"Habsburg zerstört seine Verdienste"

von Redaktion  |  11. März 2008, 21:08
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    Otto Habsburg im Parlament. Die Kritik auf seine Theorien zum "Anschluss" 1938 fiel verhältnismäßig verhalten aus.

Kritik von Politikern und Historikern an Otto Habsburgs absurden Theorien zum "Anschluss" 1938 fiel insgesamt verhalten aus

Wien - Die Kritik an Otto Habsburgs absurden Theorien zum "Anschluss" 1938 ("kein Staat war größeres Opfer als Österreich") fiel insgesamt verhalten aus. Aus der SPÖ wurden Stimmen aus der zweiten Reihe laut, die Dritte Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig forderte Vizekanzler Molterer auf, sich von Habsburg zu distanzieren.

In der ÖVP reagierte man ebenfalls zurückhaltend, wohl weil sich Wolfgang Schüssel gezwungen sah, Habsburg unmittelbar danach zu korrigieren ("Es gab auch hausgemachte Fehler, auch Österreicher waren Täter"). Michael Spindelegger, der zweite Nationalratspräsident, der vorher die Einladung Habsburgs ausdrücklich begrüßt hatte, sagte zur Kritik der grünen Dritten Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig: "Sie pickt sich einzelne Aussagen eines einzigen Referenten heraus und erwähnt nicht, dass es - neben den drei aktiven Politikern - insgesamt fünf Referenten gegeben hat." Mit Habsburg- oder Schuschnigg-Nostalgie habe das wirklich nichts zu tun (geladen war außerdem noch der Neffe des letzten Kanzlers vor dem Einmarsch, Schuschnigg).

Habsburg hatte in seinem vielbeklatschten Referat Österreich als reines Opfer dargestellt, die Mitverantwortung von Österreichern zurückgewiesen und die 250.000 jubelnden Nazis auf dem Heldenplatz mit den Besuchern eines Fußballmatches verglichen.

Unter Historikern und auch in der öffentlichen Debatte herrscht schon länger weitgehende Einigkeit, dass Österreich als Staat zwar Opfer einer Aggression wurde, aber sehr viele Österreicher auch schon vor und während des "Anschlusses" als Täter auftraten. Der Zeitgeschichtler Gerhard Botz (sein Standardwerk "Nationalsozialismus in Wien" wird soeben neu aufgelegt) sagt dazu: "Ich bedauere, dass Otto Habsburg durch diese absurde Neuauflage der Opferthese seine Verdienste zerstört - er hat immerhin 1938 mutig gegen den Anschluss protestiert."

Längst widerlegt

Die Opferthese sei längst widerlegt: "Es besteht wenig Unterschied zwischen Deutschland und Österreich in Bezug auf die Involvierung der Österreicher in den Nationalsozialismus. Der Staat ist nur bei Hegel ein Akteur der Weltgeschichte, in Wirklichkeit wird der Staat von Menschen getragen. Die Österreicher haben aus dem zugegeben geringen Spielraum, den sie hatten, nichts gemacht und deshalb ist der Staat dem Nazismus zum Opfer gefallen, obwohl sich viele gewehrt haben."

Der Historiker Stefan Karner, der die Gedenkveranstaltung mitgeplant hatte und auch im Publikum saß, wollte sich im Gespräch mit dem Standard nicht zu Habsburgs Thesen äußern. Teilnehmer der Veranstaltung berichten allerdings, dass sich Karner nachher kritisch geäußert habe ("historisch einfach nicht richtig") und nur mit Hinweis auf das hohe Alter Habsburgs öffentlich nichts Negatives sagen wolle. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2008)

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derPolizist  
20.03.2008 21:39
Ph Gudenus
14.03.2008 07:48
Marie-Antoinette, Königin von Frankreich, Erzherzogin von Oesterreich,

was hat diese nicht alles - lebenslang - einstecken Müssen, auch tot setzte man fort, sie als ein Miststück darzustellen. Heute kann man nicht genug Ausstellungen machen, M.A.-Antiquitäten sind bereits im Vohinein verkauft, Aufkäufer ist der französische Staat, eingesetzt hat das ganze unter dem Socialisten Mitterrand, der gerne in Versailles Hof hielt. Ein Investor in Habsburg verliert sein Geld NICHT. Man empfiehlt dritte Gemahlin Franz I., II; ihre Briefe im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien harren der Veröffentlichung. Sprachkenntnisse, etc fehlen aber.

Herbert Scherleithner
14.03.2008 12:01

Was hat das mit der Rede von Habsburg im Parlament zu tun ??

