"Es gibt hier einfach keinen Staat"

Redaktion, 11. März 2008, 07:31
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    foto: reuters/emmanuel braun

    Ein Soldat der tschadische Armee auf einer Straße nach Abéché im Osten des Landes. In dieser Woche werden EU-Soldaten dorthin verlegt.

Das Leben im Osten des Tschad ist gefährlicher denn je: Helfer bezweifeln, dass die EU-Friedenstruppe Eufor viel ausrichten können wird

Das Leben im Osten des Tschad ist gefährlicher denn je. Helfer vor Ort bezweifeln, dass die Soldaten der EU-Friedenstruppe Eufor viel ausrichten können. Hunderttausende Flüchtlinge müssen womöglich dort bleiben.

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Die Lehmhütte von Urban Britzius liegt so weit ab vom Schuss, dass er manches gar nicht mitbekommt. Etwa als das Dorf Iriba im Nordosten des Tschad, wo er seit fast drei Jahren lebt, von Rebellen eingenommen wurde. "Das habe ich erst im Radio erfahren", berichtet der ergraute deutsche Wasserbauingenieur, der ein weites tschadisches Gewand trägt. Schließlich steigen die Temperaturen in Iriba derzeit auch mal über 50 Grad im Schatten.

Früher war Iriba ein Marktflecken für den Handel mit dem Sudan, die Grenze ins westsudanesische Darfur liegt nur knapp 60 Kilometer entfernt. Doch seit Ausbruch der Darfur-Krise vor fünf Jahren ist Iriba vor allem ein wichtiger Ausgangspunkt für die Versorgung von Flüchtlingen in drei nahen Lagern. Britzius etwa versorgt im Auftrag der Hilfsgruppe Help 16.000 Menschen mit Wasser. Insgesamt leben mehr als 250.000 Darfur-Flüchtlinge im unwirtlichen Osten des Tschad, dazu kommen mindestens 180.000 intern Vertriebene.

Ein Polizist, viele Rebellen

Durch das grenznahe Iriba jagen seit neuestem außer Darfur-Rebellen und verfeindete Milizen auch tschadische Rebellen, die gegen die Regierung von Präsident Idriss Déby kämpfen. "Da braust irgendein Konvoi durch, und hinterher erzählt mir einer: Das war die oder jene Gruppe. Aber wirkliche Bedeutung für uns hier hat das nicht." Dass das Leben in Iriba derzeit dennoch gefährlicher ist denn je, erklärt Britzius so: "Als Vertreter des Staates haben wir hier gerade mal einen Polizisten mit fünf Handlangern."

Als etwa die Rebellen nach Iriba kamen, flohen die sechs in den Busch - die Stadt war in Rebellenhand. Als die Rebellen zum Sturm auf N'Djamena weiterzogen, kamen die sechs zurück: Die Stadt war wieder in Regierungshand. So, sagt Britzius, ist es fast überall im Osten des Tschad. "Es gibt hier einfach keinen Staat." Mehr als 40 Autos sind alleine in Iriba in den vergangenen Monaten gestohlen worden, ohne dass jemand die Täter verfolgt hätte.

Ob die Eufor-Soldaten, die im Laufe der Woche in den Osten des Tschad verlegt werden sollen, an der Lage in Iriba etwas ändern können, ist ungewiss. Zu groß ist der Osten des Tschad, zu festgelegt das Mandat. "Gegen die Rebellen, die im Februar N'Djamena gestürmt haben, hätten wir nichts unternommen", gesteht Eufor-Sprecher Patrick Poulain ein.

Freilich: Von der Basis der Operation im gut 200 Kilometer entfernten Abéché aus wird Eufor auch Patrouillen nach Iriba und in die Umgegend schicken. Ziel ist es, dass die aus ihren Dörfern vertriebenen Tschader früher oder später wieder nach Hause zurückkehren.

Doch Maurizio Giuliano von der UN-Koordination für humanitäre Hilfe im Tschad glaubt nicht daran. "Die zunehmende Gewalt in der Region macht es eher fraglich, ob die Menschen jemals zurückkehren werden." Was als Lager begann, könnte vielerorts schon bald eine feste Siedlung sein.

