Apple ist erfolgreich "böse"

Redaktion
25. März 2008, 18:08

Proprietär, tyrannisch, paranoid und gegen den Strom erfolgreich - "Wir haben Zellen wie eine Terror-Organisation"

Als vergangenen Februar der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft bekanntgab, die Schnittstellen seines Betriebssystems Windows offenzulegen und sich gegenüber der Open-Source-Gemeinde zu öffnen, hatte es auch für die schärfsten Kritiker des Monopolisten - überspitzt formuliert - den Anschein, als würde die Hölle zufrieren.

Dabei sprangen die Redmonder lediglich auf jenen Zug auf, den die IT-Konzerne vor einigen Jahren Hand in Hand mit dem Aufgehen des Erfolgsmodells Google ins Rollen gebracht hatten. Offenheit gegenüber den Mitarbeitern, den Partnern, dem Markt, den Anlegern und in kontrolliertem Maße auch gegenüber den Medien. Der Leitspruch des Suchmaschinengiganten - "Don't be evil" - wurde gar zum Motto einer gesamten Start-up-Generation.

Gegen den Strom

Nicht so der kalifornische Computer- und Unterhaltungselektronik-Hersteller Apple. Apples Produkte strotzen nur so vor proprietären Schnittstellen, die Firmenstruktur ist streng hierarchisch und die Verschwiegenheitspolitik nimmt schon paranoide Ausmaße an, munkelt man unter der Hand. Dennoch schwimmt der Konzern gegen die Gesetze der Zeit auf der höchsten Erfolgswelle seit der Unternehmensgründung. Wenig überraschend, wie eine Analyse des Wired Magazines es auf den Punkt bringt.

Tyrann und Erleuchter

Als 1997 Mitbegründer Steve Jobs das Ruder wieder an sich zog und erneut Geschäftsführer Apples wurde, hielt er sich nur an sein eigenes Erfolgsrezept. Die Hierarchie wurde steiler als flacher, mit Charme und Schelte formte er seine per Hand selektierten Angestellten, um seine Visionen umzusetzen.

Ehemalige Mitarbeiter berichten in gleichem Maße vom Visionär Jobs, wie vom Tyrannen. Auch enge Vertraute seien von seinem harschen Umgangston nicht gefeit. Doch "hat er die Fähigkeit, das Beste aus den Menschen herauszuholen", erinnert sich Cordell Ratzlaff, der 18 Monate mit Jobs am Mac OS X-Interface gearbeitet hatte, im Gespräch mit Wired. Die Mitarbeiter würden mit eifer daran arbeiten seine Anerkennung zu verdienen. Dafür fühle man sich dann bei der Entwicklung eines Stromsteckers wie bei der Erfüllung einer Gott gesandten Mission.

Absolute Kontrolle

Von flachen Hierarchien, wie sie am Campus eines "Web 2.0-Konzerns" vorherrschen, hält Jobs nichts. Geführt wird nur von wenigen, wie in der Fabrik eines Großindustriellen. Ebenso genau nimmt man es mit der Bewahrung der Betriebsgeheimnisse. Beispielsweise arbeiten Software- und Hardware-Entwickler in getrennten Gebäuden. Der einfache Angestellte sieht das fertige Produkt erst, wenn es der Öffentlichkeit präsentiert wird. "Wir haben Zellen wie eine Terror-Organisation", sagte Jon Rubinstein, ehemaliger Leiter der iPod-Abteilung, einst in einem Interview mit der BusinessWeek. Die Verschwiegenheitpflicht sei so strikt, dass selbst Jobs eines Tages, als er einen Prototypen der iPod Boom Box mit nachhause nahm, ihn vor seiner Familie versteckte.

Klagen statt umarmen

Eine Strategie, die in permanenten Spekulationen der Presse und ständigen Medienberichten aufgeht. Wie der Harvard Wirtschaftsprofessor David Yoffie berechnete, zog die iPhone-Einführung Schlagzeilen im Wert von 400 Million Dollar Werbebudget nach sich.

