Absurdistan

Redaktion, 20. März 2008 18:44

Warten auf die Entführten - und auf die nächste westlich-islamische Krise

Lebenszeichen von Osama Bin Laden sind immer höchst unwillkommen. Für ein Land wie Österreich, das zwei seiner Staatsbürger in Händen einer Al-Kaida zuzurechnenden Gruppe weiß, ist es jedoch besonders unangenehm, wenn der Chef des Terrorkonsortiums sich zu Wort meldet und ankündigt, die x-te Beleidigung des islamischen Propheten Muhammad an Europäern rächen zu wollen.

Die Reziprozität ist demnach nicht nur bei den österreichischen katholischen Bischöfen ein Thema: Minarette in Österreich gegen Kirchen in Saudi-Arabien. Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad hat eine zynische Variante dieses Spiels im Jahr 2006 begonnen, als die Krise um die dänischen Zeichnungen, auf die sich Osama Bin Laden in seiner Botschaft bezog, ausbrach: Muhammad-Karikaturen gegen Holocaust-Leugnung, unser absolutes Tabu-Thema gegen eures.

Bei Bin Laden ist nun eine fürchterliche Drohung daraus geworden: das Abwägen der "Freiheit eurer Worte" gegen die "Freiheit unserer Taten", gemeint ist, die "Freiheit, euch umzubringen".

Wenn es um die angebliche oder tatsächliche Beleidigung des Propheten geht, dann gilt aber nicht nur das westliche Leben wenig für Bin Laden und die Seinen: Die Karikaturen seien ein schwerwiegenderes Verbrechen als die Tötung von Frauen und Kindern. Zum Beispiel im Irakkrieg. Aber, ohne vergleichen zu wollen: Eine anständige Portion Zynismus und Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der irakischen Kriegsopfer war auch aus dem Munde des US-Präsidenten zu vernehmen, als er die Menschheit mit seiner Jubelrede zum fünften Jahrestag der Irak-Invasion beglückte.

Ein Geschenk für alle Extremisten, scheint die Rede doch zu beweisen, dass - wenn George Bush so sehr mit dem Resultat der Irak-Intervention zufrieden ist - die USA wirklich andere als die von ihnen angegebenen Ziele im Irak verfolgen. Denn diese haben sie bestimmt nicht erreicht.

Und ein weiteres Extremistengeschenk - und die nächste Krise zwischen Europa und der islamischen Welt - ist bereits in der Pipeline: Der Film des Niederländers Geert Wilders, der den einzigen Zweck hat zu zeigen, was der Islam für eine schlimme Religion ist, läuft zu Monatsende an. Es fehlt jeder Mechanismus, diese aufziehende Krise schon im Vorfeld zu bearbeiten. Wie gebannt wartet man darauf, was und dass etwas passiert.

Bis dahin werden die österreichischen Entführten jedoch hoffentlich wieder zu Hause sein, bei ihnen geht es um Geschäfte. Zu wenig weiß man über den Stand der Dinge, aber im Laufe der vergangenen Tage wurden Schlaglichter auf verschiedene Thematiken geworfen.

Da ist erst einmal Österreichs - systematisch betriebene - Vernetzung mit arabischen und islamischen Ländern und Personen, die dazu geführt hat, dass unter anderem der wahrscheinlich berühmteste Fernsehprediger der Welt, Yussuf Al-Qaradawi, auf El Jazeera für die Österreicher appelliert hat.

Nun kann man die Figur Qaradawi und seine radikalen Ansichten durchaus diskutieren, aber mit dem Softie-Imam von nebenan wird man eben bei den Entführern - denen eher auch Qaradawi noch zu "soft" sein wird - rein gar nichts erreichen. Es kommt darauf an, was man will, und die Antwort ist im Moment sehr einfach: die Geiseln freibekommen.

