Genosse Parvenü oder Höhenflüge eines "Volkskanzlers"

Redaktion, 23. April 2008 12:25

Polemische Anmerkungen zum politischen Selbstverständnis Alfred Gusenbauers - von Hans-Jörgen Manstein

"Wer bereitet den Nährboden dafür, dass der Regierungschef der Republik Österreich in den Augen vieler bestenfalls zum Neureichendarsteller taugt? Die Antwort ist ebenso einfach wie erschreckend: er selber."

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Am 1. März 2008 fegte das Sturmtief "Emma" über Österreich - mit den bekannten Folgen: vier Tote und ein dreistelliger Euro-Millionen-Betrag an Sachschäden. Am Abend dieses Tages meldeten die Innenpolitik-Redaktionen von ORF und ATV in den jeweiligen Hauptnachrichtensendungen - nahezu gleichlautend - sinngemäß, dass sich Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer, derzeit beruflich im Arlberger Nobel-Skiort Lech unabkömmlich, von ebendiesem Sturmtief die Freuden des Skifahrens nicht vermiesen lassen wolle.

Wenige Tage später geisterten zwei Ondits durch die Wiener Politszene: zum einen, dass sich der Bundeskanzler die Ski zum Lift tragen ließ, zum anderen, Schlimmeren, dass er, weil der vorrätige Wein nicht seinen Geschmack traf, einen konvenierenden Tropfen mittels Helikopter antransportieren ließ. Gewiss, für die Kommentare von Nachrichtenredakteuren kann Gusenbauer nichts. Und die beiden Gerüchte sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die böswilligen Unterstellungen Übelmeinender. Aber welchen Eindruck muss einer in den letzten Monaten von sich selber erzeugt haben, wenn solcher Rufmord entstehen kann? Wer bereitet den Nährboden dafür, dass der Bundeskanzler der Republik Österreich in den Augen vieler bestenfalls zum Zerrbild eines neureichen Parvenüs taugt?

Die Antwort ist ebenso einfach wie erschreckend: er selber. In Tateinheit mit seiner Lebensgefährtin Eva Steiner.

Noch einmal zur Erinnerung: Die Hoffnung im Herbst 2006 war, dass es nach dem Scheitern des schwarz-blau-orangen Projektes jetzt einer wirklich angeht und erstarrte Strukturen aufbricht, mehr soziale Gerechtigkeit produziert etc., etc. Deshalb hat die SPÖ die Wahlen gewonnen - besser gesagt weniger verloren als die anderen.

Gusenbauer, der seit seinen "Sandkisten-Zeiten" mit aller Macht Bundeskanzler werden wollte, ernannte sich folgerichtig sofort selber zum "Volkskanzler". Und als wäre dieser Akt napoleonischer Hybris nicht an sich schon lächerlich genug gewesen, setzte er noch eins drauf und begann auch noch daran zu glauben. Was aber hat er aus seinen Chancen gemacht?

Mit einer ÖVP konfrontiert, die, taktisch weit überlegen (es ist zu befürchten, dass Gusenbauer auch das weit verbreitete Bild von seiner eigenen überdurchschnittlichen Intelligenz für real hält), ihn bei den Regierungsverhandlungen "gewissermaßen" über den Tisch zog, verlor er offenbar rasch die Lust an der Knochenarbeit. Zunächst als Kanzler, kurz darauf, als die Genossen zu "sudern" begannen, dann auch als Parteichef.

Gusenbauer, der sich als Berufspolitiker sozialisierte, fühlte offenbar die Überforderung und suchte Erfüllung durch Ablenkung, die er in seinem überdimensionierten Gesellschaftsleben offenbar gefunden hat. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Wer die österreichische Innenpolitik, weil er etwa im Ausland lebt, im Spiegel der Medienberichterstattung betrachtet, muss zwangsläufig den Eindruck gewinnen, dass Kanzlersein in diesem Land ein einziges Hetzen von Fest zu Fest, von Event zu Event, von Laudatio zu Laudatio ist. Unterbrochen allenfalls durch den einen oder anderen wohlverdienten Urlaub.