F. T.
13.03.2008 10:16
Der Wir-hatten-schon-immer-gewußt-wo-es-mit-Hitler-hingeht-und-alle-Österreicher-waren-böse-Gesellschaft sollte man folgende Fragen stellen: Wann soll die restliche Welt der Meinung gewesen sein...

...dass Österreich wirtschaftlich alleine besser bestehen könnte als gemeinsam mit Deutschland? Weiters: Gibt es gesicherte Quellen, dass die restliche Welt schon während des Aufstiegs(!) von Hitler und seiner Nazis darauf schloß, dass die Beschäftigungspolitik, der Autobahnbau und die Familienpolitik auf einen Weltkrieg ausgerichtet waren? Welche ausländischen Politiker und Medien haben während des Aufstiegs(!) der Nazis darauf hingewiesen? War es nicht im Gegenteil so, dass viele ausländische Politiker, Wirtschaftsgrößen und Medien der "Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik" der Nazis sogar Anerkennung und Bewunderung zollten? Z.B auch in den krisengeschüttelten USA?

saxophon  
14.03.2008 07:58

[...]auf einen Weltkrieg ausgerichtet waren[...]
Selbstverständlich. Jeder konnte es sehen.
Doch niemand wollte die (militärischen) Konsequenzen ziehen.
Durchaus vergleichbar mit der heutigen Situation im Iran. Schau mal wieviele Beschwichtiger es da gibt. Und wie energisch die Versuche sind jene die das Regime aufhalten wollen als wahre Aggressoren darzustellen. Da hat sich wenig geändert.
Stattdessen singt man krampfhaft das Mantra "so schlimm wird es schon nicht werden"
Bezeichnend auch das kein einziger hauptberuflicher Antifa vor der Botschaft des Irans gegen bestimmte Aussagen demonstriert hat. Jetzt wo es daraum geht einen zweiten Holocaust zu verhindern versagen sie völlig. War auch absehbar.

F. T.
14.03.2008 08:14
Wenn es alle gewußt haben, dürfte es für Sie sowieso kein Problem sein...

...nationale und internationale Politiker und Medien zu zitieren, die vor 1938 zumindest dieses "Wissen" auch mitteilten.

Mein anderer Nick ist beeindruckender
13.03.2008 15:18
Selbstverständlich wurde das Hitler-Regime

bis nach 1940 von verschiedenen Kräften im Ausland begrüßt und auch unterstüzt. Und, ja, natürlich waren auch Kräfte in den USA auf Seiten Hitlers. Die öffentliche Meinung begann sich dort erst ab 39 langsam umzudrehen. Das hat aber nichts mit der Zustimmung großer Teile der österr. Bevölkerung zum Anschluß zu tun. Die Menschen waren ausgehungert, verunsichert und es herrschte Arbeitslosigkeit. Seit Jahren wurden Anschläge von den Illegalen verübt und die diktatorische Regierung lieferte sich im Ständestaat mittels den ihnen nahestehenden Milizen Gefechte mit den sozialdemokratischen Milizen, später auch unter Zuhilfenahme der Exekutive und des Heeres. DAS war der Nährboden für die Anschlußbereitschaft der Bevölkerung.

F. T.
13.03.2008 18:21
Da gebe ich Ihnen gerne in praktisch allen Punkten recht

Bestimmte Gesellschaftskreise und leider auch die während des Naziregimes Verfolgten tun aber so, als ob die Österreicher schon immer mit dem Messer zwischen den Zähnen nur darauf gewartet hätten, Mord und Totschlag zu begehen. Und dass das auch auf dem Heldenplatz zum Ausdruck gekommen wäre. Was aber nicht im Geringsten stimmt. Und da das schon seit über 60 Jahren Tag für Tag und Nacht für Nacht behauptet wird, haue ich halt hin und wieder in die Tasten, um darauf hinzuweisen.
Fanatische Leute hat es am Heldenplatz auch gegeben, als unser "Karli" Schranz von der Olympiade ausgeschlossen wurde. Und hätten die Nazis damals die Demonstration organisiert und die Leute aus ganz Österreich herangekarrt, hätte es genauso viel Wirbel gegeben.

Kruemelmonster
12.03.2008 23:22
Opfer?

