AIR reißt die Grenzen zwischen Web und Desktop ein

3. April 2008, 10:11
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Auf Computernutzer kommt eine neue Welle von Anwendungen zu, die sowohl aktuelle Web-Techniken als auch die volle Rechenleistung des Computers nutzen

Das Web sprengt die Browser-Grenzen: Mit der neuen Technik AIR von Adobe können Web-Anwendungen in eigenständige Programme übersetzt werden, die sowohl unter Windows als auch auf einem Mac laufen.

Neune Welle von Anwendungen

Auf Computernutzer kommt damit eine völlig neue Welle von Anwendungen zu, die sowohl aktuelle Web-Techniken als auch die volle Rechenleistung des Computers nutzen. Es gibt bereits eine Fülle von kleinen Programmen wie StockQ für aktuelle Aktienkurse, das Kartenspiel "Tongits" oder NetBook, eine Lesesoftware für die mehr als 11.000 Bücher des Gutenberg-Projekts. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch komplexere Anwendungen wie eine vollwertige Textverarbeitung bereitgestellt werden - den Ansatz dazu demonstriert Adobe bereits mit der noch im Browser laufenden Web-Anwendung BuzzWord.

HTML, CSS, JavaScript, Ajax oder Flash

Wer sich ein bisschen mit gängigen Web-Techniken auskennt wie HTML, CSS, JavaScript, Ajax oder Flash kann mit Hilfe von AIR in kürzester Zeit ein Programm entwickeln und für alle Welt zum Download bereitstellen. Die Nutzungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie das Web. AIR-Programme können aktuelle Internet-Informationen oder eine Multimedia-Präsentation ohne Browser auf den Desktop bringen. Möglich sind aber auch komplexe Anwendungen mit Zugriff auf das Dateisystem.

AIR bedeutet "Adobe Integrated Runtime" und stellt ähnlich wie Java oder die Microsoft-Technik .NET eine Laufzeitumgebung für Anwendungen zur Verfügung. Sobald diese Basis-Software im Download-Umfang von 16 MB installiert ist, können alle AIR-Programme diese nutzen. Die finale Version 1.0 dieser "Runtime" wurde Ende Februar für Windows und Mac fertiggestellt, eine Version für Linux ist noch in Arbeit.

RIA

AIR ist das wohl am weitesten gediehene Projekt einer "Rich Internet Application" (RIA). Darunter versteht man eine Internet-Anwendung mit Bedienungsmöglichkeiten, die über die klassischen Browser-Funktionen hinausgehen.

Mehrere Wege zur eigenen AIR-Anwendung

Zur ersten eigenen AIR-Anwendung gelangt man auf unterschiedlichen Wegen. Am einfachsten ist die Entwicklung mit Hilfe einer Erweiterung für Adobe Dreamweaver CS3 oder Adobe Flash CS3. Auch die Entwicklersoftware Adobe Flex kann für das Gestalten einer AIR-Anwendung verwendet werden. Wer keines dieser Programme nutzt, kann ein kostenloses AIR SDK (Software Development Kit) herunterladen. Damit lässt sich auf der Kommandozeile von Windows oder im Mac-Terminal eine AIR-Anwendung erstellen.

Mit den HTML-Mitteln kann alles zum eigenständigen Programm werden, was sonst im Browser stattfindet - von der statischen Webseite über einen Nachrichtenticker mit RSS oder interaktive Web-Anwendungen. Sehr viel weiter reichen die Möglichkeiten, wenn man AIR mit Flash und seiner Skriptsprache ActionScript nutzt. Damit lassen sich auch Programme entwickeln, die auf das Dateisystem des Computers zugreifen.

"Sandbox"-Konzept

Dem damit verbundenen Sicherheitsrisiko begegnet Adobe mit einem "Sandbox"-Konzept, das die Anwendung in einer isolierten Umgebung eingrenzt. Bereits bei der Entwicklung wird verhindert, dass fremde dynamische Web-Inhalte eigebunden werden. Außerdem muss jedes AIR-Programm signiert werden. Das geschieht entweder über einen kommerziellen Anbieter wie VeriSign mit entsprechenden Kosten oder mit einem selbst erstellten Schlüssel.

Die Struktur einer AIR-Anwendung ist verblüffend einfach. Mindestens drei Dateien sind erforderlich: eine mitgelieferte Javascript-Bibliothek, eine HTML-Datei für die Oberfläche der geplanten Anwendung und eine XML-Datei mit den wesentlichen Kenndaten der Anwendung wie Größe des Startfensters und Angaben zu den Bildsymbolen.

"Dies ist eine spannende Zeit für Innovationen"

Mit AIR werde es möglich, "interaktive, ausdrucksstarke Applikationen" zu entwickeln, erklärt der Technik-Chef von Adobe, Kevin Lynch. "Dies ist eine spannende Zeit für Innovationen in der Softwarebranche und auch für Designer und Entwickler, die das Internet vorantreiben." (AP/APA)

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