Diesel bald an "20-Schilling-Grenze"

20. April 2008, 20:11
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Diesel wird laut ÖAMTC nachhaltig teurer als Benzin, die kritisierte Mineralölindustrie kontert mit der hohen Nachfrage

Wien - "Bisher war Diesel nur an vereinzelten Tankstellen wirklich teurer als Benzin", berichtet der ÖAMTC am Mittwoch, mittlerweile liege der Mittelwert erstmals über dem Benzinpreis (siehe Grafik). Der Autofahrerklub kritisiert dabei, dass "ein großer Teil der Preiserhöhungen hausgemacht" sei. "Die internationale Entwicklung ist nur eine Stufe der Preisleiter. Für den Rest ist die heimische Mineralölwirtschaft verantwortlich", sagt Expertin Elisabeth Brugger-Brandau.

Am 17. März 2008, ,einen Tag vor dem Geburtstag Rudolf Diesels, war Dieselsprit im Durchschnitt erstmals teurer als Benzin - siehe nebenstehende Grafik. In den beiden Folgetagen drehte es sich wieder um eine Marginalie. Fakt ist aber: Die noch vor Jahren für unmöglich gehaltene "20-Schilling-Grenze" (1,45 Euro) für einen Liter Sprit ist bald erreicht.

Nachgefragter als Benzin

Die Mineralölsteuer bei Diesel beträgt nach seit einer Erhöhung um fünf Cent Mitte des Vorjahres 34,7 Cent pro Liter, bei Benzin sind es 44,7 Cent pro Liter (plus drei Cent). "Mitteldestillate wie Diesel" würden auf den Produktenbörsen derzeit mehr nachgefragt als Benzin, erklärt Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbands der Mineralölindustrie, den Auftrieb bei Dieselpreis. Die Mineralölwirtschaft habe nur wenig Gestaltungsspielraum bei den Preisen, wird argumentiert.

Attraktiv für Tanktouristen

Trotz allem dürfte Österreich nach wie vor ein attraktives Land für "Tanktouristen" sein. Denn für die "Massen an Deutschen" haben grenznahe Standorte wieder einen Tankwart eingeführt, berichtet der Geschäftsführer des österreichischen Fachverbandes für Garagen und Tankstellen, Alexander Piekniczek. Tankstellen an der deutsch-österreichischen Grenze machten im Vergleich zum österreichischen Durchschnitt bis zu zehnfachen Umsatz.

Das Diesel-Hoch nutzte am Mittwoch wieder einmal der Gasverkäufer Wien-Energie dazu, um auf die Alternative Erdgas-Auto hinzuweisen. "Autofahrer sparen bei Erdgas pro 100 Kilometer im Schnitt 4,57 Euro gegenüber Benzin und 3,25 Euro gegenüber Diesel", sagt Geschäftsführer Robert Grüneis. Der Ausbau des Netzes geht allerdings nur schleppend voran. In Wien gibt es zwölf Erdgastankstellen, Wien-Energie verspricht bis Jahresende vier mehr. Österreichweit existieren lediglich 105 Standorte. (szem, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.3.2008)

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