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"Ein neuer Gott auf Erden"

Redaktion, 31. März 2008, 07:31
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    Das Präsidentenehepaar bei Feierlichkeiten am Unabhängigkeitstag am 18. April 2006.

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    Mugabe bei einer Parteiveranstaltung für Kriegsveteranen im August 2007.

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    Präsident Robert Mugabe wähnt sich in Sicherheit. (Aufnahme vom 4. Juli 2005 während der Eröffnungsrede einer Tagung der Afrikanischen Union.)

Präsident und "Genosse Bob" Mugabe: Vom Helden des Befreiungskampfes zum Autokraten

28 Jahre nach der Unabhängigkeit ist von den Errungenschaften des einstigen Vorzeigelandes Simbabwe nicht mehr viel übrig: die Wirtschaft schrumpft schneller als in jedem anderen Staat der Welt und die Landwirtschaft ist am Boden. Es herrscht Hyperinflation, das Kapital und mit ihm die Fachkräfte ziehen ab.

* * * * *

Der deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker nannte ihn einen „klugen und besonnenen Politiker“. Doch das war 1988. Zwanzig Jahre später sind die Lobeshymnen auf Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe zumindest außerhalb Afrikas verstummt. Mittlerweile haben die USA und die EU gegen Mugabe und seine Parteikollegen wegen der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen Einreiseverbot und Sanktionen verhängt.

Besonders demokratisch hatte sich der Mann mit dem Zahnbürstenbart allerdings ohnehin nie verhalten. Bereits Anfang der 1980er Jahre ging er brutal gegen seine politischen Rivalen von der Zimbabwe African People’s Union (ZAPU) vor, indem er die von Nordkorea finanzierte fünfte Brigade ins Matabeleland im Süden des Landes einmarschieren ließ. Bilanz der Militäraktion: zwischen 10.000 und 20.000 Menschen, vorwiegend Zivilisten, wurden getötet, tausende verschleppt und gefoltert.

Eine vielversprechende Zukunft

Geboren wurde Robert Mugabe 1924 in Matibiri im Norden des Landes als Sohn eines Tagelöhners. Nach seiner Schulzeit in einer Jesuitenmission studierte er Rechtswissenschaften in Südafrika. In den 50er Jahren arbeitete er als Lehrer in Ghana, wo er sich mit den sozialistischen Lehren von Präsident Kwame Nkrumah beschäftigte. Nach Südrhodesien zurückgehrt, beteiligte er sich am Widerstand gegen die rassistische weiße Minderheitsregierung von Ian Smith. Zehn Jahre lang saß er deswegen im Gefängnis, wo er gefoltert und misshandelt wurde. Nach seiner Freilassung schloss er sich dem militanten Widerstand der ZANU (Zimbabwe African National Union) an, deren Vorsitzender er 1975 wurde. Nach den Unabhängigkeitsverhandlungen in Großbritannien und den darauf folgenden ersten Parlamentswahlen wurde er 1980 Simbabwes Premier.

Das Land, das Mugabe als 56-Jähriger übernommen hatte, war gut für einen neuen Start gerüstet: Bodenschätze, fruchtbares Land, gute Infrastruktur, gut ausgebildete Facharbeiter, eine florierende Wirtschaft, ein Mehrparteienparlament und eine unabhängige Justiz (jedoch nie eine freie Presse) wiesen auf eine vielversprechende Zukunft hin. Mugabe ließ die ländlichen Regionen mit Strom und Wasser versorgen, Straßen bauen und sorgte für kostenlose staatliche Gesundheitsfürsorge und Bildung. Anfang der 90er Jahre konnte das Land stolz auf eine Alphabetisierungsquote von 91 Prozent verweisen.

Umstrittene politische Entscheidungen

1991 wandte sich das Blatt. Neben den zahlreichen Dürrekatastrophen leitet das Strukturanpassungsprogramm von Weltbank und Währungsfonds die Wirtschaftskrise ein: Löhne wurden dereguliert, staatseigene Unternehmen privatisiert und ihre Beschäftigten entlassen, der Staatshaushalt abgespeckt, die kostenlose Krankenversorgung ebenso abgeschafft wie der kostenlose Schulbesuch. Der Abbau der Handelsbarrieren ruinierte die Gewerbebetriebe; zehntausende Facharbeiter wanderten nach Südafrika oder Großbritannien aus.