Doch anstatt die Insider-Blogs für das Ankurbeln der Werbetrommel zu umarmen, führt man einen erbitterten Krieg gegen die Gerüchteköche. Zuletzt musste Think Secret seinen Betrieb einstellen, man hatte sich nach permanenten Drohungen außergerichtlich geeinigt.

Produkte eines Kontrollfreaks

Dabei schnürt sich Jobs Strategie wie ein Korsett um Apples Produkte. Sie sind nach außen hin schön designt, geprägt von klaren Linien, logisch zu bedienen und gut verschlossen. Das Mac-Ökosystem mag das Wesen des Konzerns widerspiegeln: Alles hat seine Ordnung, für Außenstehende bleiben die Türen versperrt. Will man die über iTunes erworbene Musik unterwegs anhören, braucht man einen iPod. Will man Mac OS X nutzen, braucht man einen Apple-Computer. Und will man die Videos auf seinem iPod am Fernseher anschauen, braucht man einen optional von Apple erhältlichen Adapter für knapp 50 US-Dollar.

"Friss oder stirb"

Der Konsument hat bei Apple keine Wahl. "Friss oder stirb", heißt das Prinzip, aber wie kein anderer versteht man es die Kunden aus der Hand fressen zu lassen. Produkte werden jahrelang totgeschwiegen oder deren Entwicklung geleugnet, Einflüsse und Innovationen anderer Hersteller öffentlich ausgeblendet. Die Anhängerschar wird sowieso alles glauben, was in "Mac" geschrieben wurde, so die Devise. Bestes Beispiel: Als der Umstieg auf x86-Prozessoren empfohlen wurde und sowohl Apples Spitze, als auch die Fangemeinde diesen Schritt als "absurd" zurückwies. Wenige Monate später war es soweit - der schnellste Mac aller Zeiten wurde präsentiert, auf "PC-Basis".

Gefährliches Spiel

Auf Kundenwünsche wird nur selten gehört. Produkte werden nach eigenem Gutdünken kreiert. Kein ungefährliches Spiel, wie Wired anmerkt. Die Erwartungen der Kunden müssten so ständig übertroffen werden, um nicht zu enttäuschen. Beispielsweise zeigten sich auch die größten Fans des Konzerns ernüchtert, als vergangenen Jänner bei der alljährlichen Mac World "nur" ein schlankes Notebook (MacBook Air) präsentiert wurde. Prompt spiegelte der Aktienkurs die Enttäuschung wider.

2007 zog Apple auch die Kritik der sonst so euphorischen Fanbasis auf sich, als man zunächst ankündigte das "bahnbrechende" iPhone nur mit speziellen Tarifen ausgewählter Mobilfunkkonzerne zu vertreiben. Als dann auch noch ein Update nachgereicht wurde, dass entsperrte Telefone unbrauchbar machte, nahm sogar der Apple-affine Branchen-Blog Gizmodo vorübergehend seine Empfehlung fürs iPhone zurück.

Goldenes Patent

Doch während sich andere Traditionskonzerne wie Microsoft und Dell sich langsam öffnen, Initiativen für Kundenwünsche starten oder sich gar der Open-Source-Welt nähern, folgt Apple stur seinem Masterplan. Alles wird aus eigener Hand, nur den eigenen Vorstellungen nach gebaut. Mitbewerber werden nicht ausgestochen sondern von vornherein ausgeschlossen. Apple ist das genaue Gegenteil vom modernen Open-Source-Gedanken. So rein gar nicht "don't be evil". Der Marktplatz wird nur für sich selbst gepflastert.

Unterm Strich, mit großem Erfolg. Denn zurzeit scheint kein anderer Konzern so genau zu wissen, was Konsumenten künftig kaufen wollen. (zw)

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gut gelernt oder ...

tja, ich würde meinen apple hat einfach gut gelernt. einstmals guter freund microsoft macht es nicht anders. immerhin stehen/standen die wegen diverser vergehen sogar vor dem kartellgesetzt und sind schon mehrmals verurteilt worden. warum soll es apple anders machen? schließlich finde ich sollte man so realistisch sein zu erkennen, daß apple nicht das rote kreuz ist und auch nur geschäfte machen will

appel ist nicht BÖSE - LOL

Alle die sich als APPEL FEAKS bezeichnen sollten sich mal diesen Film ansehen - "Pirates of sillicon valley" in Deutsch "Die Sillicon Valley Story" einfach mal bei .google. suchen.

