Generäle Gotovina, Cermak und Markac müssen sich wegen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen verantworten
Zagreb - Durch die Militär-Operation "Sturm", mit der
kroatischen Truppen die von kroatischen Serben selbstproklamierte
Republika Srpska Krajina zwischen dem 4. und 7. August 1995 innerhalb
weniger Tage zurückeroberten, erhielt die Regierung in Zagreb wieder
Kontrolle über 18,5 Prozent des kroatischen Territoriums, das sie
verloren hatte. Im Feld befehligten die Generäle Ante Gotovina, Ivan
Cermak und Mladen Markac die Soldaten. Im Hintergrund zogen der
kroatische Präsident Franjo Tudjman und der damalige
Verteidigungsminister Gojko Susak die Fäden, die beide mittlerweile
verstorben sind.
Gotovina, Cermak und Markac müssen sich seit Dienstag vor dem
UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wegen
Kriegsverbrechen im Zuge und nach der Operation "Sturm" verantworten.
Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse rund um die Operation
"Sturm":
August 1990: Revolution der Serben in der Krajina (ehemalige
Militärgrenze); Eisenbahn- und Straßenverbindungen blockiert,
Waffendepots der Polizei werden überfallen.
Dezember 1990: Die neue kroatische Verfassung streicht die Serben
als staatsbildendes Volk. Die kroatischen Serben erklären ihre
Autonomie im "Staat Serbische Krajina".
April 1991: Im Nationalpark Plitvicer Seen kommt es bei
bewaffneten Zusammenstößen zu den ersten Toten.
25. Juni 1991: Kroatien erklärt sich zum selbstständigen Staat.
April 1992: Nach einem von UNO-Sonderbotschafter Cyrus Vance
vermittelten Waffenstillstand treffen 14.000 UNO-Soldaten zur
Friedenssicherung in Kroatien ein. Die Serben halten mittlerweile
knapp ein Drittel Kroatiens besetzt.
April 1995: Nach einer begrenzten Offensive der Kroaten und einer
Phase der Beruhigung droht Tudjman, einer Verlängerung des Mandats
der UNO-Truppen nicht zuzustimmen. Dennoch einigen sich Kroatien und
die UNO auf ein neues Mandat: Die Truppe wird auf 8.700 Mann
verkleinert.
Mai 1995: Offensive gegen die von Serben gehaltenen Gebiete
Westslawoniens. Nach der Militäraktion "Blitz" ("Blijesak") fliehen
etwa 20.000 Serben.
22. Juli 1995: Nach territorialen Erfolgen der Kroaten
unterzeichnen Tudjman und der bosnische Präsident Alija Izetbegovic
in Split ein Abkommen über verstärkte militärische Zusammenarbeit im
Kampf gegen die Serben.
4. August: Die von langer Hand mit Militär-Übungen in
Bosnien-Herzegowina vorbereitete und von den USA unterstützte
Operation "Sturm" beginnt um 04:45 Uhr in der Früh, als kroatische
Soldaten die Krajina angreifen.
5. August: Zu Mittag marschieren kroatische Truppen in Knin, der
Hauptstadt der Krajina ein. Die Kroaten nehmen in der Folge weitere
Städte ein.
7. August: Um 18:00 Uhr verkündet Susak das Ende der
Militäraktionen im Rahmen der Operation "Sturm". Etwa 200.000 Serben
werden vertrieben oder flüchten in Richtung Bosnien und Serbien.
Viele serbische Zivilisten werden getötet.
Nach kroatischen Quellen kamen im Zuge der Offensive 127.000
kroatische Soldaten und Polizisten zum Einsatz. 17 Militärjets vom
russischen Typ MIG-21 wurden eingesetzt sowie 120 Panzer. Nach
Angaben des Zagreber Gesundheitsministerium starben während der vier
Tage, 174 kroatische Soldaten, 1.430 wurden verwundet. Demzufolge
kamen 560 serbische Soldaten ums Leben. (APA)