Wenige Tage später geisterten zwei Ondits durch die Wiener Politszene: zum einen, dass sich der Bundeskanzler die Ski zum Lift tragen ließ, zum anderen, Schlimmeren, dass er, weil der vorrätige Wein nicht seinen Geschmack traf, einen konvenierenden Tropfen mittels Helikopter antransportieren ließ. Gewiss, für die Kommentare von Nachrichtenredakteuren kann Gusenbauer nichts. Und die beiden Gerüchte sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die böswilligen Unterstellungen Übelmeinender. Aber welchen Eindruck muss einer in den letzten Monaten von sich selber erzeugt haben, wenn solcher Rufmord entstehen kann? Wer bereitet den Nährboden dafür, dass der Bundeskanzler der Republik Österreich in den Augen vieler bestenfalls zum Zerrbild eines neureichen Parvenüs taugt?
Die Antwort ist ebenso einfach wie erschreckend: er selber. In Tateinheit mit seiner Lebensgefährtin Eva Steiner.
Noch einmal zur Erinnerung: Die Hoffnung im Herbst 2006 war, dass es nach dem Scheitern des schwarz-blau-orangen Projektes jetzt einer wirklich angeht und erstarrte Strukturen aufbricht, mehr soziale Gerechtigkeit produziert etc., etc. Deshalb hat die SPÖ die Wahlen gewonnen - besser gesagt weniger verloren als die anderen.
Gusenbauer, der seit seinen "Sandkisten-Zeiten" mit aller Macht Bundeskanzler werden wollte, ernannte sich folgerichtig sofort selber zum "Volkskanzler". Und als wäre dieser Akt napoleonischer Hybris nicht an sich schon lächerlich genug gewesen, setzte er noch eins drauf und begann auch noch daran zu glauben. Was aber hat er aus seinen Chancen gemacht?
Mit einer ÖVP konfrontiert, die, taktisch weit überlegen (es ist zu befürchten, dass Gusenbauer auch das weit verbreitete Bild von seiner eigenen überdurchschnittlichen Intelligenz für real hält), ihn bei den Regierungsverhandlungen "gewissermaßen" über den Tisch zog, verlor er offenbar rasch die Lust an der Knochenarbeit. Zunächst als Kanzler, kurz darauf, als die Genossen zu "sudern" begannen, dann auch als Parteichef.
Gusenbauer, der sich als Berufspolitiker sozialisierte, fühlte offenbar die Überforderung und suchte Erfüllung durch Ablenkung, die er in seinem überdimensionierten Gesellschaftsleben offenbar gefunden hat. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Wer die österreichische Innenpolitik, weil er etwa im Ausland lebt, im Spiegel der Medienberichterstattung betrachtet, muss zwangsläufig den Eindruck gewinnen, dass Kanzlersein in diesem Land ein einziges Hetzen von Fest zu Fest, von Event zu Event, von Laudatio zu Laudatio ist. Unterbrochen allenfalls durch den einen oder anderen wohlverdienten Urlaub.
Seit Weihnachten bietet der Regierungschef folgendes Bild: zunächst einmal Urlaub in Vietnam (sei ihm vergönnt) mit Upgrading-Affäre und deren unfassbar stümperhaften Handhabung durch ihn und seine Berater - es ist mir heute noch schwer nachvollziehbar, wie viele verschiedene Erklärungsversionen in kürzester Zeit vom Kanzleramt unters Volk gebracht wurden. Wenn das ein Pars pro toto für Staatsführung ist, dann gute Nacht, Österreich.
Danach ging's zum Opernball. Nicht ohne dass Frau Steiner ihrer offenkundigen Lieblings-Society-Journalistin Ro Raftl (profil) anvertraute, wer der Couturier ihres Vertrauens für das anstehende Tanzvergnügen sei. Kurz darauf standen mehrere Tage beim Hahnenkamm-Rennen auf der Agenda (Anorak mit Kronen Zeitung-Logo). Anschließend Skirennen in Schladming, Davis Cup in Wien und dann - endlich - der Skiurlaub in Lech. Dort war man dann wenige Tage später - wie eingangs schon erwähnt - wieder.
Damit auch die Arbeit nicht zu kurz kommt, ließ sich Gusenbauer via Einladung als Laudator eines Gourmetführers ankündigen (schickte in letzter Minute allerdings Sozialminister Buchinger als Vertreter) und außerdem via ein Magazin wissen, dass er - Ende März - die Laudatio auf den von Gault Millau zum "Feinschmecker des Jahres 2007" gekürten Bauindustriellen Hans-Peter Haselsteiner zu halten gedenke. Bei so viel Arbeit wundert es dann nicht mehr, dass der SPÖ-Chef seiner Wahlpflicht in Niederösterreich nur per Briefwahl nachkommen konnte.
Nur damit es auch einmal gesagt wird: In Österreich zahlen rund 50 Prozent der Steuerpflichtigen keine Lohnsteuer, weil sie zu wenig verdienen. Rund eine Million Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Viele Österreicher wissen nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollen und wie ihre Kredite zurückzahlen. Sie hätten sich einen Chef der Arbeiterpartei verdient, der ihre Sorgen wenigstens so ernst nimmt, dass das Bundeskanzleramt auch nach offiziellem Büroschluss den Eindruck erweckt, dass dort auch gearbeitet wird.