Seit Weihnachten bietet der Regierungschef folgendes Bild: zunächst einmal Urlaub in Vietnam (sei ihm vergönnt) mit Upgrading-Affäre und deren unfassbar stümperhaften Handhabung durch ihn und seine Berater - es ist mir heute noch schwer nachvollziehbar, wie viele verschiedene Erklärungsversionen in kürzester Zeit vom Kanzleramt unters Volk gebracht wurden. Wenn das ein Pars pro toto für Staatsführung ist, dann gute Nacht, Österreich.

Danach ging's zum Opernball. Nicht ohne dass Frau Steiner ihrer offenkundigen Lieblings-Society-Journalistin Ro Raftl (profil) anvertraute, wer der Couturier ihres Vertrauens für das anstehende Tanzvergnügen sei. Kurz darauf standen mehrere Tage beim Hahnenkamm-Rennen auf der Agenda (Anorak mit Kronen Zeitung-Logo). Anschließend Skirennen in Schladming, Davis Cup in Wien und dann - endlich - der Skiurlaub in Lech. Dort war man dann wenige Tage später - wie eingangs schon erwähnt - wieder.

Damit auch die Arbeit nicht zu kurz kommt, ließ sich Gusenbauer via Einladung als Laudator eines Gourmetführers ankündigen (schickte in letzter Minute allerdings Sozialminister Buchinger als Vertreter) und außerdem via ein Magazin wissen, dass er - Ende März - die Laudatio auf den von Gault Millau zum "Feinschmecker des Jahres 2007" gekürten Bauindustriellen Hans-Peter Haselsteiner zu halten gedenke. Bei so viel Arbeit wundert es dann nicht mehr, dass der SPÖ-Chef seiner Wahlpflicht in Niederösterreich nur per Briefwahl nachkommen konnte.

Nur damit es auch einmal gesagt wird: In Österreich zahlen rund 50 Prozent der Steuerpflichtigen keine Lohnsteuer, weil sie zu wenig verdienen. Rund eine Million Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Viele Österreicher wissen nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollen und wie ihre Kredite zurückzahlen. Sie hätten sich einen Chef der Arbeiterpartei verdient, der ihre Sorgen wenigstens so ernst nimmt, dass das Bundeskanzleramt auch nach offiziellem Büroschluss den Eindruck erweckt, dass dort auch gearbeitet wird.

Viele Österreicher können sich für ihre Kinder keinen Osterurlaub leisten, ohne Bankrott zu gehen. Vielleicht erfreut es sie aber, dass Frau Eva Steiner (wie diese wieder einmal über ihr Sprachrohr Ro Raftl mitteilen ließ) die Karwoche damit begann, mit Tochter Selina und deren Freundin übers Wochenende zu einer Picasso-Ausstellung nach Madrid zu fliegen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Sie macht es nicht nur, sie kündigt es eine Woche vorher auch noch an.

Man sollte auf diese Signale hören. Und wenn man zufällig Kanzler und SP-Chef ist, sollte man sich überlegen, ob man auch immer die richtigen aussendet. Denn der nächste Wahlsonntag kommt sicher - und sich auf das gnädige Vergessen des (sudernden?) Wählers zu verlassen, ist möglicherweise kein guter Rat. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2008)

Hans-Jörgen Manstein ist Aufsichtsratsvorsitzender des Manstein-Verlags und Präsident der International Advertising Associaton (IAA).
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    santander1
    29.03.2008 15:38
    neureich???

    Manstein der einst Hans Gerhard Jost hieß und sich aus Gründen der Faslchdarstellung seiner Person, seit dem versucht selbst zu adeln, schreibt irgendwas im Zusammenhang mit dem Begriff "neureich"? Da lachen die berühmten Hühner!! Er den nur seine teilweise schmutzig erlangten Bankkonten zusammenhält, er der lügt wie gedruckt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, "schmutzkübelt" !?! Jost Sie Parvenü, halten sie doch endlich den Mund und schleichen sie sich in ihre neureiche Protzvilla nach Ogen (Spanien).

    aristide
    11.04.2008 12:40
    parvenu

    bitte, aber parvenus können das nicht schreiben ;-)

    good vibration
    28.03.2008 20:02
    Kronenzeitungsworte auf Standard-Papier...

