Auch wer den Taschenrechner benutzt, lernt Kopfrechnen

7. April 2008, 14:10
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Wissenschafter führten Studie an vier Wiener Hauptschulen - Rechenleistungen mit und ohne technische Hilfe ohne Unterschied

Wien - Daß sich das Benutzen eines Taschenrechners im Mathematik-Unterricht negativ auf die Kopfrechen-Fähigkeiten von Schulkindern auswirken könnte, dürfte offenbar nicht stimmen. Eine Studie des Erziehungswissenschafters Rudolf Beer und von Susanne Martinuzzi (Pädagogische Hochschule Wien) konnte diesbezüglich keinen Zusammenhang feststellen.

Bei der Untersuchung zeigte sich, dass sich innerhalb eines Jahres die Rechenleistungen von Schülern, die im Unterricht mit Taschenrechnern arbeiteten, praktisch im gleichen Ausmaß steigerten wie jene einer Kontrollgruppe ohne Taschenrechner.

Für die in ersten Klassen an vier Wiener Hauptschulen durchgeführte Untersuchung wurden zwei Gruppen gebildet: Je eine Klasse pro Standort fungierte als Interventionsgruppe, die mit einem Taschenrechner ausgestattet wurde, und als Kontrollgruppe (ohne Taschenrechner). Beide Gruppen erhielten außerdem ein computergestütztes Trainingsprogramm zum Üben des Kopfrechnens zur Verfügung gestellt.

Für die Längsschnittstudie wurde die Entwicklung der Rechenfertigkeit in den vier Grundrechnungsarten per Testsoftware zu drei Zeitpunkten erhoben: Zu Beginn des Schuljahrs, in der Mitte und am Ende. Dabei mussten die Schüler innerhalb von je drei Minuten ohne Taschenrechner möglichst viele Additionen, Subtraktionen, Multiplikationen und Divisionen richtig lösen.

Kaum Unterschiede

Ergebnis: Am Ende des Schuljahrs hatte sich die Leistung beider Gruppen, die sich zu Projektbeginn praktisch nicht unterschieden, ungefähr im gleichen Ausmaß gesteigert: Beim Addieren und Subtrahieren erzielten die Schüler mit Taschenrechner-Einsatz im Unterricht etwas höhere Steigerungsraten als die Kontrollgruppe, beim Multiplizieren und Dividieren steigerten sich die Schüler der Kontrollgruppe etwas stärker, allerdings nicht signifikant. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift "Erziehung und Unterricht" publiziert. (APA/red)

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    foto: photodisc
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