"Der Knochenmann": Ein Detektiv, kein Durchblick: Die Härte!

8. April 2008, 13:42
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Das Warten auf einen neuen Brenner-Krimi mit Josef Hader hat im Herbst ein Ende. Die Dreharbeiten zu Wolf Haas’ Bestseller "Der Knochenmann" wurden abgeschlossen

Passend zum harten Titel dürfte es die bis dato am wenigsten heitere Haas-Verfilmung werden.

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Wien – Nicht immer, wenn ein Detektiv am Schauplatz eines oder mehrerer Verbrechen zugegen ist, heißt das auch, dass da so etwas wie ein Fall "gelöst" wird. Wenn der Detektiv zum Beispiel Brenner heißt, von Wolf Haas erfunden wurde und im Kino von Josef Hader gespielt wird – dann kann es schon vorkommen, dass er an einem sogenannten Tatort außen vor bleibt und nicht durchblickt, weil er mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Mit heftigem Verliebtsein zum Beispiel. Mit lustloser Abwicklung einer Autorückholung, weil man von irgendetwas leben muss. Oder einfach damit, allen irgendwie im Weg zu stehen und damit gewissermaßen ahnungslos Gewalttaten in Gang zu setzen, die es ohne einen Detektiv vor Ort gar nicht gegeben hätte.

Klingt das kompliziert? Vertrackt? Philosophisch? In jedem Fall ist es in aller Kürze der Plot von Der Knochenmann, der nach Komm, süßer Tod und Silentium mittlerweile dritten Wolf-Haas-Verfilmung. Wieder führt Wolfgang Murnberger Regie, wieder waren Josef Hader und Wolf Haas am Drehbuch beteiligt, wobei, so Murnberger: "Die Reihenfolge der Autorencredits ist schon interessant."

Hader überholt alle

Als da wäre: Bei Komm, süßer Tod: Haas, Murnberger, Hader. Bei Silentium: Murnberger, Hader, Haas. Und jetzt beim Knochenmann: Hader, Murnberger, Haas. Klingt das nicht ein wenig wie ein Überholmanöver in der Formel1? "Ja", sagt Wolfgang Murnberger, und – in Hinblick auf drei weitere Brenner-Verfilmungen, die noch ausstehen: "Als Nächstes folgt vielleicht Hader, Murnberger. Dann nur mehr: Hader. Und dann am Ende auch: Regie: Hader."

Das klingt jetzt fast wie ein Text von Wolf Haas. Aber dass aus solchen Haas-Texten und gegen jedes flotte Serienprinzip Filme in höchst unterschiedlichen Tonarten entstehen können, das zeichnet sich mit Der Knochenmann, gedreht in ländlichen Einschichten zwischen dem Burgenland, Steiermark und Niederösterreich, endgültig ab.

War Komm, süßer Tod noch eher ein rasanter Actionthriller rund um einen etwas verlangsamten Helden und Silentium ein Salzburger Sittenbild, so umschreibt man den Knochenmann wohl am besten als familiäres Kammerspiel, in dem – Schauplatz Grillhendlstation – die Dinge eher gemütlich in Gang kommen, um dann umso größere Abgründe aufzureißen. Dass dem geradezu archaisch ahnungslosen Detektiv ein adäquat tragischer Gegenspieler als zweite Hauptfigur gegenübertritt, das garantiert schon die Besetzung: Sepp Bierbichler konnte für den Part des Gastwirts Löschenkohl gewonnen werden.

Und dessen Geschichte ist für Josef Hader "eigentlich der Kern des Films: Da will einer sich aus Gewalt und Verbrechen heraushalten und begeht gerade aus dieser Haltung heraus die schlimmsten Morde. Und ich bzw. der Brenner steht irgendwann mit einem abgehackten Finger herum: Keine Ahnung, was da wie passiert ist."

Schluss mit lustig!

"Das ist der bisher am wenigsten komische Brenner-Film", sagt Murnberger. "Und er ist, weil man in der Enge einiger weniger kleinerer Räume viel genauer sein muss, auch der komplizierteste." Josef Hader wiederum sieht den Knochenmann in Anspielung auf einen Klassiker der US-Brüder Coen nicht ungern als "das Fargo der Serie". Auch dort zeitigen in winterlicher Stimmung kleine familiäre Unebenheiten durchaus drastische Gewaltexzesse.

der Standard konnte etwa bei einem Drehbesuch in einem Schlachthof in Leobersdorf bereits erahnen, was für frostige Szenarios das auf der Leinwand ergeben kann: Bierbichler ließ sich beim Hantieren mit einem Schlachtschussapparat leider nicht fotografieren. Hader hingegen stellte für den Standard-Fotografen immerhin eine Szene nach, in der er einen Eimer mit Hühnerresten eine Kellerstiege hinunterträgt. "Auf den ersten Blick keine sehr spektakuläre Szene, aber wichtig ..."

Neben Hader und Bierbichler umfasst die Besetzungsliste von Der Knochenmann noch Stars wie Birgit Minichmayr, Simon Schwarz oder Pia Hierzegger. Am Freitag endeten die Dreharbeiten, noch am Donnerstag verursachte man mit dem Dreh einiger Szenen auf dem Semmering einen veritablen Verkehrsstau. Im Oktober oder November soll der Film in die heimischen Kinos kommen. Erstmals musste der Regisseur übrigens zur Kino- eine TV-Version mitbedenken: "Wegen einiger weniger härterer Szenen mochte der ORF Komm, süßer Tod und Silentium nie im Hauptabendprogramm ausstrahlen. Das soll diesmal anders sein. Es ist manchmal aber ganz schön aufreibend, wenn man eine Szene jetzt quasi auch in entschärfter Form denken und drehen muss."

Und Wolf Haas? Der Schriftsteller ist diesmal besonders stolz auf seinen mittlerweile obligaten Cameo-Auftritt. Wie einstmals Alfred Hitchcock ist er ja in jedem Brennerfilm in einer kleinen oder kleinsten Nebenrolle zu sehen, einmal als Rettungsfahrer und zuletzt in Silentium als Priester. "Diesmal", so Haas, ",spiele‘ ich einen Arzt, und zwar bin ich als Verfasser eines medizinisch-chirurgischen Standardwerks zum Thema Geschlechtsumwandlungen auf dem Cover desselben abgebildet. Das Buch ist übrigens wirklich die Härte ..." (Claus Philipp, DER STANDARD/Printausgabe, 14/15.02.2008)

  • Josef Hader als Simon Brenner: Eine Szene aus "Der Knochenmann", nachgestellt für den Standard-Fotografen.
    foto: christian fischer

    Josef Hader als Simon Brenner: Eine Szene aus "Der Knochenmann", nachgestellt für den Standard-Fotografen.

  • Dreh in einem Schlachthof in Leobersdorf: Wolfgang Murnberger (re.) erklärt die nächste Szene.	Foto: Fischer

    Dreh in einem Schlachthof in Leobersdorf: Wolfgang Murnberger (re.) erklärt die nächste Szene. Foto: Fischer

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