Erstes Opfer in der Bahn

17. April 2008, 13:54
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In hohen ÖBB- und Eigentümerkreisen gilt ein erstes Bauernopfer akkordiert: Halbmayr soll ÖBB-Finanzchef Söllinger ersetzen

Wien – Die außertourliche Aufsichtsratssitzung am Montag lässt bei ÖBB-Managern die Nerven blank liegen. Als akkordiert gilt in hohen ÖBB- und Eigentümerkreisen ein erstes Bauernopfer: ÖBB-Finanzchef Erich Söllinger. Der intern als „Ohr von Ex-Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka“ (ÖVP) bezeichnete Holding-Vorstandsdirektor ist zwar nicht allein für die Millionenbuchverluste verantwortlich, hat in der ÖVP aber an Rückendeckung verloren. Das liegt auch daran, dass ein verlässlicher Verwalter der hochverschuldeten Staatsbahn bereits gefunden ist: Josef Halbmayr, bis 2004 Vorstandsdirektor der Post, in der Wiener Privatbank Immobilieninvest AG und seit Dezember Finanzchef der ÖBB-Personenverkehr AG. Dass dieser Posten für Halbmayr quasi nur Durchgangsbahnhof ist, lässt sich auch daran ablesen, dass das Stefan Wehingers Vorstandsmandat nachbesetzt, obwohl mit Halbmayr und Gabriele Lutter zwei neue Leute in der Chefetage eingezogen sind.

Dünne Suppe an Verfehlungen

In der Bahn stellt man den wahrscheinlichen Aufstieg Halbmayrs nicht in Abrede, ungewiss sei aber, ob sich Verkehrsminister Werner Faymann den bis 19. April 2009 bestellten Söllinger spazieren schickt. Für eine vorzeitige Ablöse sei die "Suppe der Verfehlungen zu dünn", heißt es – obwohl der Wertberichtigungsbedarf für die hochspekulativen Finanzgeschäfte mit Dauer der US-Finanzkrise exponentiell steige. Als "völligen Blödsinn" bezeichnet ÖBB-Sprecher Alfred Ruhaltinger, dass in der 2007er-Bilanz 400 der insgesamt 650 Millionen Euro abgeschrieben werden müssen. Es seien nicht mehr als 140. Allerdings: Das Portfolio hat im ersten Quartal 2008 um weitere 230 Mio. an Wert verloren, was die internationalen ÖBB-Anleihengläubiger wohl nicht kalt lassen wird. Dicker ist die Suppe seit der Kreditkartenaffäre offenbar bei Postbus-Geschäftsführer Michael Gassauer. Sein bis Mitte 2009 laufender Vertrag ist praktischerweise quartalsweise kündbar. Da der Postbus-Aufsichtsrat die Vertragsauflösung erst im April beschließen könne, werde Gassauers Vertrag per Ende September gekündigt, bestätigt man in der ÖBB Standard-Informationen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.3.2008)

  • Josef Halbmayr soll statt Erich Söllinger über die Finanzen der Staatsbahn wachen.
    foto: standard/fischer

    Josef Halbmayr soll statt Erich Söllinger über die Finanzen der Staatsbahn wachen.

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