Diesel - zwischen Genialität und Wahnsinn
Rudolf Diesel war irgendwie verrückt: Wie der Mathematiker Carl Friedrich Gauß oder der Entdecker Alexander von Humboldt ein Besessener. Von den beiden Genies unterschied er sich aber doch in einem Punkt: Er muss auch noch sagenhaft unglücklich gewesen sein, nicht nur zwischendurch einmal, sondern konsequent. Seine Biografie erscheint als der reinste Watschentanz zwischen großem Unternehmer und völligem Versager.
Die Konsequenzen für die weltweite Automobilisierung waren auf jeden Fall weitreichend. Das Verbrennungsprinzip mit dem höchsten Wirkungsgrad lässt niemanden kalt. Es heizt die Umweltdiskussion an, es stellt die Weltwirtschaft auf den Kopf. Drei von vier verkauften Litern Kraftstoff sind in Österreich derzeit Diesel. Der höhere Wirkungsgrad sorgt für geringeren Verbrauch. Steigende Dieselpreise schmälern den Vorteil, lassen ihn aber nicht ganz verschwinden. Selbst wem das Geld egal ist, dem bleibt immer noch eine höhere Reichweite.
Partikelschleuder
Auf der Umweltseite war Diesel schon immer kritisch, der hohe Wirkungsgrad hat seinen Preis: Die hohen Verbrennungstemperaturen haben gegenüber dem Ottomotor einen ungleich höheren Stickoxidausstoß zur Folge. Er ist so schwierig in den Griff zu kriegen, dass Dieselautos in Europa in diesem Punkt immer mit großer Nachsicht behandelt wurden. Das wird sich aufhören müssen. Das Thema Rußpartikel hat sich im Laufe des Hochschwappens der Diskussion von selbst erledigt. Heute werden praktisch nur mehr Autos mit Partikelfilter verkauft. Aber eines bleibt: Die ganz kleinen wirklich gefährlichen Partikel bringt niemand weg.
Der Dieselmotor wird bei uns an Bedeutung verlieren und im Rest der Welt ein wenig gewinnen. Denn am Ende will alles verbraucht werden: Benzin wie Diesel. (rs, AUTOMOBIL, 21.03.2008)