übrigens 2005 (ab Hof aus, 2006 erst ab Herbst zu haben). (Luzia Schrampf)