Hinzu kamen weitere umstrittene Entscheidungen aus den Reihen von Mugabes Regierung. Die Veteranen des Befreiungskampfes erhielten hohe Geldsummen als Entschädigungszahlungen, während die Bevölkerung zunehmend verarmte. Zudem trat Simbabwe in den Kongokrieg ein: 1998 bis 2003 entsandte Mugabe rund 11.000 Soldaten zur Unterstützung von Präsident Laurent Kabila. Ein Krieg, der Schätzungen zufolge eine Million US-Dollar pro Tag verschlang.

Die Landfrage - eine tickende Zeitbombe

Doch auch die Zeitbombe schlechthin, die Landfrage, tickt seit der Unabhängigkeit weiter. Mugabes Kampagnen zur Zwangsenteignung weißer Farmer boten offensichtlich keine Lösung: Tausende Landarbeiter sind seither arbeitslos, die ertragreichsten Latifundien haben sich treue Parteikollegen unter den Nagel gerissen.

Mit der stetig wachsenden Armut und Unzufriedenheit steigen auch Sicherheitsvorkehrungen und Überwachung. Um seine Macht zu stabilisieren, schuf Mugabe ein umfassendes System der Protektionswirtschaft, das schnell in eine weit verbreitete Korruption ausartete. Die ZANU-PF mutierte zu einer Partei, die alle Winkel des Landes und der Gesellschaft überwacht, sei es durch Armee, Polizei, Geheimdienst, oder auch durch Banken, staatliche Unternehmen und Verbände und die staatlich kontrollierten Medien. Die einst viel gepriesene unabhängige Justiz und die Bürgerrechte wurden Schritt für Schritt abgebaut. Dass Mugabe dabei auf die von Ian Smith eingeführten „Law and Order“- Gesetze zurückgriff, kann als bittere Ironie der Geschichte gesehen werden.

Terror der "Grünen Bomber"

Um seine Macht zu sichern, bedient sich Mugabe seit etwa 2000 auch einer "Reservearmee". Sie besteht aus selbsternannten Kriegsveteranen und Jugendmilizen, den „Green Bombers“, die in eigenen Militärcamps ausgebildet werden. Mit ihrem Terror gegen Regimegegner, Menschenrechtsaktivsten und gegen die Zivilbevölkerung sorgen sie für Einschüchterung und halten Widerstand klein.

Mittlerweile ist das Land am Boden. 75 Prozent der rund 13 Millionen EinwohnerInnen leben unter der Armutsgrenze, rund 80 Prozent sind arbeitslos. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren von 63 auf 34 Jahre bei Frauen und 37 Jahre bei Männern gesunken.

Eine ehemalige hochrangige Parteifunktionärin und heutige Kritikerin, Margaret Dongo beurteilt den Aufstieg des einst geschätzten Staatsmannes zum Autokraten durchaus selbstkritisch: "Wir sind selber schuld. Wir haben einen neuen Gott auf Erden geschaffen: Genosse Bob. Heute zählt nur noch eins für ihn: Macht, Macht, Macht." (Christa Hager/derStandard.at, 28.3.2008)

Kommentar posten
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DirtyHarry
11


Simbabwe: So wird die Zukunft Venezuelas aussehen..

pepitant
20
10.6.2008, 09:45
Die USA haben wegen Menschenrechtsverletzungen

Sanktionen verhängt.
Das ist derart genial, da werden Spezialisten wie der Timagoras oder der Horst Holger gleich auf alles hindreschen, was am Wert westlicher Sanktionspolitik Zweifel anmeldet und bei Drei nicht auf dem Baum ist.

Panter
22
!

Der Anfang vom Ende waren die neolieberalen Reformen und der Verlust des Idealismus.
Eigentlich war sein Weg nach dem Zusammenbruch des real existierenden "Sozialismus" einer von vielen und aus damaliger Sicht logisch.
"Danke" Gorbi...

Jens Holger
22

natürlich. Der potentielle Friedensnobelpreisträger Mugabe, welcher niemals in die Taschen des Staates greifen würde, welcher niemals Oppositionellen Gewalt antun könnte, ohne den Simbabwe noch viel schlimmer dastehen würde, weil das Land dem Neoliberalismus noch viel stärker ausgesetzt wäre....