    Scully
    28.03.2008 20:58

    in der krone wuerd nicht "polemisch" darueberstehen...

    politisch verfolgt
    28.03.2008 16:10
    geh bitte

    das ist ja eh als polemik gekennzeichnet.
    wo waren die matschgerer, hier würde nur gusenbauer persönlich diffamiert, anstatt seine politik anzuprangern, als schüssel zum x-ten mal wegen seiner körpergröße oder seines abgelegten mascherl-faibles lächerlich gemacht wurde? da sind die "lustigen" postings explodiert und der schmäh ist grennt.
    aber wehe es geht gegen einen roten, und wenn er noch so unfähig ist.
    ihr heuchler.

    Scully
    28.03.2008 21:03
    ich glaub das der wahre grund ein anderer ist...

    viele hier im forum fuehlen sich selber angegriffen, weil der gusi genau das gleiche leben fuehrt, wie viele hier.

    ehrlich, ich persoenlich find die meisten "vorwuerfe" echt kleinlich - was bringt's, wenn sich der kanzler und seine partnerin in sack und asche huellen, keine urlaube mehr machen, etc.? kanzler sein, heisst auch oesterreich in der oeffentlichkeit repraesentieren...

    seapoint
    28.03.2008 13:04

    Mehr Troll als Ernst.

    screen shot
    28.03.2008 11:21
    den gusenbauer kann man mögen oder nicht. der spö kann man nahe stehen oder nicht.

    die innenpolitische situation ist jedenfalls ein graus.
    und die performance des kanzlers mag daran seinen anteil haben.

    dass dazu für jemandem, der seit jahrzehnten medienunternehmer und dem intellektuellen establishment dieser republik zuzurechnen ist, falsche behauptungen und das hinpecken auf die lebensgefährtin auf goldenem-blatt-niveau, die adäquaten ansätze sind, illustriert allerdings nicht nur die offensichtliche verfasstheit des verfassers.

    der artikel ist leider auch exemplarisch für die medien hierzulande. simplifiziert: freunderlwirtschaftliche verflechtungen statt intellektueller redlichkeit. In welchem umfeld wären politik und politiker der aktuellen qualität sonst möglich?

    coober pedy
    28.03.2008 09:13
    dieser Herr Manstein dürfte schon ein übler Schmierfink sein

    oder ist er bei den letzten Ausschreibungen übergangen worden?

    fachnase
    28.03.2008 08:34
    diese mails unter mir...

    kommen wohl von Kampfpostern aus des SPÖ Zentrale, die im Standard besonders fleissig posten.

    also dann ...
    28.03.2008 08:42
    mag sein, aber auch einige der retro-nein-sager-övp claqueure...

    dürften hier unterwegs sein, jedem seine turnübungen

    mr. m. hat sich selbst als parvenue geoutet - macht auch keinen schlanken fuss, für jemandem der sich den "weltoffenen auf sozialen ausgleich berufenen freimaurern" zurechnet... so ein ondit (diesmal eben über mr. m...), dass zur zeit kreist.

    ceiberweiber.at
    28.03.2008 12:03
    aber es sind nicht alles kampfposter

    man kann ja manche kritik berechtigt finden und sich zugleich fragen, von welcher warte und welchen erfahrungen heraus der kritiker spricht. was kritik nicht unbedingt entwertet, aber zum verständnis eben notwendig ist.

    also dann ...
    28.03.2008 12:12
    ja...

    da bin ich mit ihnen völlig d`accord.
    ich habe auch nichts gegen griffiges argumentie-ren, solange die persönlichen befindlichkeiten nicht durchschlagen.

    ceiberweiber.at
    28.03.2008 17:34
    eben....

    leider gehts aber oft fast nur um persönliche befindlichkeiten, oder sie werden immer wieder angeführt und durchkreuzen den versuch, sachlich zu argumentieren...

    also dann ...
    29.03.2008 00:32
    auch d`accord : gerade mr. m ...(angeblich ...) "medien (?) manager ...

    gibt ein negatives beispiel der sonderklasse.

