Dramatischer Leistungsabfall

28. März 2008, 18:59
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Gegen die Niederlande eine um sich greifende Hilflosigkeit trotz auffällig intensiver Kommunikation im Zentrum - die Netzwerkanalyse

Die Analyse der drei wichtigsten Passes der bitteren Niederlage gegen die Niederlande zeigt - trotz veränderter taktischer Grundausrichtung - signifikante Parallelen zum Match gegen Deutschland. Unverkennbar wurde die Entwicklung in Richtung Vertikalität fortgesetzt. Trotz Viererkette finden sich kaum Hinweise auf "Quergeschiebe", am ehesten noch an der linken Flanke und in Ansätzen in der Mittelfeld-Viererkette vor der Verteidigung.

Das stimmt einerseits positiv, verweist aber auch auf die vor allem in der zweiten Hälfte um sich greifende Hilflosigkeit im Spielaufbau. Der Ball wanderte selten über mehr als zwei Stationen, daher kamen mit Fortdauer des Spiels kaum noch gefährliche Vorstöße zustande. Vor allem Roland Linz hing als Solospitze deutlich mehr in der Luft als noch gegen Deutschland, wo ihn Martin Harnik mit seiner rotierenden Unberechenbarkeit ungleich öfter ins Spiel brachte. Trotz dieser Einschränkung erwies sich Harnik erneut als eine Schlüsselfigur im österreichischen Spiel, abgesehen von Kapitän Andi Ivanschitz, der seine überragende Zentralität durch einen starken Rückfall in Durchgang zwei jedoch schmälerte.

Auffällig weiters die im Vergleich zu vielen Partien des Vorjahres wesentlich ausgeglichenere Balance zwischen den beiden Flanken, was dafür spricht, dass das Team gelernt hat, rasch in jene Räume vorzustoßen, die sich eben auftun. Mitverantwortlich dafür scheint die auffällig intensive Kommunikation im zentralen Mittelfeld. Zwischen Säumel, Leitgeb und Ivanschitz bildete sich eines der solidesten Dreiecke, die wir in diesem Bereich je beobachten konnten - mit der Einschränkung, dass diese Konstellation nach der Pause deutlich abbaute.

Zwischen Säumel und Leitgeb zeichnet sich auch eine klare Aufgabenverteilung ab. Ersterer lancierte das Spiel in Richtung Ivanschitz, während Leitgeb oft Linz ins Spiel zu bringen versuchte, auch wenn dies kaum gelang. Der dramatische Leistungsabfall betrifft auch die Flanken. Vor allem Christian Fuchs erwies sich als läuferisch fit, spielerisch aber oft nicht in der Lage, befreiende Akzente zu setzen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 28. März 2008)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Säumel-Ivanschitz  10 
2. Ivanschitz-Fuchs    9 
2. Garics-Harnik       9 
4. Harnik-Linz         8 
5. Pogatetz-Fuchs      7 
5. Gercaliu-Fuchs      7 
7. Ivanschitz-Leitgeb  6 
7. Leitgeb-Linz        6 
7. Leitgeb-Ivanschitz  6 
7. Fuchs-Ivanschitz    6

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Ivanschitz         51 
2. Linz               39 
2. Fuchs              39 
4. Harnik             35 
5. Leitgeb            34 
6. Säumel             23 
7. Janko              20 
8. Garics             14 
9. Gercaliu           12 
10. Weissenberger     10 
11. Standfest          9 
12. Pogatetz           7 
13. Prödl              5 

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Ivanschitz         36 
2. Leitgeb            33 
2. Säumel             33 
4. Garics             31 
5. Pogatetz           26 
6. Gercaliu           24 
6. Fuchs              24 
8. Harnik             21 
8. Payer              21 
10. Prödl             17 
11. Linz              12 
12. Janko             10 
13. Standfest          7 
13. Weissenberger      7

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Ivanschitz         87 
2. Leitgeb            67 
3. Fuchs              63 
4. Harnik             56 
4. Säumel             56 
6. Linz               51 
7. Garics             45 
8. Gercaliu           36 
9. Pogatetz           33 
10. Janko             30 
11. Payer             25 
12. Prödl             22 
13. Weissenberger     17 
14. Standfest         16 

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Linz           91,7 (11 von 12) 
2. Pogatetz       84,6 (22 von 26) 
3. Fuchs          83,3 (20 von 24) 
4. Prödl          76,5 (13 von 17) 
5. Säumel         75,8 (25 von 33) 
6. Ivanschitz     72,2 (25 von 36) 
7. Harnik         71,4 (15 von 21) 
7. Weissenberger  71,4 ( 5 von 7) 
9. Leitgeb        69,7 (23 von 33) 
10. Gercaliu      66,7 (16 von 24) 
11. Garics        61,3 (19 von 31) 
12. Janko         60,0 ( 6 von 10) 

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Ivanschitz  12,3 
2. Säumel      11,8 
3. Leitgeb     10,9 
4. Pogatetz    10,4 
5. Fuchs        9,5 
6. Garics       9,0 
7. Gercaliu     7,7 
8. Harnik       7,1 
9. Prödl        6,2 
10. Linz        5,2

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert.

In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern jedes Spielers verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen der jeweils angekommenen und abgegebenen Pässe.

Die Analytiker

FAS.research, in Wien und San Francisco ansässig und schon bei der WM 2006 in Deutschland im Einsatz, beobachtet die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft exklusiv für den Standard.

Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Christian Gulas, Max Ruhri und Helmut Neundlinger.

Link

fas.at

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