Die Weine von Gut Oggau sind echte Typen, die sich aus der Charakteristik der Rebsorten und der Weinbereitung ergeben und deren gemeinsamer Nenner das „Burgenländische“ ist
Auf den ersten Blick wirkte das Ganze doch etwas abgehoben: Weiße Weinetiketten, auf denen in kreativer Blockschrift der Betriebsname „Gut Oggau“ und ein in Klammer gesetzter Hinweis auf die Farbe - „(Rot)“, „(weiß)“, „(rosé)“ - zu lesen sind. Dazu schräge Vornamen wie Theodora, Atanasius und Winifred, wie man sie ganz gerne Meerschweinchen oder Katzen angedeihen lässt. Dazu kommen verschiedene gezeichnete Gesichter, eins pro Flasche, was Kollege F. aus der Standard-Musikredaktion mit „Fahndungsfotos, aber wo ist die Nummer?“ oder so ähnlich kommentierte.
Hinter den Weinen mit der extravaganten Aufmachung stecken Eduard und Stephanie Tscheppe, die in Oggau den Traditionsbetrieb Wimmer inklusive zehn Hektar Weingärten erworben haben. Wimmer zählte, so die Tscheppes, bis gegen Ende der 70-er zu den ersten Häusern in Oggau. Wimmer-Weine waren, als der Weg zum österreichischen Weinwunder noch ein sehr breiter war, bereits im damals todschicken „Aubergine“ in München zu finden. Nach einer letzten Investitionsphase Ende der 70-er ging es allerdings nicht mehr weiter und das Weingut musste verkauft werden.
In den Weingärten fanden die Tscheppes auf oft extra alten, teilweise noch sehr gut verwurzelten Anlangen unterschiedlichste Rebsorten wie Grüner Veltliner, Weiß- und Grauburgunder, Gewürztraminer, aber auch die heute seltene Orangen-Traube. Angesichts der Kleinteiligkeit und da es „in Wahrheit keine Lagen-Tradition gab“ (d.h. Weingärten mit speziellen Böden, dementsprechend guten Namen und über Jahrzehnte erwiesener Qualität), ließen sie sich etwas völlig anderes einfallen.
Dröselt man das Ganze vor diesem Background auf, zeigt sich ein bestechend bodenständiges Konzept, bei dem die Weine innerhalb einer „Wein-Familie“ nach Geschmackstypen klassifiziert werden. Charaktere finden sich in allen Familien, plakativst dargestellt in diversen TV-Familien von Clan des „echten Wieners“ in der Favoritner Hasengasse bis zur „Paten“-Familie der Corleones. Auch der familiäre Background des Winzerpaares, Stephanie ehemals Eselböck, und Eduard als der (ehemals südsteirischen, mittlerweile in der Welt verteilten) Tscheppe-Dynastie, ist dabei eine hübscher Rahmenaspekt.
Der wilde Rebsorten-Mix wurde in neun Weintypen „übersetzt“, die den Familiennamen „Burgenland“ tragen, alle „Weinfarben“ (weiß, rot, süß und rosé) und Weinstile - leicht, gehaltvoller trocken oder mit mehr oder weniger Restzucker - umfassen und auch angelehnt an die Generationen einer Familie verschiedene Reifestufen repräsentieren. Die Weine der Youngster-Generation, Theodora (burgenländisch weiß und leicht), Winifred („bewusst als Rosé ausgebaut“, reifer als Theodora) und Atanasius (rot, klassisch, weich, mittelkräftig) kommen jährlich in etwa zu Frühlingsbeginn nach der Ernte auf den Markt, sind jedoch nicht der Zisch-Frisch-Generation der „Jungen Österreicher“ oder den Primussen aller Herkünfte zuzuordnen: „Eine gewisse Grundreife muss da sein. Sie dürfen sich im Geruch zuerst durchaus zurückhalten und haben bereits Potenzial“, lautet die Beschreibung Eduard Tscheppes.
Rebsorten stehen bei keinem der Cuvées im Vordergrund, sondern Weintypen, die sich aus der Charakteristik der Rebsorten und der Weinbereitung ergeben und deren gemeinsamer Nenner das „Burgenländische“ ist: d.h. mehr Körper, gehaltvoller, feinwürziger, eher reif und gelbfruchtig (Ringlotten, Melonen), weil auch aus einer wärmeren Gegen kommend als beispielsweise ein niederösterreichischer Typ.
Den Eltern (inklusive zweier schräger Onkels z.B. Emmeram, der für die „schräge“ Sorte Traminer steht) wurden gehaltvolle Weißweine und Rotweine zugeordnet, die ihre Charakteristik z.B. durch langen Hefekontakt und Maischestandzeiten bekommen und nicht vor Herbst zu haben sind. Die Großeltern wieder unterscheiden sich von den anderen Generationen vor allem durch eine sehr traditionelle Verarbeitungsweise: Gearbeitet wird mit einer alten revitalisierten Baumpresse. D.h. Ganztraubenpressung, mehr Luftkontakt, mehr Trub bei der Verarbeitung, die insgesamt langsam, aber sehr schonend vor sich geht, und durch die Weine auf Langlebigkeit und Struktur hingearbeitet werden. Die Tscheppes entschieden sich übrigens für eine biodynamische Bewirtschaftung nach Demeter und sind als Umstellungsbetrieb gemeldet.
Die derzeit erhältlichen Weine sind sehr gut, sehr stimmig und balanciert, die Proben der später im Jahr auf den Markt kommenden Joschuari, Wiltrude, Emmeram und Timotheus absolut viel versprechend und bei allem Burgenländertum glasklar voneinander unterscheidbar. Ob man nun die fruchtig-finessenreiche Theodora (weiß), die nach Waldbeeren schmeckende Winifred (rosé) oder den kirschig-weichen Atanasius (rot) zu Schnitzel, Pasta und Co lieber hat, sollte man allerdings selbst herausfinden. (Luzia Schrampf)
Gut Oggau "Theodora"
"Winifred", 11,50 € und
"Atanasius", 13,50 € z.B.
im
magazin Salzburg)
oder bei
Wein & Co.
Gut Oggau, Hauptstraße 31, 7063 Oggau
Tel. 0664/20 69 298,
gutoggau.com