Ohne Österreicher, kein Anschluss Österreichs. Die Deutschen haben ewig versucht, Österreichs Einfluss und Österreicher fern von Deutschland zu halten. Sie wollten und wollen sie nicht im Staate haben. Bismarck hat dann sogar Gewalt angewendet, um endlich Deutschland zu einen, ohne Österreich. Dann kommt ein Österreicher daher, verführrrrt die Deutschen und annektiert Österreich. Deutschland ist soll schuld sein? Die deutsche Abstimmung mit 99% war ebenso gefälscht wie die österreichische. Kein Deutscher hätte JA gestimmt. Österreichs Abgrenzung und Abneigung ggü Deutschland basiert darauf, dass Österreicher "besonders" sein wollen, Deutsche es aber nicht "wahrnehmen". Auch in 100 Jahren wird man eines sein: "Alles, nur nicht deutsch."

loli
13.03.2008 14:28

hast 'was gegen uns Österreicher? :-)

der einsager
12.03.2008 20:35
Wer braucht diese Rede von Otto Habsburg?

Nur diese ÖVP-Leute die zwanghaft applaudierten, da sie den Saal mit einem Fußballplatz verwechselten verstanden scheinbar den Herrn Habsburg.



Wenn die ÖVP solche Reden hören will, dann sollten die Herren dazu stehen aber nicht mit einer Veranstallung die letzten 20 Jahre tiefe Aufarbeitung vernichten.

mario hofer
12.03.2008 20:29

ach lassts doch den armen otto in ruh. er ist und bleibt unser kaiser und der hat immer recht.....basta!

Achtung Zensur
12.03.2008 19:30
Habsburg leidet eventuell an Demenz....

deswegen nehmt das Ganze nicht so ganz ernst. Er scheint nur ein paar Standpunkte vergessen zu haben.

Cerny
12.03.2008 21:43
Der Habsburg schmerzt mich nicht

Es ist die Tatsache diese Rede im Parlament halten zu lassen, von einer Partei die noch immer Dollfuß als eine ihrer Ideologische Wurzel ansieht und damit seine Symbolik für den Austrofaschismus leugnet - dies schmerzt mich.

Leugnet es diese große österreichische Partei nicht - müßte ich davon ausgehen das sie sich mit dieser Ideologie identifiziert. Die Rede Habsburgs zu bagadelisieren wäre mir recht - hätte sie nicht an diesem Ort, zu dieser Zeit und durch diese politische Kraft stattgefunden.

VeeDub
12.03.2008 19:29
"das hohe alter" und das opfer dasein

er ist alt, ja, aber noch sehr gut bei sinnen.
würde österreich auch als das erste opfer sehen, aber eines das sich nicht sonderlich gewehrt hat und außerdem sehr schnell zum täter wurde.

ähnliche fragen stellen sich bei den faschistischen satellitenstaaten ungarn, slowakei, kroatien,... teils opfer/teils täter.

aber österreich hat hier aufgrund des nicht abzustreitendenden "deutschtums" aufgrund sprache und geschichte eine sonderrolle.

einigen wir uns auf 20% opfer 80% täter. die welt ist schließlich nicht schwarz/weiß. OK?

Klaus HENNING
12.03.2008 19:27
Also regts euch net so auf, Burschen.

Die Opfersache stimmt schon, aber es stimmt eben auch das Gegenteil. Und der "Opfer-Autor" ist immerhin niemand anderer als Churchill gewesen, leicht zwei Jahre VOR der Moskauer Deklaration.
Dass wir - und jetzt sag ich: "wir", das Nachkriegsösterreich - das als eine Art Freifahrtschein ins gute Image genommen haben, war nicht fein, überhaupt nicht. Na gut, derzeit hamma die Pendelbewegung in die andere Richtung, ist ja auch nicht schlecht.
Und der alte Habsburg, der seine Briefe an Roosevelt mit "Otto of Austria" unterzeichnet hat - na du meine Güte, a ganz a alter Herr, aber zu dem Event hätt' ma ihn net einladen müssen.

Dr. Lari and Mr. Fari 
12.03.2008 21:47
eins der wenigen rundum richtigen und vernünftigen posts zu der Sache!

Suderbauer
12.03.2008 19:05
Der Austromasochismus grassiert wieder

Polen hatte auch ein autoritäres Regime (des Maschall Pilsudski) und kein unbeträchtlicher Teil der Polen hat an den Judenverfolgungen aktiv teilgenommen. Trotzdem würde es niemand wagen, Polen nicht als Opfer zu bezeichnen. Aber der jetzt gepflogene Austromasochismus wird von der Linken aus Eigeninteresse gepflegt. Aus (zum Teil gar nicht unverständlichen) Gründen waren viele Sozialdemokraten für den Anschluss sogar an Nazideutschland. Wenn ohnedies alle so dachten, braucht man sich dafür nicht zu schämen. Nur so war's nicht. Auch die antisemitischen Ausschreitungen wurden nicht von den (leider auch antisemitischen) Christlich-Sozialen getragen, sondern von genau der Klientel, die auch heute zwischen SPÖ und FPÖ hin- und her schwingt.