Verbring einen Tag in Simbabwe, einen einzigen.... Simbabwe wurde von Mugabe zugrundegerichtet. Andere Länder, wie Ghana, auch von neoliberalen Reformen geprägt, blühen wirtschaftlich und politisch auf, Simbabwe wurde komplett ruiniert. Deine Erklärung?

emma goldman
22

in ghana blüht gar nichts.
3 prozent der einkünfte des wichtigsten exportguts gold bleiben im land.
97 bekommen die internat. shareholder.
simbabwe hat sich mit der internat.wertegeminschaft angelegt, auch wenn ein anderer typ als mugabe
die führung innehätte, wäre das ergebnis wahrscheinlich dasselbe.




Jens Holger
14
blüht gar nichts?

Seit einigen Jahren in Ghana Wirtschaftswachstumsraten von 6% und mehr, fast schon fernöstliche VErhältnisse. Das ist gar nichts? In welcher Welt leben Sie? Wir sind in Mitteleuropa zufrieden, wenn wir 2% Wachstum haben.
Zimbabwe hat zum Vergleich negative Wachstumsraten bei ähnlichen Rahmenbedingungen von -30% jährlich. Alles nur der böse Westen?
Diese absolut fixen Vorstellungen von Teilen der Linken, dass die Liberalisierung jeden anständigen afrikanischen Staatschef zum Bankrott zwingt, ähnelt von ihrer Reife her den Weltverschwörungstheorien der Nazis.

emma goldman
12

es blüht in manchen teilen des landes derart wunderbar, dass, weil Teile der Wasserversorgung privaten Investoren überlassen wurden deren Preise nicht wenige auf minderwertiges wasser ausweichen lässt, die Krankheit des Guineawurms wieder aufgetaucht ist, bauern die bisher gut vom land leben konnten, sind erstmals mit so schlechten erträgen konfrontiert, dass überlegt wird auszuwandern, und dies, weil der goldkonzern angl-ashanti weite gegenden immer mehr verseucht.- bei 3 prozent die im land bleiben. so sieht die Dynamik
des Liberalismus aus, die als Wachstum verbrämt wird.Die öffentlichen Schulen sind ab der siebten Klasse kostenpflichtig. Dank strukturanpassung an iwf kriterien steigt die analphabetenrate auf das niveau derachtziger.

gemeinsam
00
16.12.2008, 08:23
in sinbabwe

wurde die wasserversorgung eingestellt lese ich.

Slicky
00
29.3.2008, 16:41
Zugabe, Zugabe, Zugabe!!!

Mugabe!....nahh this came out sooooo wrong.....
gee! oh boy, shittt. goddamnit, godf* <whining>

Slicky
01
29.3.2008, 16:29
Afrikanische Union

Was wird da besprochen...wer mal wieder der korrupteste dieses Jahr am Kontient war?
Und wer den effizientesten Frühjahrsputz hinbekommen hat?
Und der Gewinner bekommt ein weisses, unscheinbares Kuvert unter dem Tisch zugesteckt?

wunderwuzzi25
02
29.3.2008, 15:00

kann nicht mal einer diesen idioten wegpusten. sein eigenes volk verhungert und hier gibts immer noch leute die ihn unterstützen? selbst hat er unmengen von geld nach london geschafft und in dollar angelegt, sein volk aber hat nichts. als sie seine konton eingefroren haben waren da angeblich mehrere milliarden dollar drauf. na dann werd ich auch revolutionsführer. für mich nur das beste für die andern nur die reste.

seapoint
134
29.3.2008, 13:00

Wahlbetrug ist für den Westen wenn Mugabe gewinnt.
Demokratisch faire Wahlen sind es wenn die Opposition gewinnt.
Der Westen erklärt die Demokratie wie es ihm gefällt.

Röher
01
Wahlbetrug ist für den Westen wenn Mugabe gewinnt

Massive Gewalt gegen Opposition zählt in Ihren Augen nichts. Soviel Heuchelei und Ignoranz ist kaum auszuhalten.

sysiphos
 
02
sie vergessen dabei etwas wichtiges:

nämlich das addieren von zwei und zwei. während es nämlich in manch anderen fällen möglicherweise ein gewisses recht zu ihrer behauptung gibt (serbien, ukraine), wonach wir jene für ehrlicher halten, die uns systemsympathischer sind, ist es hier in der tat völlig absurd anzunehmen, dass die bevölkerung eines landes, das durch eine korrupten langzeitführer völlig ruiniert wurde, große sehnsucht nach seinem verbleib an der macht hat. die natur des menschen drängt ihn nach hoffnung, nach veränderung aus der misere. daher ist es extrem naheliegend, dass eine überwältigende mehrheit gegen ihn stimmt und selbst eine knappe niederlage höchstwahrscheinlich schon ein unredlich geschöntes ergebnis ist.

