Brain Force erleidet massive Verluste

22. April 2008, 14:48
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2007 war ein schwarzes Jahr für den heimischen Software-Konzern, Gewinn und Ergebnis schrumpften, der Umsatz stieg nur leicht

Wien - Der börsenotierte IT-Dienstleister Brain Force hat ein turbulentes Jahr hinter sich - hohe Verluste, millionenschwere Abwertungen und und delikate Gerichtsstreitigkeiten zwischen dem alten und dem neuen Management. Obendrein liegt derzeit ein Übernahmeangebot einer Investorengruppe rund um Stefan Pierer auf dem Tisch. Die Stellungnahme des Vorstands und des Aufsichtsrats sei heute, Donnerstag, früh an die Übernahmekommission geschickt worden, teilte Vorstandschef Günter Pridt bei der Bilanzpressekonferenz mit.

Der Unternehmensgründer und Ex-Chef Helmut Fleischmann vermutet, dass das jetzige Management und der Bieter unter einer Decke stecken. Deshalb hat er im Zusammenhang mit dem Pflichtangebot, das ab Überschreiten einer Beteiligung von 30 Prozent fällig ist, eine Sonderprüfung beantragt - zum einen erscheint ihm der Übernahmepreis in Höhe von 2,4 Euro je Aktie zu gering, zum anderen soll untersucht werden, ob es unerlaubte Kontakte zwischen dem Vorstand und dem Bieter gibt. Die Aktie notierte Donnerstagmittag bei 2,4 Euro, um 0,83 Prozent unter dem Vortagesschluss.

"Operative Probleme"

Das Versagen des alten Brain-Force-Managements zeigte sich 2007 deutlich im Firmenabschluss: Brain Force rutschte tief in die Verlustzone - das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) drehte 2007 gegenüber dem Jahr davor von plus 2,9 auf minus 16,7 Mio. Euro ins Minus. Das Ergebnis je Aktie war mit minus 1,29 Euro negativ - nach plus 30 Cent je Aktie 2006, teilte das Unternehmen mit. Gleichzeitig stieg der Umsatz von 88,5 auf 98,3 Mio. Euro.

Als Hauptgrund für die "operativen Probleme" nannte Pridt als neuer Unternehmenschef die mangelnde Integration der Akquisitionen in den vergangenen Jahren. "Man hat die PS nicht auf den Boden gebracht - es hat an Managementkapazitäten gefehlt, um die erworbenen Unternehmen integrieren zu können", erklärte er. Im August musste eine Gewinnwarnung ausgesprochen werden - verbunden mit außerplanmäßigen Firmenwertabschreibungen. Im Herbst kam es zum Managementwechsel.

Notbremse

Der Aufsichtsrat des Software-Unternehmens hatte die Notbremse gezogen. Nach Diskrepanz zwischen veröffentlichten Quartalszahlen und nachträglichen Ergänzungen berief er Fleischmann als Vorstand und langjährigen Chef des Unternehmens über Nacht einstimmig mit sofortiger Wirkung vom Chefposten ab. Ihm folgte der Brain-Force-Aufsichtsrat und ehemalige IBM-Österreich-Generaldirektor Günter Pridt nach. Diesem wird ab 1. April 2008 der frühere Wienerberger-Sprecher Thomas Melzer als neuer Finanzvorstand zur Seite gestellt.

Die außerplanmäßigen Firmenwertabschreibungen beliefen sich auf insgesamt 11,7 Mio. Euro - 9,3 Mio. Euro davon wurden im ersten Halbjahr 2007 getätigt, der Rest im dritten Quartal. Die Restrukturierungskosten bezifferte Pridt mit 2,4 Mio. Euro. Der Konsolidierungskurs wird heuer weitergeführt. Vorerst wird es keine weiteren Akquisitionen geben.

Die Managementfehler der Vergangenheit und das Sesselrücken an der Unternehmensspitze haben ein gerichtliches Nachspiel, das sich noch mindestens zwei Jahre hinziehen dürfte, schätzt Pridt. Ex-Chef Fleischmann klagt auf Wiedereinstellung, die Gesellschaft wiederum klagt auf Schadenersatz. Indes ist die Umstrukturierung in dem Unternehmen voll angelaufen.

Brain Force konzentriert sich nun auf die Integration der getätigten Akquisitionen. "Dabei haben wir uns auf die Kernmärkte Deutschland, Italien, Österreich und Niederlande konzentriert", so Pridt. Die nicht profitablen Aktivitäten in den USA, Spanien und Großbritannien wurden aufgegeben. "Früher wurde versucht, in jedem Land mit eigenen Ressourcen alle Produkte abzudecken", kritisierte Pridt.

Erste Lichtblicke waren im vierten Quartal 2007 zu erkennen und lassen das Management auf einen neuerlichen Turnaround - diesmal ins Plus - im Jahr laufenden Geschäftsjahr hoffen. Für 2008 werde ein Umsatz von über 100 Mio. Euro angepeilt. Das EBIT soll zwischen 2 und 3 Mio. Euro erreichen. (APA)

  • Für das Wirtschaftsjahr 2008 erwartet Brain Force einen Turnaround.
    foto: brain force

    Für das Wirtschaftsjahr 2008 erwartet Brain Force einen Turnaround.

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