Viele Österreicher können sich für ihre Kinder keinen Osterurlaub leisten, ohne Bankrott zu gehen. Vielleicht erfreut es sie aber, dass Frau Eva Steiner (wie diese wieder einmal über ihr Sprachrohr Ro Raftl mitteilen ließ) die Karwoche damit begann, mit Tochter Selina und deren Freundin übers Wochenende zu einer Picasso-Ausstellung nach Madrid zu fliegen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Sie macht es nicht nur, sie kündigt es eine Woche vorher auch noch an.
Man sollte auf diese Signale hören. Und wenn man zufällig Kanzler und SP-Chef ist, sollte man sich überlegen, ob man auch immer die richtigen aussendet. Denn der nächste Wahlsonntag kommt sicher - und sich auf das gnädige Vergessen des (sudernden?) Wählers zu verlassen, ist möglicherweise kein guter Rat. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2008)
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Manstein der einst Hans Gerhard Jost hieß und sich aus Gründen der Faslchdarstellung seiner Person, seit dem versucht selbst zu adeln, schreibt irgendwas im Zusammenhang mit dem Begriff "neureich"? Da lachen die berühmten Hühner!! Er den nur seine teilweise schmutzig erlangten Bankkonten zusammenhält, er der lügt wie gedruckt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, "schmutzkübelt" !?! Jost Sie Parvenü, halten sie doch endlich den Mund und schleichen sie sich in ihre neureiche Protzvilla nach Ogen (Spanien).
das ist ja eh als polemik gekennzeichnet.
wo waren die matschgerer, hier würde nur gusenbauer persönlich diffamiert, anstatt seine politik anzuprangern, als schüssel zum x-ten mal wegen seiner körpergröße oder seines abgelegten mascherl-faibles lächerlich gemacht wurde? da sind die "lustigen" postings explodiert und der schmäh ist grennt.
aber wehe es geht gegen einen roten, und wenn er noch so unfähig ist.
ihr heuchler.
viele hier im forum fuehlen sich selber angegriffen, weil der gusi genau das gleiche leben fuehrt, wie viele hier.
ehrlich, ich persoenlich find die meisten "vorwuerfe" echt kleinlich - was bringt's, wenn sich der kanzler und seine partnerin in sack und asche huellen, keine urlaube mehr machen, etc.? kanzler sein, heisst auch oesterreich in der oeffentlichkeit repraesentieren...
die innenpolitische situation ist jedenfalls ein graus.
und die performance des kanzlers mag daran seinen anteil haben.
dass dazu für jemandem, der seit jahrzehnten medienunternehmer und dem intellektuellen establishment dieser republik zuzurechnen ist, falsche behauptungen und das hinpecken auf die lebensgefährtin auf goldenem-blatt-niveau, die adäquaten ansätze sind, illustriert allerdings nicht nur die offensichtliche verfasstheit des verfassers.
der artikel ist leider auch exemplarisch für die medien hierzulande. simplifiziert: freunderlwirtschaftliche verflechtungen statt intellektueller redlichkeit. In welchem umfeld wären politik und politiker der aktuellen qualität sonst möglich?
dürften hier unterwegs sein, jedem seine turnübungen
mr. m. hat sich selbst als parvenue geoutet - macht auch keinen schlanken fuss, für jemandem der sich den "weltoffenen auf sozialen ausgleich berufenen freimaurern" zurechnet... so ein ondit (diesmal eben über mr. m...), dass zur zeit kreist.
gibt ein negatives beispiel der sonderklasse.
vertrauen, glaubwürdigkeit, standing usw. aufzu-bauen dauert jahre - verloren ist es, wie dieses
beispiel zeigt, in minuten ...
menschen auf eine solche art "anzupatzen" disquali-fiziert sich sowieso von selbst, er ist ja eh wieder der erste, der dann beim bk-fest um eine einladung
"hechelt" ...
ich hätte auch von föderl-schmid, die ich ungleich mehr als fleischhacker (er erreicht immer öfter...
nicht einmal mehr die intellektuelle wahrnehmungs-schwelle der österreicher, finde ich) schätzte,
erwartet, dass sie sich von so jemandem eben nicht
instrumentalisieren läßt - quote ist nicht gleich qualität !
naja ...
etwas weniger poltical correctness und etwas mehr unverkrampftheit würde auch vielen hier im forum gut tun.
wir haben jahrelang herzlich - manchmal auch zornig - über schüssel gelacht, geschimpft, gelästert.
warum?
weil ers durch seine taten verdient verdient hat.
und jetzt gusenbauer?
freispruch in allen punkten nur weil er schwarz/blau verhindert hat?
SICHER NICHT!
hat Manstein auch so über Schüssel solchen Sondermüll abgesondert?
Zum Beispiel über dessen "echte Sau" Sager - und unzählige andere Schmankerl? Von selbsterfundenen Gerüchten gar nicht zu reden ...?
Nein? Sowas aber auch - der Herr schmierfinkt wohl nur aus niedriger Rache übern Kanzler?
und wessen Geistes Kind sie sind, zeigens eh mit jedem zweiten Posting.
Übrigens - sie habens vielleicht ned kapiert, aber ich hab nicht den Gusenbauer verteidigt, sondern den katastrophalen Stil Mansteins angegriffen. Aber der Unterschied ist ihresgleichen ja ohnedies nicht klar.
schauns einfach ein bissl weiter oben was ich über diesen artikel geschrieben habe ("ich finds gut").
dann tief durchatmen, schultern lockern und feststellen dass es mehr im leben gibt als schwarze oder rote kampfposter...
ps: ich hab ihnen im antwortkommentar des kanzlersprechers übrigens ein persönliches treffen angeboten. wenns ihnen nicht zu desillusionierend wäre dann...
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