Wahl-Match am 8. Juni

16. April 2008, 10:14
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Aus Angst vor einer Terminkollision mit einer Neuwahl im Bund ziehen Tiroler ihre Landeswahl vor - Konkurrenz gibt es durch die EURO: Österreich spielt am Wahltag gegen Kroatien

Innsbruck – Wien ist weit weg, die Bundespolitik auch. Und das soll auch so bleiben. Der „Tiroler Weg“ wird fortgesetzt und zwar zeitlich unabhängig von einer möglichen vorverlegten Nationalratswahl.

Deshalb wollen ÖVP und SPÖ die Landtagswahl schon am 8. Juni. Sowohl Landeshauptmann Herwig van Staa als auch sein Stellvertreter Hannes Gschwentner betonen ihre erfolgreiche – freiwillige, da für die mit absoluter Mehrheit ausgestattete ÖVP nicht notwendige – Koalition.

Dabei ist sich der Sozialdemokrat Gschwentner bewusst, dass seine Stellung in der Landesregierung nach der Wahl ein Ende haben könnte – denn mit der Liste des AK-Präsidenten Fritz Dinkhauser kommt mit großer Sicherheit ein neuer Faktor in Landespolitik und Landtag. Eine Umfrage des Sora-Institutes im Februar hat für die Liste Dinkhauser 23 Prozent, für die ÖVP 37 Prozent errechnet. ÖVP-Herausforderer Dinkhauser besetze als Arbeitnehmervertreter klassische SPÖ-Themen und trete ja auch an, „um die ÖVP zu retten“, sagt Gschwentner.

Eine Koppelung mit der Liste Dinkhauser schließt Landeshauptmann van Staa derzeit aus. Er will wieder Landeshauptmann werden, obwohl das mit Dinkhauser „schwierig werde“. Sollte er das Wahlziel der Absoluten verfehlen, würde er die Verantwortung übernehmen. Die ÖVP hat bei der Landtagswahl 2003 49,9 Prozent der Stimmen erhalten. „Gespräche wird es nach der Wahl mit allen Parteien geben“, sagt van Staa. Eines ist dabei klar: „es wird meine Linie geben, jeder ist aber aufgefordert mitzugehen“. Neustarter Dinkhauser passt auch der vorverlegte Wahltermin. Bekanntester Name auf der Liste des Ex-Bobfahrers ist immer noch „der Dinkhauser“, aber Namen müssten ohnehin erst 37 Tage vor der Wahl präsentiert werden, sagt er. Und das werde er auch tun. Der Politologe Fritz Plasser sieht mit dem Antreten Dinkhausers keine Möglichkeit mehr für eine absolute Mehrheit für die ÖVP und van Staa. Damit hätte gleich auch die Tiroler FPÖ ihr erklärtes Wahlziel erreicht, die ÖVP-Mehrheit zu brechen. Das BZÖ kritisiert zwar den Wahltermin, ist aber zuversichtlich, in den Landtag zu kommen.

Grünen-Chef Georg Willi sagt, er habe für den 8. Juni genügend Konzepte. Für ihn sind ÖVP und SPÖ, obwohl geografisch weit weg, dennoch ferngesteuert aus Wien. (Verena Langegger, DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2008)

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    Bleiben einander nah – und einem möglichen Nationalratswahltermin im Herbst fern: Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP) und sein sozialdemokratischer Stellvertreter Hannes Gschwentner.

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