Zwischen Trentino und der Maremma

Redaktion, 14. März 2008, 11:00
  • Artikelbild
    foto: foradori

    Elisabetta Foradori übernahm das Weingut ihres Vaters vor 25 Jahren.

  • Artikelbild
    foto: foradori

    "Trentino ist etwas stur und durch die Berge beengt."

Elisabetta Foradori macht in beiden Gebieten unterschiedliche Weine, deren gemeinsamer Nenner die Eigenständigkeit der jeweiligen Stile ist

Wer außerhalb vom Trentino Teroldego sagen kann, sagt meist auch Elisabetta Foradori. Bereits Mitte der 80-er hat stieg sie als knapp 20-jährige ins Weingut ein, um sich der Sorte Teroldego anzunehmen, die damals als lokale Größe vor allem ruppige Weine mit enden wollendem Charme brachte. Für Foradori, die insgesamt 23 Hektar Rebflächen bewirtschaftet, symbolisiert Teroldego die Region Trentino in besonderem Maße: "Trentino ist etwas stur und durch die Berge beengt." Rebsorte wie Region sind nicht sehr bekannt und stünden zwischen zwei Kulturen. "Und Teroldego ist ein Schatz, dessen Potenzial noch nicht 100prozentig anerkannt ist", meinte Foradori kürzlich anlässlich einer Präsentation in Wien.

Foradoris Begeisterung für die Rebsorte ist mitreißend und auch berechtigt. Die Rebsorte ist zwar bis ins 15. Jahrhundert im Trentino zurückzuverfolgen und hatte in der Geschichte auch einen durchaus guten Ruf. Weine aus Teroldego wurden im Laufe ihrer Existenz sehr gerne nach Norden verkauft, speziell zu Zeiten, als Trentino noch Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie war. Die Region Campo Rotaliano erlebte damals eine Blütezeit, die sich durch prächtige Kellerbauten manifestiert, die nicht nur Wein-, sondern auch Architekturfans einiges zu bieten haben.

Elisabetta Foradori, die übrigens seit vier Jahren zertifiziert bio-dynamisch arbeitet, übernahm das Weingut ihres Vaters vor 25 Jahren und erkannte in den alten Weingärten und dem Klonmaterials, einiges Potenzial, da die Weingärten vor den 60er 70-er Jahren gepflanzt wurden, in denen vor allem auf Masse geklont wurde. Mitte der 80-er zur Hochblüte der internationalen Rebsorten gab es nur wenig Verständnis für eine regionale Sorte wie Teroldego. Das änderte sich gegen Ende der 90-er Jahre, als man nach den Jahren der "internationalen" Erfahrungen erkannte, dass regionale Sorten einfach besser an klimatische und bodentechnische Gegebenheiten angepasst sind und daher bei „moderner“ Behandlung (z.B. Ertragsreduktion) oft die besseren Ergebnisse bringen. Heute verfügt Foradori über eine ampelographische Kollektion für Qualitätsklone der Rebsorte, die auch anderen zugänglich ist.

Die Rebsorte schmeckt nach Zwetschken, Veilchen und Maulbeeren, mit deutlichem Tanningerüst und frischer Säure. "Sie ist eine Botschaft für Leute, die weinmäßig vielleicht intellektueller unterwegs sind", beschreibt es Foradori, die zwei Weine auf Teroldego-Basis produziert: "Foradori", derzeit aus dem Jahrgang 2005 am Markt, und "Granato", von dem derzeit 2004 aktuell ist. Foradoris 23 Hektar Weingärten verteilen sich auf 20 Parzellen. Die Trauben für den Granato sind die jeweils fünf besten Lagen eines Jahrgangs. Ausgebaut wird in kleinen Fässern, 2004 wanderten 20 Prozent in neues Holz, während "Foradori" (der Wein nicht die Winzerin) ausschließlich in gebrauchtem Barrique und großen Holzfässern vinifiziert wird.

"Forardori" 2005 ist höchst elegant, erinnert in der Aromatik an Veilchen, Zwetschken und Lakritze und ist mit gerade einmal als Stütze wahrnehmbarem Tannin und frischer, säuerlicher Fruchtigkeit ein äußerst trinkfreudiger, charaktervoller Wein. Dem Granato 2004 darf man ohne weiteres noch einige Jahre der Reife zugestehen, er ist sozusagen die konzentriertere, dichtere Variante und glänzt ebenfalls mit einer ausnehmend schönen Aromatik nach Zwetschken und Lakritze. Granato gibt es in den Jahrgängen, in denen es die Traubenqualität zulässt, 2005 zum Beispiel nicht.