Appel ist nicht so lieb und net, und auch wenn der Film übertrieben wirkt, basiert er auf der realen Story von Appel und MS.

Es sollte ja bekannt sein was Appel mit Xerox gemacht hat oder? Ich sag nur Lisa ;)

Just evil, today.

apple ist mittelmass

herzig, wie sich die ganzen apple boys gleich wieder bemüssigt fühlen den steve zu verteidigen... apple hat eine kleine nische (weitestgehend alles was mit creative design zu tun hat) und aus der werden sie mit der momentanen philosophie nicht rauskommen. kein CIO der welt wird sich im grossen stil auf diese spekulativen produktzyklen einlassen. den consumer bereich deckt apple mittlerweile wirklich gut ab. aber auch hier gilt: das zielpublikum sind eher leute die ein modemagazin lesen, denn leute die ein technik-magazin lesen....

Ganz Ihrer Meinung. Aber: grundsätzlich ist es ein gutes Zeichen, wenn es Rechner gibt, mit denen auch Leute klar kommen die Modemagazine lesen.

Technische Frage an ...

... die Apple-Experten hier im Forum:
Gibt es ein (Konverter)Programm, um von OS X 9 auf Leopard umzustellen, so dass alle Programme weiterfunktionieren und alle Dateien weitererkannt/bearbeitet werden können? Ein Kunde von mir würde sowas benötigen ...

mM

dass alle programme weiterfunktionieren? wird sicher schwierig, weil es keine unterstützung der classic-umgebung mehr gibt..

Die User würde ich neu anlegen und deren Daten mittels externer Festplatte ex- und anschließend importieren. Ich weiß leider nicht, ob sich OS 9 in dieser Hinsicht so einfach nach 10.5 migrieren lässt. Classic-Programme laufen grundsätzlich nicht mehr unter Leopard, hier muss man sich mit einem Emulator behelfen:

http://www.maccompanion.com/macc/arch... oHoyle.htm

Grundsätzlich interessant:

http://www.index-site.com/upgradefaq.html

der gute Artikelauthor hat nicht so die Ahnung von Unternehmensstrukturen.

- dass man Mitbewerbern nicht hilft, zeichnet Unternehmen aus, die es nach 10 Jahren auch noch gibt

- das man im Unternehmen nicht einen auf Woodstock macht detto

- die Geheimhaltung ist eine Marketingstrategie, bei der der Standard auch regelmäßig brav mitspielt, wenn wieder mal 'Gerüchte' besprochen werden.

- Dass Apple einen Masterplan hat unterscheidet es wohltuend von Windows VISTA

- Dass sich MS der open-source Welt naehert hat der Author anscheinend in der letzten MS presseaussendung gelesen, das ist herzig. MacOSX basiert auf Unix, da ist die ganze basis open-source, und es gibt haufenweise opensource programme.

usw

microsoft hat sicher auch einen masterplan für vista (nur vom ziel recht weit entfernt).

wir haben Zellen wie eine Terrororganisation...

alleine für den Spruch gehört Apple boykottiert

@frost

Möchte nicht wissen, wie viele Firmen man dann Boykottieren müsste :-)

Zwei Anmkerungen

1.)
"Apple hört nicht auf die Kunden". Dazu gibt es ein Zitat von Henry Ford: Hätte ich meine Kunden gefragt was sie wollen, sie hätten gesagt eine schnellere Pferdekutsche.

2.)
Zum Thema Geheimhaltung: Was ist den Kunden wohl lieber?

a.)
Über ein Produkt wird jahrelang geschrieben, gerätselt. Jeder weiß schon irgendwie fast genau wie es aussieht. Wenn es endlich da ist, sind alle maßlos enttäuscht und man beginnt über den Nachfolger zu schreiben und auf diesen zu hoffen.
So war es bei Vista.
b.)
Über ein Produkt wir geschwiegen bis es fertig ist. Dann wird es vorgestellt und kurze Zeit später ist es im Laden.
So ist es bei Apple.

