Die Welt sucht wieder Gold

11. April 2008, 21:36
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Niedrige Realzinsen in Emerging Markets lassen Sparer gelbes Edelmetall horten

Frankfurt/Wien - Die anhaltende Unsicherheit an den weltweiten Finanzmärkten treibt die Anleger in den "sicheren Hafen" Gold. Die Feinunze (31,1 Gramm) kostete in der Vorwoche erstmalig mehr als 1000 Dollar (etwa 642 Euro). Ein Ende der Rekordjagd ist nicht abzusehen.

Die Sorge vor einem Abrutschen der US-Konjunktur und die Erwartung weiterhin sinkender Zinsen leiten immense Kapitalströme aus den Aktienmärkten an den Goldmarkt. "Mit der Unsicherheit an den Finanzmärkten stehen Rohstoffe wie Gold bei den Anlegern hoch im Kurs", sagt Dora Borbely von der DekaBank. Der Goldpreis wird auch vom Kursverfall des Dollar getrieben. "All das führt mittlerweile zu einem Rekordoptimismus der Spekulanten", sagte Borbely. Es sei eben eine "Kombination aus verschiedenen Faktoren, die einen fruchtbaren Boden für den hohen Goldpreis bildet".

Vor allem große Fondsgesellschaften nutzten die Rohstoffmärkte als eine alternative und zudem sehr lukrative Anlagemöglichkeit, sagte der Rohstoffexperte Jan Lambregts von der niederländischen Rabobank.

Einen weiteren Aufwärtstrend sieht auch Alfred Grusch, Fondsmanager des Aktienfonds "Gold Stock" der Bank-Austria-Fondsgesellschaft Pioneer Investments Austria. Als wesentlichen Faktor nennt er die zuletzt stark gefallene Realverzinsung in vielen Volkswirtschaften. Wenn, bedingt durch steigende Inflation und fallende Sparzinsen, der Realzins nahe null fällt, bekommt Gold eine wichtige Funktion zur Wertsicherung, erklärt Grusch. Davon betroffen seien etwa die USA, aber auch Emerging Markets wie etwa China. Angesichts der Sparquote von rund 40 Prozent in China bei gleichzeitig negativer Realverzinsung dürften viele Chinesen die Liberalisierung nützen, um stärker in Gold zu investieren. Bereits ein Investment von einem Promille dieser Sparquote in Gold würde sich im Ausmaß von fünfzig bis hundert Tonnen Gold niederschlagen.

Die Rekordjagd zeigt Auswirkungen auf die Nachfrage. "Ende 2007 war wegen der hohen Preise weltweit ein deutlicher Rückgang bei der Goldnachfrage zu beobachten", sagte DekaBank-Expertin Borbely. Aus Indien, einem wichtigen Schmuckproduzenten, wird beispielsweise ein massiver Einbruch der Bestellungen gemeldet. Im Jänner und Februar seien nur 16 Tonnen Gold nach Indien geliefert worden, im gleichen Zeitraum des Vorjahres habe Indien dagegen noch 112 Tonnen Gold importiert. (Reuters, APA, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.3.2008)

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