    vertrauen, glaubwürdigkeit, standing usw. aufzu-bauen dauert jahre - verloren ist es, wie dieses
    beispiel zeigt, in minuten ...
    menschen auf eine solche art "anzupatzen" disquali-fiziert sich sowieso von selbst, er ist ja eh wieder der erste, der dann beim bk-fest um eine einladung
    "hechelt" ...
    ich hätte auch von föderl-schmid, die ich ungleich mehr als fleischhacker (er erreicht immer öfter...
    nicht einmal mehr die intellektuelle wahrnehmungs-schwelle der österreicher, finde ich) schätzte,
    erwartet, dass sie sich von so jemandem eben nicht
    instrumentalisieren läßt - quote ist nicht gleich qualität !
    naja ...

    Poldi Schrumpl
    28.03.2008 08:21
    ich finds gut!

    etwas weniger poltical correctness und etwas mehr unverkrampftheit würde auch vielen hier im forum gut tun.

    wir haben jahrelang herzlich - manchmal auch zornig - über schüssel gelacht, geschimpft, gelästert.
    warum?
    weil ers durch seine taten verdient verdient hat.

    und jetzt gusenbauer?
    freispruch in allen punkten nur weil er schwarz/blau verhindert hat?
    SICHER NICHT!

    agent ohne namen
    28.03.2008 10:21

    kann leider nur ein grünes stricherl vergeben. virtuell bitte deren 10.

    Walter Kaiser
     
    28.03.2008 06:58
    Vielleicht hab ichs ja überlesen, aaabeer ...

    hat Manstein auch so über Schüssel solchen Sondermüll abgesondert?

    Zum Beispiel über dessen "echte Sau" Sager - und unzählige andere Schmankerl? Von selbsterfundenen Gerüchten gar nicht zu reden ...?

    Nein? Sowas aber auch - der Herr schmierfinkt wohl nur aus niedriger Rache übern Kanzler?

    agent ohne namen
    28.03.2008 10:20

    das hat schon rau alles erledigt.

    Poldi Schrumpl
    28.03.2008 08:17

    nö, aber genug andere.
    bin zwar kein schüssel-freund, aber tun wir schon die vergangenen jahre nicht vergessen. auch da hat (gottseidank) die presse kritisiert.

    Walter Kaiser
     
    28.03.2008 17:40
    Kritik?

    Ist völlig in Ordnung. Lese ich aber vom Manstein keine bzw. sieht Kritik völlig anders aus. Jedenfalls bringt Kritik keine selbsterfundenen Gerüchte als "Beweis"

    Poldi Schrumpl
    29.03.2008 08:38

    des is jetzt peinlich.
    lassens es dabei sein - gusi wirds überleben, und leut wie sie stehen noch mehr zu ihn. und leuten wie ich ists sowieso völlig egal - wir amüsieren uns nur, denn gewählt hab ich gottseidank eh keins der beiden regierungsparteienungetümer.

    Walter Kaiser
     
    29.03.2008 11:12
    Braucht Ihnen ned peinlich sein ...

    und wessen Geistes Kind sie sind, zeigens eh mit jedem zweiten Posting.

    Übrigens - sie habens vielleicht ned kapiert, aber ich hab nicht den Gusenbauer verteidigt, sondern den katastrophalen Stil Mansteins angegriffen. Aber der Unterschied ist ihresgleichen ja ohnedies nicht klar.

    Poldi Schrumpl
    29.03.2008 13:48

    schauns einfach ein bissl weiter oben was ich über diesen artikel geschrieben habe ("ich finds gut").

    dann tief durchatmen, schultern lockern und feststellen dass es mehr im leben gibt als schwarze oder rote kampfposter...

    ps: ich hab ihnen im antwortkommentar des kanzlersprechers übrigens ein persönliches treffen angeboten. wenns ihnen nicht zu desillusionierend wäre dann...

    Walter Kaiser
     
    29.03.2008 15:20
    Auch oben wars eine Themenverfehlung ...

    Hie gehts nicht um Freispruch Gusenbauers - hier steht Mansteins Pamphlet zur Diskussion.

    Und zum PS: Warum sollt' ich mich mit Ihnen treffen? Ich wüsst' nicht den kleinsten Grund dafür ...

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