Cerny
13.03.2008 09:44
Polen mit Österreich zu vergleichen ist aus viellerlei Gründen sehr unangebracht.

Einerseits wurde Polen gewaltsam okupiert. Zweitens reicht mir die eigene, geschichtliche Verantwortung durchaus - wer wagt diese anhand anderer Vergehen relativieren zu wollen? Wenn Sie den zweiten WK als Beispiele für die Abgründe des "menschlichen" handelns betrachten wollen - gut. Zu Argumentieren - da gab (und übrigens gibt es immer noch) üble Kerle - daher sind die unseren ganz normal, bereitet einer immer möglichen, ähnlichen Entwicklung Vorschub. Dies kann ja wohl auch nicht in ihrem Interesse sein. Wäre nämlich auch eher masochistisch...

F. T.
13.03.2008 08:23
Ja, hat man auch in Deutschland gesehen...

Während die Stahl-, Industrie-, Bank- und sonstigen Wirtschaftsbarone von den Nazis wie die Gänse gestopft wurden (waren das nicht alles Kapitalisten, die auch bei uns das Lieblingsklientel der ÖVP sind) wurden den "Kleinen" auch schon damals viel unbezahlte Arbeitszeit abverlangt (z.B. beim Autobahnbau) und außerdem Ersparnisse zum großen Teil abgeknöpft. Auf die angesparten VW.s warten sie heute noch. Wer sorgt da eigentlich für Wiedergutmachung? Wobei die Kapitalisten ein Warten auf das Beste, was im Dritten Reich zu bekommen war, wohl kaum kennengelernt haben. Und was Österreich betrifft, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die Kapitalisten die Leidtragenden waren, sondern eher die gestopften Gänse. Im Gegensatz zu den "Kleinen".

KeyOZ
12.03.2008 22:03
BITTE

WIE? Polen mit Österreich vergleichen? HALLO? Also die Polen haben den Adi nicht freudestrahlend mit Transparenten empfangen. So ein Schwachsinn...

mario hofer
12.03.2008 19:05

Österreich war definitiv opfer aber gleichzeitig eben auch täter. da ein staat ja keine homogene einheit ist, ist das auch kein paradoxon. viele österreicher haben sich gegen einen anschluß an deutschland ausgesprochen. war ja die zuneigung zu deutschland früher bis heute gerade im osten österreichs ja nicht gerade hoch. beide staaten waren zu der zeit quasi diktatorisch regiert, die arbeitslosigkeit und armut hoch. und hitler war wirtschaftlich gesehen in der anfangszeit ziemlich erfolgreich. da haben eben auch viele österreicher das geringere übel gesucht. außerdem darf man ja nicht vergessen war hitler ja österreicher. und wer fürchtete sich vor einem "einmarsch" eines landsmanns? außer einigen die die gefahr gesehen haben.....

Cronos 
12.03.2008 18:58

Sehr geehrter Herr Rauscher!

Nicht Habsburg zerstört seine Verdienste, sondern jene die glauben die einzig richtige Deutung der Vorkommnisse dieser Zeit zu haben. Jene, die nicht zulassen, dass jemand, der diese Zeit sehr intensiv erlebt hat, seine Sicht erzählen darf, weil diese der Hauptdeutung nicht entspricht. Es sind wieder jene, die auch schon in den 80iger Jahren einem Menschen aus wahltaktischen Motiven eines der schwersten Verbrechen vorgeworfen haben und diesen Menschen so in der Welt unmöglich gemacht haben! Es sind jene Menschen, die plötzlich darauf verweisen, dass da was in Gang gekommen ist, um sich nicht eingestehen zu müssen, einen Fehler gemacht zu haben.

Erzpiefke 
12.03.2008 19:30

Es ist vollkommen richtig, daß die Anti-Waldheim-Kampagne das Ende der Opfer-Lüge einleitete. Meiner Meinung nach war Waldheim weitgehend unschuldig. Er gehörte ganz klar dem Dollfuss-Lager an und nicht zu Nazis. Jedoch ändert dies nichts an der Falschheit der Opfer-Lüge. Wenn Österreich ein Opfer der Nazis gewesen wäre, dann wären wir es auch gewesen.

saxophon  
14.03.2008 08:00

Haben Österreich und die CSSR Deutschland besetzt oder hat Deutschland Österreich und die CSSR besetzt?

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