OECD: Der US-Wirtschaft geht die Luft aus

8. April 2008, 16:30
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Neue Hiobsbotschaften sorgen weiterhin für Unruhe, die Finanzkrise schlägt auf die Realwirtschaft durch

Paris/New York – Im Zuge der weltweiten Finanzmarktkrise bringt ein Zwischenbericht der OCED neue Sorgen. Vor allem für die USA sind die Aussichten schlecht: Für die USA, wo die Finanzkrise mit dem Einbruch auf dem Immobilienmarkt begonnen hatte, geht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für das erste Halbjahr fast von einem Nullwachstum aus. Im dem OECD-Bericht vom Dezember hatte die Vorhersage noch bei 0,3 und 0,4 Prozent gelegen. "Die amerikanische Wirtschaft stagniert, wenn sie nicht bereits schrumpft", stellte die OECD fest.

Sorgen am Automarkt

Sorgen gibt es derzeit vor allem am US-Automarkt. Laut einer Studie werden in Amerika 2008 um 1,3 Millionen weniger Autos verkauft werden, als noch im Vorjahr. Für Deutschland hat die OECD trotz der Turbulenzen durch die weltweite Finanzkrise ihre Wachstumsprognose erhöht. Die Wirtschaftsleistung werde im ersten Quartal um 0,6 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Vierteljahr steigen und im zweiten Quartal um 0,4 Prozent. Damit wurde die Prognose um 0,2 Punkte angehoben, die für das zweite Quartal blieb unverändert. Österreich wurde nicht neu bewertet, da die OECD kleinere Länder nur zweimal jährlich einer näheren Analyse unterzieht. Für die Eurozone ließ die Organisation ihre Vorhersage praktisch unverändert. Die Auswirkungen auf die Konjunktur seien in den Ländern der Gemeinschaftswährung bisher „weniger brutal“ als in den USA, hieß es. Der Export schlage sich trotz des stark gestiegenen Euro-Kurses gut. Die OECD verwies darauf, dass in keinem Land der Welt „die Realwirtschaft vor den Finanzturbulenzen sicher ist“. Die Kursverluste an den Börsen und im Immobilienbereich drückten weltweit auf die Nachfrage. Sie schloss deshalb auch für die Euro-Zone eine spätere Senkung der Wachstumsprognose nicht aus.

Globale Bad News

Die Sorge rund um die Konjunktur wird täglich neu entfacht. Die von der US-Immobilienkrise stark getroffene Bank Citigroup will bis Monatsende 2000 Banker entlassen. Betroffen seien Angestellte der Investmentsparte insbesondere in London und New York, berichtete die New York Times. Bereits in den letzten drei Monaten 2007 hat die Bank 4200 Stellen abgebaut. Citigroup hatte im Jänner bekanntgegeben, mehr als 18 Mrd. Dollar (11,47 Mrd. Euro) in Folge der Krise um faule US-Immobilienkredite abschreiben zu müssen. Den Markt aufgeschreckt hat am Donnerstag auch die Nachricht des deutschen Versicherungsriesen Allianz, der wegen der Finanzkrise sein Gewinnziel infrage gestellt und weitere Abschreibungen bei der Allianz-Tochter Dresdner Bank angekündigt hat. Es sei "deutlich schwerer" geworden, das Konzernziel zu erreichen, bis 2009 das operative Ergebnis jährlich im Schnitt um zehn Prozent zu steigern, teilte Konzernchef Michael Diekmann im Geschäftsbericht mit.

Staatliche Hilfe gefordert

Britische Banker hoffen auf stärkere staatliche Unterstützung bei der Bewältigung der Finanzkrise. Die Chefs mehrerer Großbanken wollen ihre Position bei einem Treffen mit dem Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, deutlich machen, berichtet der Sender BBC. Dabei geht es dem Vernehmen nach neben Möglichkeiten zur stärkeren Absicherung von Krediten auch um Maßnahmen gegen die Verbreitung geschäftsschädigender Gerüchte im Finanzsektor.

Auf der anderen Seite des Globus will die US-Investmentbank Merrill Lynch den Anleiheversicherer XL Capital Assurance gerichtlich am Abzug von Kreditgarantien hindern. Der Fall schürt Spekulationen, dass dem weltgrößten Brokerhaus neue Abschreibungen drohen. Die US-Regierung will indes die Regeln für staatliche Hypothekenaufkäufer lockern, damit frisches Kapital auf den Immo-Markt kommt. Die beiden führenden Anbieter Fannie Mae und Freddie Mac dürfen künftig mehr Geld in Hypothekenpapiere investieren. Der Plan soll insgesamt bis zu 200 Mrd. Dollar für den schwächelnden Markt mobilisieren. (AFP, Reuters, dpa, red, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21.3.2008)

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    Die Party ist vorerst einmal vorbei: Die US-Immobilienkrise lässt die Bilanzen von Banken und Investmenthäusern platzen. Die US-Konjunktur steht laut OECD vor einem "Nullwachstum".

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