Elisabetta Foradori ist seit kurzem auch in der Maremma zugange. Zuerst war die Idee, die Vorstellung von einem idealen Wein, die Foradori gemeinsam mit Freunden auf einer Berghütte gesponnen hat, ohne sich auf eine Region festzulegen. Sehr seidig und strukturiert sollte er sein und einen mediterranen Charakter mit kargen, steinigen Böden und der Vegetation transportieren. "Ich mache alpinen und mediterranen Wein", erklärt Foradori ihre Vorstellungen.

2002 wurden die drei in der Maremma in der Nähe der Orte Roccatederighi und Roccastrada fündig. In der Nähe dieser beiden Dörfer auf 600 Meter Höhe rund 30 Kilometer vom Meer entfernt, kauften sie ein Anwesen mit insgesamt 50 Hektar zum Meer abfallenden Weingärten mit sehr variantenreicher Vegetation, darunter Korkeichen und Olivenbäume, und je nach Höhenlage unterschiedlichsten Mikroklimaten, die viele "Spielmöglichkeiten" bieten (Exponierung, Temperaturwechsel, Höhenlagen). Gepflanzt wurde unter anderem ein Mix aus autochthonen und internationalen Sorten: Cabernet, Franc, Sangiovese als Hauptsorten, dazu Grenache, Carignano, Mouvèdre, Alicante und Marsellane, die in den wärmeren Teilen der Weingärten stehen.

Im Kepos 2006 sind die Trauben aus den nieder gelegenen Weingärten, die einen zugänglicheren, fruchtigeren Weincharakter ergeben sollen.. Im Ampelaia 2004, der sich derzeit noch ruppig-pubertär gibt und einem sozusagen mit Tannin ins Gesicht fährt, aber da bei gleichzeitig mit warmer Fruchtigkeit, die nicht gekocht oder marmeladig wirkt, und feinen Aromen nach dunklen Beeren und Weichseln (säuerlich) einiges an Entwicklungspotenzial verspricht.

Aus dem alten Keller, in dem derzeit noch gearbeitet wird, zieht man bald aus. Walter Angonese, jener Architekt, der auch Manincor in Kaltern gebaut hat, wurde engagiert, um ein neues Weingut zu planen. (Luzia Schrampf)

Foradori - Teroldego Rotaliano DOC
ab ca 14 €, Granato ab ca 38 €,
elisabettaforadori.com
z.B. bei Alpe Adria Weinhandlung am Hof
Am Hof 11, 1010 Wien
weinamhof.at
oder bei Rudolf Wagner, Gmunden
wagnerweb.at
oder bei Wein & Co
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Opodeldok
00
20.3.2008, 15:24
Zwischen Trentino und der Maremma

gibt es bessere Gegenden für Schlemma.

HankAr
20
17.3.2008, 19:02
Rotwein aus Italien ? Muss das wirklich sein ?

Weißwein ja, versteh ich (Friaul, Kampanien). Aber Rotwein ?? Da gibt es bessere Gegenden/besseres Preis-Leistungsverhältnis auf der Weinlandkarte

ali salod
00
14.8.2008, 18:17

da hast du wohl wenig Ahnung.

poldi schoenus
00
19.3.2008, 13:31
?? zum Beispiel,

speziell was das Preis/Leistungs verhaeltnis angeht

mikromalist
 
00
18.3.2008, 08:49
Es gibt keinen zweiten Barolo,

das weiss auch Herr Gusenbauer :=), Teroldego, Aglianico del Vulture, Montepulcano Abruzzo, Taurasi, Schiopetino,.... vom Typ her (nicht nur vom Namen). Bei den meisten Toskanaweinen, ein zwetschkig-kirschiger Chinati ausgenommen, gebe ich Ihnen recht.
Für einen "Monfortino", Giovanni Conterno, "Gran Bussia", Aldo Conterno,.. sinke ich hin (gar wenn aus 85 oder 90).

p.s. Bei Blindverkostungen hat "Masseto" schon manchen "Petrus" "ins Regal zurück" gestellt. Zugegeben, kosten beide eine Lawine.

jumpingjack flash
11
17.3.2008, 17:56

gestern im radio: a.heller - er isst gern einfach, braucht keine speisen die "an" etwas liegen wie etwa (entenflügerl "an" rabarbersauce), und er mag keine grüsse aus der küche, die schickt er zurück mit der bitte der koch möge sich auf das konzentrieren was er bestellt hat und nur das möglichst gut zubereiten. wie kommt einer dazu der keinen fisch will dass ihm die küche ungefragt einen grüss in form eines kleinen fischgerichtes schickt...... verständlch, nicht?

ali salod
00
14.8.2008, 18:18

unverständlich, a bissler höflichkeit wird im hohen alter vielleicht sogar der a.heller lernen

ubu roi
11
17.3.2008, 22:10

nein.

Opodeldok
01
17.3.2008, 19:14

Klingt fast zertifiziert bio-dynamisch geschrieben!

jumpingjack flash
10
17.3.2008, 11:18

eine farblose gegend das trentino.

