Kampfansage an Billigflieger

9. April 2008, 11:56
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Aufgrund der hohen Treibstoffpreise erwartet AUA-Chef Ötsch 2008 ein "grimmiges Jahr" für die Luftfahrt

Wien - "2008 wird ein grimmiges Jahr und es wird verdammt schwer den Erfolg des Vorjahres zu wiederholen", prophezeite AUA-Chef Alfred Ötsch am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz. Der Kurs der AUA-Aktie sackte daraufhin am Nachmittag um 7,37 Prozent auf 5,28 Euro ab. 2007 hat die AUA erstmals seit vier Jahren wieder einen kleinen Gewinn von 3,3 Mio. Euro erzielt. Als Begründung für die schlechten Aussichten nannte Ötsch u.a. das "irrationale" Preisniveau durch die Low Cost Carrier in Wien und die hohen Kerosinpreise von derzeit über 1000 US-Dollar/Tonne.

Sollte der Kerosinpreis weiter auf dem Niveau verharren sei das für die AUA zwar nicht existenzbedrohend, aber es bedeute "eine Delle auf dem Weg nach oben". Die Treibstoffzuschläge könnten das bei weitem nicht kompensieren. Die Folgen: "Dann rüttelt es die ganze Branche und es wird in Wien weniger Airlines geben, aber wir werden weiter bleiben."

Keine Gewinnwarnung

Seine Aussagen wolle er zwar nicht als Gewinnwarnung sehen, aber "wenn auch 2009 eine Tonne Kerosion um die 1000 US-Dollar kostet, dann gibt es eine neue Situation und dann müssen wir überlegen, ob die für 2009 angepeilte Dividendenfähigkeit noch möglich ist".

Massiv bekämpfen will Ötsch Billig-Airlines in Wien, allen voran SkyEurope. "Die Quote der Low-Cost-Carrier in Wien ist eindeutig zu hoch, das müssen weniger werden", verlangt der AUA-Chef. Derzeit fliegen acht Billig-Airlines Wien an. Ihr Marktanteil liegt bei 18,7 Prozent. Ötsch rechnet damit, dass "nicht alle Mitbewerber das Jahr überleben werden". Und die AUA werde "alles dazu tun, dass es ihnen schlecht geht".

"Aufgabe eines Flughafens ist es, jeden Carrier im Rahmen des internationalen Wettbewerbs gut zu bedienen", erklärte daraufhin eine Sprecherin des Flughafen Wien.

Ötsch will mit höheren Frequenzen und Kapazitäten konkurrieren. "Auch ins kühle Stockholm wird es heiße Preise geben", kündigte er in Richtung Niki Lauda an, der Stockholm ab 29 Euro neu im Programm hat. Ein Kauf der SkyEurope sei kein Thema. "Die Geschäftsmodelle passen nicht zusammen, da kauft man sich nur Schulden."

Frisches Geld

Um den Einstieg von Scheich Mohamed Issa Al Jaber habe er, Ötsch, gekämpft. "Denn ohne die zusätzlichen Mittel Al Jabers" - der auch bei der Tiroler Skifirma Kneissl einen Enstieg überlegt- "hätten wir nur die bestehenden Märkte verteidigen, aber keine zusätzlichen erschließen können". Die 150 Mio. Euro sollen zum Erwerb dreier neuer Flieger, zur Stärkung des Eigenkapitals und zur Kapazitätserweiterung verwendet werden. So wird ab August Jeddah (viermal wöchentlich) und Riad (dreimal) wieder angeflogen.

Ein "emotionales Thema" ist für Ötsch sein Kampf gegen die OMV, wegen angeblich zu hoher Kerosinpreise für die AUA. Es sei "unglaublich was da passiert". Er sei gegen die Dominanz der Ölfirmen. "Das ist eine Machtstruktur, die sich da auftut. Ich sehe das Recht auf unserer Seite und ich hoffe, dass wir auch Recht bekommen." Wie berichtet ist eine Klage beim Kartellgericht anhängig, im Juni wird wieder verhandelt. (cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.3.2008)

  • Die AUA sei bereits jetzt im Kampf gegen die Billigflieger
erfolgreich: "Von den Wachstumsplänen ist bei SkyEurope keine Rede
mehr", stellt Alfred Ötsch fest.
    foto: standard/urban

    Die AUA sei bereits jetzt im Kampf gegen die Billigflieger erfolgreich: "Von den Wachstumsplänen ist bei SkyEurope keine Rede mehr", stellt Alfred Ötsch fest.

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