Scheißwetter, historisch betrachtet

"Und, wie wird das Wetter? Prost!" - Der Albtraum eines jeden Apokalyptikers ist eingetreten: Der Klimawandel ist zum Partygespräch geworden

Seitdem der Klimawandel als Gesprächsstoff auch das Partywesen erreicht hat, dümpelt das Thema nun im undefinierbaren Bereich zwischen der Feder mahnender Wissenschaftjournalisten und dem beiläufig kosumierten Unterhaltungsprogramm dahin. Und das schlimmste daran: Niemand regt sich mehr wirklich darüber auf. Ein umso willkommenerer Kontrapunkt hierzu ist Wolfgang Behringers Buch Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung.

Wir sprechen alle vom Wetter, jeden Tag wenn wir auf die Straße gehen und uns wieder mal "dieses Sauwetter" ins Gesicht peitscht, oder diese "Affenhitze" vom Himmel brennt. Noch viel lieber sprechen wir aber darüber, mit welchen natürlich "selbst verursachten" Kapriolen uns das Wetter in Zukunft noch strafen wird. In die Vergangenheit blicken dabei aber die wenigsten: Was wissen wir über Klimaschwankungen vor 500 oder gar 5000 Jahren? Wie hat das Wetter unsere Geschichte beeinflusst? Und wie beeinflussen wir nun eben die Geschichte des Wetters?

Wetter, Kultur, Geschichte

Wolfgang Behringer führt den Leser mit seinem Buch Kulturgeschichte des Klimas in die historische Forschung zur Klimaentwicklung ein und zeigt auf, was heute als gesichertes Wissen gilt, welche Schwankungen es immer schon gab und wie diese Abweichungen von der Kilma-Norm den Menschen in seinem Fortkommen beeinflusst haben.

Der Autor zeichnet dabei ein ganzheitliches Bild und illustriert die Geschichte des Klimas mit plausiblen Erklärungen und Beispielen: So streift er etwa den so genannten "Großen Hunger" im Europa der Jahre zwischen 1315 und 1322, der auf das Bevölkerungswachstum während der hochmittelalterlichen Warmzeit zurückgeführt wird; oder er betitelt den Höhepunkt der Hexenverfolgung als "Verbrechen der Kleinen Eiszeit" (Ende 16./Anfang 17. Jhdt.) - Eine Zeit, in der diese Personengruppe unmittelbar für das Wetter und die in der Folge unfruchtbaren Felder, Kinderlosigkeit und Krankheiten verantwortlich gemacht wurde.

Zum einen Teil bietet das Buch naturwissenschaftliches Grundwissen: Es werden histrorische Quellen zur Klimageschichte vorgestellt und die Ursachen dessen, was wir heute unter Klimawandel verstehen, hinterfragt. Zum anderen - interessanteren - Teil verbindet der Autor und Professor für Geschichte diese naturwissenschaftlichen Grundlagen mit der kulturellen Entfaltung des Menschen und der gegenseitigen Beeinflussung von Wetter und Menschn: Ein Stück lesbarer Geschichte mit Blick nach vorne, wie sie sein soll. (fair)

Wolfgang Behringer, "Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung", 352 Seiten, Beck (2008)

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