Bloß nicht mit meiner Mutter

10. April 2008, 17:58
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Premiere: Asia Argentos J.-T.-Leroy-Adaption - "Das Herz ist eine hinterlistige Person": Arte, 23.20 Uhr

Der kleine Bub schreit vergebens. Fürsorger haben ihn gegen seinen Willen bei seinen Pflegeeltern abgeholt, und die Frau, die sich jetzt als seine Mutter vorstellt, ist ihm fremd.

Richtig nahekommen einander der siebenjährige Jeremiah (Jimmy Bennett) und die 23-jährige Sarah (Asia Argento) auch später nicht. Die junge Mutter weiß mit ihrem Kind und der Verantwortung nur bedingt etwas anzufangen. Der Bub hat keine andere Wahl, als sich irgendwie mit ihr, ihren schwankenden Stimmungen und wechselnden Partnern zu arrangieren – Drogen, Gewalt und sexueller Missbrauch inklusive.

"Das Herz ist eine hinterlistige Person / The Heart Is Deceitful Above All Things" war 2004 der zweite Spielfilm, bei dem die italienischen Schauspielerin Asia Argento Regie führte und selbst als Hauptdarstellerin auftrat: als unberechenbares narzisstisches White-trash-Muttermonster, äußerlich modelliert nach Courtney Love – oder Nancy Spungen – "Sid lives" steht einmal auf Sarahs T-Shirt, Sex Pistols auf dem von Jeremiah, der später bei seinem gottesfürchtigen Opa (Peter Fonda) mit seiner Version von "Anarchy in The UK" nicht reüssieren kann.

Auch formal orientiert sich Argento an räudiger Punk-Ästhetik – die Montage ist hart und sprunghaft, die Kamera oft atemlos. Ein Teil der Originalmusik stammt von Sonic Youth, und auch sonst finden sich jede Menge klingender Namen in den Credits: Ornella Muti taucht als Sarahs Mutter auf, Marilyn Manson, Lydia Lunch oder Winona Ryder absolvieren Gastauftritte. Ins Kino kam der Film trotzdem nur vereinzelt in den USA und in Italien. Was nicht zuletzt vielleicht auch daran liegt, dass Das Herz ... auf dem gleichnamigen autobiografischen Erzählband von J.T. Leroy basiert – einem US-Autor, der es zu Beginn des Jahrtausends zu einiger Berühmtheit und zahlreichen noch berühmteren Fans (wie Argento) gebracht hatte, bevor er 2005 selbst als Fiktion enttarnt wurde. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 28.3.2008)

  • Albtraumkindheit: Asia Argento als höchst instabile Mutter des kleinen Jeremiah (Jimmy Bennett).
    foto: arte

    Albtraumkindheit: Asia Argento als höchst instabile Mutter des kleinen Jeremiah (Jimmy Bennett).

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