Dazu muss man sich auch auf Spiele einlassen, die gewisse Länder immer wieder spielen, und mit einem gewissen Erfolg:

Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi ist einer, dem die radikalen Islamisten selbst an die Kehle wollen - er selbst ist ja bereits Attentatsopfer geworden. Die Gaddafi-Stiftung seines rührigen Sohnes, des Haider-Freundes Saif-alislam, pflegt indes beste Beziehungen zu radikalen Islamisten und ist vermittelnd tätig bei den Transaktionen, die ihnen jenes Geld beschaffen, das sie zur Beschaffung jener Waffen brauchen, mit denen sie die herrschenden arabischen Regime stürzen wollen. Auch das libysche. Es ist so absurd, wie es klingt. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 21.3.2008)

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16 Postings
Igor Gassner
07.04.2008 17:36
Liebe Frau Harrer das ist die

Sprache der Selbstentwaffnung gegenüber Verbrechern die sie sprechen. Das wesen des Westens ist die freie Rede sie ist der Kern unsererb Demokratie, sie muss iwe hat es das deutsche Verfassungsgericht einmal gegenüber den Aussagen von rechten formuliert , ertragen werden. Wenn der Islam sie nicht ertragen kann ist der für die Moderne nicht geeignet, er wird sich wandeln müssen. Der Prophet muss zum Berg kommen.
Unvereinbare Gegensätze kann man nicht durch vorzeitige Kapitulation beseitigen.

Conrad Meyer
21.03.2008 23:48
"den einzigen Zweck hat zu zeigen, was der Islam für eine schlimme Religion ist"

Ist er's nicht?

Anua´k
21.03.2008 18:53
typische

meinung von west medien, lieber verhandeln und fern ab den medien riesen summe zahlen als keine reise dorthin zu tätigen. Warum sollen wir millionen bezahlen damit die den nächsten entführen und anschließend noch ne Autobombe detonieren lassen. Selbst schuld wenn sie dorthin reisen.

Michaela Schaffrath
21.03.2008 18:29
Ich

will Kalif werden - anstelle des Kalifen!

Die Stimme des Marktes
25.03.2008 10:52
Super Nick... LOL

Terence Lennox
22.03.2008 08:36
sie merken..

..das kennt keiner mehr. isnogud..

Alexander Neumaier
07.04.2008 09:30
Doch doch

Aber das ist eine Frage des Alters.
Dürfte so bei 35 enden, darunter wird diese Cartoonserie wohl kaum wer kennen.
Allerdings frage ich mich, ob gerade dieser Cartoon, heute nicht auch gegen irgendwelche islamischen Sitten und Einstellungen verstoßen würde.
Allein die Schweinsbraten auf den Tischen bei den Gelagen.

Promille Prolet
23.03.2008 11:56
der bitterböse grosswesir

asta nielsen
21.03.2008 17:00
Dazu muss man sich auch auf Spiele einlassen, die gewisse Länder immer wieder spielen

Nein, muss man als demokratischer Staat eben nicht. Wenn klar ist, dass nicht gezahlt wird, werden sich Herr und Frau Abenteuer den Trip in gewisse Länder überlegen. Und die Entführer werden sich eben überlegen müssen, wie sie anders das Geld für Waffenkäufe auftreiben.

mariaundjosef
21.03.2008 09:22
Opportunismus

Einen offensichtlich kritischen Film als Islamistengeschenk zu bezeichnen, ist jämmerlich. Möchte die Autorin die freie Meinungsäusserung einschränken, nur um nicht anzuecken?

Und sich an extreme Prediger anzubiedern ist auch recht - es gibt ja immerhin noch radikalere Prediger.

Und dann immer dass Killer-Argument zu jeden weltpolitischen Thema: Bush ja auch extremistisch.

Wow, was für feige Kolumne!