Die Journalisten lieben Variante a. Sie sichert ihnen ihren Job.
Ich als Kunde will Variante b

Variante a oder b: ich bin bei teuren Investitionen gerne vorab informiert ob da nicht noch was kommt was meinen Erfordernissen eher entspricht und auf das es sich zu warten lohnt (heißt nicht dass man ewig warten sollte oder wollte).

punkt 1) ist ein gutes zitat. wenn erfinder und innovatoren nicht manchmal ihren willen durchsetzen würden...

zu 1.: Ein Auto ist nicht mehr als eine bessere Pferdekutsche..

zu 2.: Ja mir haben auch die ewigen iPhone Posts gestört, welches ein Jahr vor den Österreich-Release schon beworben wurde...

Ob jemand in Geheimhaltung arbeitet oder nicht ist nicht unbedingt erfolgentscheidend, obwohl es einem so vorkommt.
Bsp.: Ein Prudukt wird jahrelang vor dem Release beworben, doch die Konkurenz schaft es mit den veröffentlichten Daten früher eine alternative zu schaffen. Folglich ist der Erfolg geringer weil schon die ersten (schlechteren) Alternativen am Markt sind.

Und im Falle des EeePCs sieht man wie erfolgreich man sein kann mit einer Community die gratis Werbung betreibt, weil sie bereits vor dem Release vom Produkt wissen.

Mfg

was lese ich da
Cyber-Angriffe auf Pro-Tibet-Gruppen
„...Da die meisten Mitglieder der Gruppe jedoch auf Apple- und Open-Source-Computer arbeiteten, hätten die Viren keinen größeren Schaden anrichten können.”
apple hin oder her, es ist bisssl sicherer als windows.

Normalerweise schliesst man solche Dinge nicht aus einem einzelnen Satz, sondert versucht mehere faktoren einzubeziehen.... Seit Jahrzehnten das gleiche Gebrabbel. Einen Virus schreiben bedeutet Arbeit; was würden Sie tun? Effizienterweise einen schreiben, der auf 9 Computern läuft, oder einen, der nur auf einem läuft?
Aber ich schliess jetzt mal, ähnlich wie Sie das getan haben, aus Ihrem Satz, dass Sie wahrscheinlich einen Computer nicht von einer Mikrowelle unterscheiden können.

Dass diverse Geheimdienste bereits ausprobieren, wie man Feinden im Internet schaden kann, gilt als bekannt - oder?

beide haben das gleiche ziel: GEWINNMAXIMIERUNG

glaubt ihr nicht, dass es denen komplett wurscht ist ob das nun gut oder böse ist, richtig oder falsch ist?

nix da! ich will meine tägliche iphone meldung ...

findige studenten haben eine software geschrieben, die ermöglicht, das iphone als untersetzer zu verwenden ... dabei wird neben rezepten für mixgetränke, angezeigt, ob ein glas auf dem iphone steht oder nicht :)

damit ist die Garantie allerdings futsch!

"böse" sein alleine...

...wird den erfolg wohl nicht ausmachen. sind schon auch gute böse dinge dabei.

ich versteh auch nicht ganz warum apple oft als der gute gegenspieler von MS gesehen wird. apple hat innovative, gut durchdachte produkte, und da hört es sich auch schon bald auf mit dem "gut" sein.

Aber das find ich auch nicht weiter schlimm, so lange die produkte passen ist mir das apple interne betriebsklima relativ egal. gezwungen wird man zu einem apple sowieso nicht. ein mac kann nichts mehr (eher weniger) als ein PC, nur dass er das schöner und angenehmer kann.

All zu falsch kann die firmenstruktur auch nicht sein bei dem erfolg den die firma hat. und man sollte sich auch fragen wie viele der web 2.0 spasskultur firmen wirklich erfolgreich sind, und wie viele vielleicht gerade an dieser zu grunde gehen.

und wieder

wurde ganz unterschwellig "web 2.0" in den artikel miteingebunden... das passiert schon in fast jeden artikel... wann hoert das endlich auf? empfehle: http://ars.userfriendly.org/cartoons/... de=classic

wenn web 3.0 kommt.

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