Staffel-Sensation: Bronze für Krauler

17. April 2008, 13:48
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Koll, Rogan, Brandl und Jukic pulverisierten über 4x200 m den nationalen Rekord um über vier Sekunden und sind fast sicher für die Olympischen Spiele qualifiziert

Eindhoven - Der vorletzte Wettkampftag bei den Langbahn-Europameisterschaften in Eindhoven war ein für den österreichischen Schwimmsport historischer. Nicht nur, weil Markus Rogan wie erhofft mit Platz eins über 200 m Rücken seine zweite Gold-Medaille bei diesen Titelkämpfen holte. Viel sensationeller war, dass die österreichische Staffel über 4x200 m Kraul die Bronze-Medaille gewonnen und so dabei auch quasi die Olympia-Fahrkarte gelöst hat.

Das OSV-Quartett Dominik Koll, Rogan, David Brandl und Dinko Jukic schlug hinter Italien (7:09,94) und Russland (7:11,70) in 7:13,99 Minuten an und ließ damit die viertplatzierten Briten um 96/100 hinter sich. Bei der anschließenden Siegerehrung und bei den Interviews in der Mixed-Zone spielten sich unglaubliche Freudenszenen der gesamten OSV-Delegation ab. Denn dieser Erfolg hat besondere Bedeutung für die weitere OSV-Entwicklung.

"Wenn wir Rapid aus den Schlagzeilen nehmen wollen", erklärte Rogan nach dem Coup hinsichtlich des Stunden davor Rapid geglückten 7:0-Siegs in Salzburg, "müssen wir hier eine Medaille holen." Und Koll ergänzte: "Wir haben uns gesagt: 'Streben wir Gold an und gewinnen Bronze.'" Der Linzer hatte eine tolle Basis für die erst zweite Schwimm-Staffelmedaille nach Damen-Bronze über 4x100 m Kraul bei Olympia 1912 in Stockholm gelegt

Koll übergab nach 1:48,21 Minuten an Rogan und verbesserte damit seine am 26. März 2007 aufgestellte bisherige OSV-Rekordmarke über 200 m Kraul um 29/100 Sekunden. Er erbrachte damit auch die internationale Olympia-Norm, übergab mit minimalem Rückstand auf die Spitze drittplatziert an Rogan. Dieser hielt diese Position, Brandl blieb trotz kurzfristigem Rückfall auf Rang vier auf Medaillenkurs. Schließlich brachte Jukic das Rennen nach Hause.

"Mir war es zuerst nicht so recht, als Letzter zu schwimmen", erklärte Jukic nachher. "Aber Markus hat gesagt: 'Du hast das größte Herz, du kannst es schaffen.'" Staffel-Bronze wollte Jukic nicht geringer bewerten als sein Silber über 200 m Lagen. "Wir haben damit gezeigt, dass Österreich nicht nur starke Individual-Schwimmer hat. Wir sind auch ein starkes Kollektiv."

Mit dem im Vergleich zu Vorlaufplatz eins um noch einmal 4,17 Sekunden verbesserten österreichischen Nationalstaffel-Rekord - die schon 15. OSV-Bestleistung dieser Titelkämpfe - hat Österreich den Staffelplatz bei den Olympischen Sommerspielen in Peking so gut wie fix. Abgerechnet wird zwar erst am 31. Mai, aber es ist so gut wie sicher, dass Österreich eine der vier besten Zeiten unter den noch nicht qualifizierten Nationen haben wird.

Vermutlich wird es sogar die schnellste Marke sein, denn sie hat Qualität. Bei den Weltmeisterschaften vor exakt einem Jahr in Melbourne hätte diese Marke zu Rang sechs gereicht, bei Olympia 2004 in Athen zu Platz fünf. Da natürlich zumindest vier Krauler im Peking-Team stehen müssen, scheint die Nominierung eines über die Individual-Bewerbe noch nicht qualifizierten vierten Kraulers neben Koll, Rogan und Jukic fix.

Vermutlich wird das Brandl, der Perger hat aber auch noch die Chance auf ein Einzel-Limit. "Das ist meine erste Medaille, ich kann meine Freude gar nicht ausdrücken", zeigte er sich überglücklich. Es müsste auch ein Ersatzmann bei Olympia dabei sein, erster Kandidat dafür wäre der im EM-Vorlauf auf Position drei geschwommene Wiener Neustädter Florian Janistyn. Das letzte Wort hat aber natürlich das Österreichische Olympische Comite (ÖOC). (APA)

  • Österreichs erfolgreiche Kraulstaffel (v.l.n.r.): Dominik Koll, Dinko Jukic, David Brandl und Markus Rogan

    Österreichs erfolgreiche Kraulstaffel (v.l.n.r.): Dominik Koll, Dinko Jukic, David Brandl und Markus Rogan

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