Wieviel Demokratie ist es bitte?
20.03.2008 20:57
Es ist halt Frust

Die Ganztagsirren des Radikalislam haben sehr genau gecheckt, daß sie abgehängt sind. Seit 500 Jahren sind das entwicklungslose Regionen, auf allen Gebieten: Sand, Überpopulation. Keine Sozialsysteme, keine Bildung, keine Aufklärung, keine Ökonomie, keine Ökologie, keine Demokratie. Nichts. Die einzige Erfindung in all der Zeit, war der Sprengstoffgürtel. Das ist ein bißchen mager. Das wissend, hat man sich frustriert in den Koran versenkt. Auch Öl und Geiseln machen nicht souverän. Es ist als Resultat auch nur Bettelei um westliches Geld und Know How. Spätestens seit Kolumbus eine Frühfrom der Globalisierung startete, hat sich der Islam überrascht aber unproduktiv im Sand vergraben und blieb seitdem mittelllos in jeder Hinsicht.

Christoph Karl Steininger
21.03.2008 15:59
Kolumbus und die Frühform der Globalisierung...

Köstlich!

Slicky
21.03.2008 13:34
tja

1stens füren trostlostkeit meist immer zur radikalisierung im Zahnrad der Zeit, aufgrund menschlicher sozialer gruppendynamik - werde das nicht vertiefen.

2tens haben diese unproduktiven Regionen Dank fossilen sowie anderen Rohstoffen, Kapital und westliche Technik 'èn massè importiert, sollten daher nicht unterschätzt werden.

Das Problem ist eher die moderierung Europas, natürlich ist so wie alles, da nichts absolut und hat viele facetten.

Das beste Beispiel denke ich stellt Israel dar, die mit ihrer moderaten Politik nicht weiterkommen im dem überkritischen Blick der Weltöffentlichkeit bei gleichzeitiger völliger Abhängigkeit derer.

Vernichtung ist nun einmal ein integraler Bestandteil für die erschaffung v. neuem. Evolution pur.

Chien de Pique
21.03.2008 13:18
Bei grundsätzlicher Zustimmung: Das ist wohl etwas vereinfachend.

In den reichen Ölstaaten gibt es teilweise sehr wohl auch reiche Sozialleistungen, von denen Europa teilweise nur träumen kann (bis hin zu kostenloser Wasser- und Stromversorgung), angesichts der AkademikerInnenschwemme im Iran kann man beim besten Willen nicht von "keiner Bildung" reden. Oder abgesichts des Wirtschaftswunders in Malaysia nicht von "keiner Ökonomie". Nur hilft das offenbar auch alles nichts oder nicht viel gegen den Extremismus.
(abgesehen davon, dass Sozialsysteme und Demokratie in Europa großteils auch erst im 20. Jahrhundert eingeführt wurden, Bildung für die breiten Massen bestenfalls anderthalb Jahrhundert zuvor).

Nopsy
21.03.2008 17:15
Nicht vereinfachend

Wo gibt es denn die Sozialleistungen? In den Emiraten ja, die ich aber nicht so ohne weiteres mehr als islamische Länder bezeichnen würde.
In Saudi beiweiten nicht für alle-und anderswo? Fehlanzeige.
Was dürfen die "Akademikerinnen" lernen? Biologie etwa? Geschichte? Alles unislamisch. (Ein Berliner Moslemverband beantragte die Kinder deshalb vom Biologieunterricht zu befreien)
Welcher Prozentsatz am Studium ist Islam? Um die 50%, bei den saudischen Medizinern immer noch 30%.
Analphabetenquote? Nur einige afrikanische Länder sind noch schlechter.
Buchproduktion ausser Religion? Kaum existent.
Nachzulesen im Arab Human Development Report, verfasst von arabischen (!)Autoren.(Allein schon das Erscheinen ist eine kleine, positive Sensation.

Brücke
20.03.2008 19:22

Ein erbärmlicher Streit ,der von westlichen Erdöljunkies
geschürt wird , vom Niedergang des Finanzsystems
ablenken soll ;moralische Verkommenheit die Macht und Ölgier einem hohen Ethos unterschiebt ,
Einzellfälle zu einem monströsen Feindbild aufbaut
und liest man die einschlägigen Foren ,gibts schon wieder genügend Haß ,loszumarschieren .

OBL ist tot ,und jeder ders wissen will kanns wissen ,
auch wenn jetzt der Druck der teamfähigkeit auf Journalisten lastet ,sie alle werden befragt werden

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