Gegen die Niederlande eine um sich greifende Hilflosigkeit trotz auffällig intensiver Kommunikation im Zentrum - die Netzwerkanalyse
Die Analyse der drei wichtigsten Passes der bitteren Niederlage gegen die Niederlande zeigt - trotz veränderter taktischer Grundausrichtung - signifikante Parallelen zum Match gegen Deutschland. Unverkennbar wurde die Entwicklung in Richtung Vertikalität fortgesetzt. Trotz Viererkette finden sich kaum Hinweise auf "Quergeschiebe", am ehesten noch an der linken Flanke und in Ansätzen in der Mittelfeld-Viererkette vor der Verteidigung.
Das stimmt einerseits positiv, verweist aber auch auf die vor allem in der zweiten Hälfte um sich greifende Hilflosigkeit im Spielaufbau. Der Ball wanderte selten über mehr als zwei Stationen, daher kamen mit Fortdauer des Spiels kaum noch gefährliche Vorstöße zustande. Vor allem Roland Linz hing als Solospitze deutlich mehr in der Luft als noch gegen Deutschland, wo ihn Martin Harnik mit seiner rotierenden Unberechenbarkeit ungleich öfter ins Spiel brachte. Trotz dieser Einschränkung erwies sich Harnik erneut als eine Schlüsselfigur im österreichischen Spiel, abgesehen von Kapitän Andi Ivanschitz, der seine überragende Zentralität durch einen starken Rückfall in Durchgang zwei jedoch schmälerte.
Auffällig weiters die im Vergleich zu vielen Partien des Vorjahres wesentlich ausgeglichenere Balance zwischen den beiden Flanken, was dafür spricht, dass das Team gelernt hat, rasch in jene Räume vorzustoßen, die sich eben auftun. Mitverantwortlich dafür scheint die auffällig intensive Kommunikation im zentralen Mittelfeld. Zwischen Säumel, Leitgeb und Ivanschitz bildete sich eines der solidesten Dreiecke, die wir in diesem Bereich je beobachten konnten - mit der Einschränkung, dass diese Konstellation nach der Pause deutlich abbaute.
Zwischen Säumel und Leitgeb zeichnet sich auch eine klare Aufgabenverteilung ab. Ersterer lancierte das Spiel in Richtung Ivanschitz, während Leitgeb oft Linz ins Spiel zu bringen versuchte, auch wenn dies kaum gelang. Der dramatische Leistungsabfall betrifft auch die Flanken. Vor allem Christian Fuchs erwies sich als läuferisch fit, spielerisch aber oft nicht in der Lage, befreiende Akzente zu setzen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 28. März 2008)
DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE
1. Säumel-Ivanschitz 10
2. Ivanschitz-Fuchs 9
2. Garics-Harnik 9
4. Harnik-Linz 8
5. Pogatetz-Fuchs 7
5. Gercaliu-Fuchs 7
7. Ivanschitz-Leitgeb 6
7. Leitgeb-Linz 6
7. Leitgeb-Ivanschitz 6
7. Fuchs-Ivanschitz 6
AM ÖFTESTEN ANGESPIELT
1. Ivanschitz 51
2. Linz 39
2. Fuchs 39
4. Harnik 35
5. Leitgeb 34
6. Säumel 23
7. Janko 20
8. Garics 14
9. Gercaliu 12
10. Weissenberger 10
11. Standfest 9
12. Pogatetz 7
13. Prödl 5
GABEN DIE MEISTEN PÄSSE
1. Ivanschitz 36
2. Leitgeb 33
2. Säumel 33
4. Garics 31
5. Pogatetz 26
6. Gercaliu 24
6. Fuchs 24
8. Harnik 21
8. Payer 21
10. Prödl 17
11. Linz 12
12. Janko 10
13. Standfest 7
13. Weissenberger 7
SCHLÜSSELSPIELER*
1. Ivanschitz 87
2. Leitgeb 67
3. Fuchs 63
4. Harnik 56
4. Säumel 56
6. Linz 51
7. Garics 45
8. Gercaliu 36
9. Pogatetz 33
10. Janko 30
11. Payer 25
12. Prödl 22
13. Weissenberger 17
14. Standfest 16
*Gegebene und angenommene Pässe
ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT
1. Linz 91,7 (11 von 12)
2. Pogatetz 84,6 (22 von 26)
3. Fuchs 83,3 (20 von 24)
4. Prödl 76,5 (13 von 17)
5. Säumel 75,8 (25 von 33)
6. Ivanschitz 72,2 (25 von 36)
7. Harnik 71,4 (15 von 21)
7. Weissenberger 71,4 ( 5 von 7)
9. Leitgeb 69,7 (23 von 33)
10. Gercaliu 66,7 (16 von 24)
11. Garics 61,3 (19 von 31)
12. Janko 60,0 ( 6 von 10)
TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE
1. Ivanschitz 12,3
2. Säumel 11,8
3. Leitgeb 10,9
4. Pogatetz 10,4
5. Fuchs 9,5
6. Garics 9,0
7. Gercaliu 7,7
8. Harnik 7,1
9. Prödl 6,2
10. Linz 5,2
Der Ansatz
Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert.
In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern jedes Spielers verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen der jeweils angekommenen und abgegebenen Pässe.
Die Analytiker
FAS.research, in Wien und San Francisco ansässig und schon bei der WM 2006 in Deutschland im Einsatz, beobachtet die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft exklusiv für den Standard.
Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Christian Gulas, Max Ruhri und Helmut Neundlinger.
Link
fas.at