Scully
00
19.3.2008, 22:09
farblos?!?

jetzt bin ich sprachlos...

mikromalist
 
00
17.3.2008, 13:21
Ich empfehle

1 Fl Quittenschnaps v. Pojer e Sandri (Faedo, oberhalb S Michele). Dann wirds farbig.

jumpingjack flash
00
17.3.2008, 14:16

hallooo, glaub dort war ich sogar schon einmal - ort mit aussicht? - in einem heurigen mit grössem raum aus hellem holz - an schnaps kann ich mich nicht erinnern.
aber an den am monte di mezzocorona (ai spiazzi) - dort bekamen wir immer eine riesenflasche schnaps auf den tisch gestellt - nicht die geizig kleinliche art wie in österr. gasthäusern wo die apothekerwaage bemüht wird.
in der riesebottle war feiner schnaps und grünzeug - ginepro (wacholder) - eine feine sache, nach so einem aufstieg durch die schlucht - vor dem abstieg empfiehlt sich eh nicht zuviel zu trinken - vielleicht deshalb die grosszügigkeit? :-)

mikromalist
 
00
17.3.2008, 14:28
Eben, und schon schillert

das kärglichste Fleckchen hundertfarbig...
(als Radfan ist Trento natürlich auch noch die Heimat v. Francesco Moser, mit seinem tollen Vielfarben-Radlladen)

jumpingjack flash
00
18.3.2008, 00:30

eben - wir werden uns de sw-fotos da oben bunttrinken! :-)

mikromalist
 
00
18.3.2008, 08:50
Ah jetzt verstehe ich,

Sie leben im "Flächenland" :=)

mikromalist
 
00
17.3.2008, 09:01
"Granato", einer der Topweine Italiens.

Etwas für Terroiristen.
Zwetschke war einmal Markenzeichen grosser Chianti, bevor die allgemeine toskanische Tafelweinverdickung alles überdeckte.

p.s. jumping, nicht alles was vom Baum/Strauch grässlich schmeckt, schmeckt schrecklich im Wein (Stachelbeere, Quitte,..)?!

jumpingjack flash
00
17.3.2008, 09:21

da kann ich nix sagen - die letzten stachelbeeren hab ich vor jahrzehnten gegessen, quitten noch nie - wenn die auch so sauer sind wie ribisl möcht ich keinen rotwein haben wo das drin ist. gibts eigentlich weinbeschreibungen wo sanddorn erwähnt ist (schon beim hören des wortes brennen mich die fingerspitzen)
wobei die aufschrift "schon mit zwei flaschen decken sie ihren tagesbedarf an vitamin C" hätt doch was beruhigendes.

mikromalist
 
00
17.3.2008, 13:14
Ihre Nase?

Nur zum Schnäpchen erschnüffeln? :=)
Noch nie einen friulanischen Tokaj mit Stachelbeergruch...? Riesling nach zarter Birnenquitte? (übrigens zur Quittenzeit, steht bei mir zu Hause immer ein Korb von diesen wunderbar riechenden Früchten. Ohne sie zu essen).

jumpingjack flash
00
17.3.2008, 14:09

nein, solche gerüche haben sich mir noch nie aufgedrängt - der ungarische tokaier lagert in irgendeinem keller - seit ewigen zeiten - dort riechts sicher modrig.
das mit den quitten ist eine gute idee (sollten die wirklich gut duften) - aber auch das nichtessen - die zähne werden es ihnen danken.

ubu roi
00
17.3.2008, 14:57

kochen hilft.

Florian Holzer
00
17.3.2008, 10:40

bei madeira durchaus denkbar (bitte NICHT bei aldi nachprüfen!).

jumpingjack flash
00
17.3.2008, 11:31

ah, gibts grad eine aktion? :-)

ich denk dass produkte im supermarkt nicht unbedingt schlecht sein müssen - tlw. sinds ja gleiche produzenten, manchmal sogar idente produkte wie bei den kleinen händlern.
ich habs noch immer nicht geschafft die discouterweine von hillinger mit den "echten" zu vergleichen. wissen sie mehr?

Florian Holzer
00
17.3.2008, 14:25

ja, durchaus denkbar dass der koch-madeira im diskonter der gleiche ist wie der koch-madeira beim kleinen einzelhändler. zum trinken ist weder der eine noch der andere gemacht.

jumpingjack flash
00
17.3.2008, 17:04

hm, mit madeira hab ich keine erfahrungen - der hoferport war für mich aber trinkbar - manchmal ists gut wen einem der vergleich fehlt.
ja und die "flt lake" weine von ebendort schmecken gut find ich - vielleicht finden sich hier ja noch ein paar waagemutige die sie auch kosten - sie sind schon zu verwöhnt :-)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.