Vom Traum einer Zauberin: "Dream of Life" über Patti Smith

10. April 2008, 17:58
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Ein Dokumentaressay, den der Filmemacher Steven Sebring mit ihr und über sie gestaltete, am Dienstag um 23.05 auf Arte

"Das Leben ist ein Abenteuer, das wir selbst entwerfen, gelenkt durch das Schicksal und eine Abfolge glücklicher und unglücklicher Zufälle." - Gelassen formuliert: Die mitunter harte Erfahrung eines Selbst-Entwurfs, der sich verselbstständigen mag. Patti Smith, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren in ärmsten Verhältnissen in Chicago, hinein ins Milieu der Zeugen Jehovas, als Tochter einer immer wieder weiter wandernden Familie, mit gut 20 Jahren schließlich Mitglied der New Yorker Boheme im und rund um das Chelsea Hotel und den berühmten Musikclub CBGB und wenige Jahre später Ikone des frühen Punk (1975: Horses!): Sie weiß, wovon sie redet, und sie weiß auch, wie sie es erzählen kann und stets neu erträumt.

"Dream of Life" heißt ein Dokumentaressay, den der amerikanische Filmemacher Steven Sebring mit ihr und über sie gestaltete. Dass er dafür zuletzt beim renommierten Sundance-Festival einen "Regiepreis" erhielt, geht ein wenig an der Tatsache vorbei, dass er im Prinzip lediglich abbildet, wie sich das Leben und die Erinnerungen rund um Patti Smith in beständig wiederkehrenden Mustern formieren: Verwischte Polaroids aus einer alten Schwarzweiß-Kamera, die die Musikerin mehr ahnend als sehend wie Fundstücke einer langen Reise aneinanderreiht.

"Dream of Life"

Schließlich: Erinnerungen an verstorbene Wegbegleiter, die in Smiths Erzählungen und Elegien wieder aufleben: Der Fotograf und frühe Lebensgefährte Robert Mapplethorpe, der Ehemann Fred "Sonic" Smith, literarische Zeitgenossen wie William S. Burroughs oder Allen Ginsberg bzw. Idole vergangener Tage: Rimbaud, Genet, ... "Lass den Geist des Verstorbenen gehen und höre nicht auf, dein Leben zu feiern."

Es wäre fast schon Todeskult, was Smith betreibt, hätte ihr Schaffen nicht auch eine angenehm profane Seite, quasi zwischen Unordnung, Trash, Abwasch, Sorge und Verantwortung für die mittlerweile auch erwachsenen Kinder Jesse und Jackson, deretwegen sie sich Mitte der 80er fast gänzlich aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hatte. "Dream of Life" - das ist dann nicht zuletzt ein Traum, wie ihn vielleicht nur eine Frau, eine Zauberin träumen kann: Voll Empathie für die Zerbrechlichkeit des Daseins, mit dem Wissen, dass man manchmal etwas härtere Flüche aussprechen muss. (Claus Philipp, DER STANDARD; Printausgabe, 25.3.2008)

  • "Höre nicht auf, dein Leben zu feiern": Patti Smith, Ikone des frühen Punk, weiß, wovon sie redet.
    foto: ar

    "Höre nicht auf, dein Leben zu feiern": Patti Smith, Ikone des frühen Punk, weiß, wovon sie redet.

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