Slicky
22
29.3.2008, 16:37
wenn sie ein problem mit unseren demokratie

vorstellungen und wertesystemen haben, dann gibts es jetzt ein exklusives Islamschnupperprogramm exktra für solch progressive personen wie Ihnen, courtesy of Armer-Diner-tschad.

Perfektionismus finden sie nur im Nachleben (Die Anzahl dabei ist abhängig von ihrem mentalen Zustand). Wahlweise können sie auch 72 Ahmadineschads haben (ich wäre jedenfalls vorsichtig vorab nein zu sagen, an Ihrer stelle. Sie wollen doch niemanden beleidigen....).

so go
10
29.3.2008, 20:28

Kein Pferd würde seine Scheuhklappen verteidigen oder für gut befinden...

im GGstz zu Ihnen.

xv22
00
29.3.2008, 14:16

Menschenrechte stehen eben über Demokratie, meiner Meinung nach zumindest.

peace & love
01
28.3.2008, 11:54
na, ihr lieben usa,

da wär ja ein echter kandidat für demokratie, die leute dort würden's euch danken !

Timagoras
 
00
28.3.2008, 12:26
"die leute dort würden's euch danken !"


Sie vor allem ;o)

ich möchte den (berechtigten) aufschrei nicht hören, den Sie tun würden, kämen die USA Ihrer aufforderung nach ...

peace & love
00
28.3.2008, 12:29
werde sie ...

... eh nicht tun, gibt ja kaum erdöl dort. aber der mugabe ist wirklich ein ekel der sonderklasse ...

Timagoras
 
00
28.3.2008, 21:03
"werde sie ... eh nicht tun, gibt ja kaum erdöl dort"


mhm ....

so wie in Serbien.... ;o)

Timagoras
 
00
28.3.2008, 18:27

letztere feststellung von Ihnen überrascht mich jetzt doch.

also bei dem hilft nichtmal mehr sein antiamerikanismus ... ;o)

apropos:
hätte mich ja gewundert, wenn zum thema Mugabe nicht was antiamerikanisches hier gekommen wäre.

einer Ihrer freunde hat's ja sogar geschafft, bei folgendem thema die schuld den USA zu geben:

http://derstandard.at/?id=3280749


peace & love
00
28.3.2008, 19:34
also, wenn Sie das als antiamerikanisch ...

... bezeichnen, gerne. was haben Sie eigentlich für diesen kriegerischen haufen neocons übrig ?

ps. die usa haben zimbabwe genmanipulierten mais zur verfügung gestellt. der ist zum glück vor der verteilung gemahlen worden, eigentlich wollten sie dort einen riesigen freiluftversuch starten ...

Kowosch
 
00

"die usa haben zimbabwe genmanipulierten mais zur verfügung gestellt."

Vielleicht auch einfach deshalb, weil in den USA inzwischen ein Großteil des Maisanbaus mit genmanipulierten Sorten betrieben wird?! Den "Freiluftversuch" (wie wirkt der beim Verzehr auf menschliche Organismen, wie beim Anbau auf das Ökosystem) haben die US-Amerikaner ja schon längst im eigenen Land laufen.

Nicht alles eignet sich für die große Verschwörungstheorie...

Und echt - momentan hat die Bevölkerung in Simbabwe gewiß andere "Gesundheitsgefahren" auszustehen!!!

Timagoras
 
02
28.3.2008, 19:49
"was haben Sie eigentlich für diesen kriegerischen haufen neocons übrig ? "


wen meinen Sie damit?

die us-regierung?
Sie sind doch derjenige, der immer den irakkrieg und Guantanamo verteidigt, oder nicht?
von mir haben's zumindest sowas noch nie gelesen.

oder meinen Sie einfach das land, seine landschaft, seine über 300 millionen einwohner (der unterschiedlichsten herkunft, hautfarbe, begabung etc.), seine kultur und seine geschichte?

dafür habe ich genauso viel übrig, wie für den Iran, für Israel, für Polen, Brasilien, Dänemark, Kuba, Pakistan, Frankreich, Deutschland, Bulgarien, Estland, Paraguay, Ungarn, die Schweiz, Venezuela, Schweden, Lettland, Tibet, Costa Rica oder Italien (liste beliebig erweiterbar).

Sie nicht?

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