Wie gefährlich der Osten des Tschad ist, weiß die Eufor-Truppe nicht erst seit dem Tod des Soldaten Gilles Polin, der vor einer Woche von sudanesischen Soldaten erschossen wurde, nachdem er die Grenze nach Darfur überquert hatte. "Da gibt es keine Grenzzäune, es kann passieren, dass man sich verfährt", sagt Poulain. Doch für die sudanesische Regierung, die Angst vor einer internationalen Einmischung in den Darfur-Konflikt hat, war der Übertritt Polins der erste Beleg für illegale Spionage im Rahmen der Eufor-Mission. (Marc Engelhardt aus Iriba/DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2008)

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10 Postings
felize navidad
00
Ordnung ohne Herrschaft (Anarchie)

Selbstorganisiertes Sozialleben scheint mir immer noch erstrebenswerter als das Leben in unserer Herrschaftshierarchie. Freiheit statt Unterjochung und Entmündigung. Damit das nicht so bleibt, dafür werden die europäischen Invasionstruppen schon noch sorgen.

Franz Woyzecks liebste Erbse
03
11.3.2008, 11:42

Wir könnten ja einen Staat dorthin exportieren. Ein paar Landesregierungen wären da abzugeben...

Malkaye
01
13.3.2008, 20:59
sowas würde man nicht einmal seinen feinden wünschen

Mir kann nichts passieren
 
13
11.3.2008, 10:26
Dann passt ja der Einsatz unserer Pfadfinder.

Mit dem österreichischen Heer ist auch kein Staat zu machen.

con_leggerezza
24
11.3.2008, 10:25

Österreicherinnen und Österreicher können stolz sein auf die großartige Möglichkeit, dass sich unser Bundesheerkontingent im Ost-Tschad bewähren darf!
Mit bestem Dank an den HBP, an Kanzler & Vice sowie an Außen- & VerteidigungsministerIn. Die 5 zeigen es der Welt! Vergelt's Gott auch ans Beniterl samt der EU.

magdalena miaz
10

Gönnt denen auch einen Abenteuerurlaub !

waterboarding ist pro-westlich
 
23
11.3.2008, 04:57
kein wort darüber, wer diese rebellen unterstützt,

wer die waffen liefert, was die rebellen wollen etc.

aber es ist einfach: in darfur gibt es 2 große ölfelder, dafür müsste der westen mit der islamischen regierung im sudan verhandeln, der westen will aber den sudan eben wegen ihrer einstellung zerstören, so wird zb der südsudan im jahre 2011 abgetrennt (wie der kosovo). ähnliches hat man mit darfur vor, damit khartoum geschwächt und irgendwann gestürzt wird.

Frodo Der Hobbit
01
14.3.2008, 09:41

bei den massakern an der darfour bevölkerung sind doch auch arabische islamisten mit dabei!

der süden würde sich demokratie und religionsfreiheit wünschen, aber der westen will nur dorthin "demokratie" bringen, wo halliburton einen reibach winken sieht..

die sudanische regierung ist wesentlich schlimmer als milosevic, aber mit freunden der saudis ist es verboten sich anzulegen. bestenfalls hinten rum im tschad, und da nur mit augenauswischerei.

Malkaye
01
13.3.2008, 21:06
sie lassen einige fragen aber auch aus

zb. was denn die einstellung von karthoum ist. das ist nich einfach religion, sondern rassismus.
woher wissen sie, dass darfour ausgerechnet 2011 autonom wird? ich weiß nur von bestrebungen der bevölkerung. wäre für quellen dankbar.

und übrigens ist an ihrem szenarion m.E. nach nicht viel auszusetzen. europa hilft darfour autonom zu werden, ist aber zu schwach um es weiterhin auszupressen wie früher den rest von afrika. da es autonom wird und geld aus öl macht, kann es sich behaupten und lässt sich auch nicht von china knechten, weil es ja unter deren karthoumer verbündeten so gelitten hat.

P.S.: Darfour ist Südsudan

Simplicius Simplicissimus
01
11.3.2008, 03:47
"Staat" ist doch nur ...

... eine Ansammlung von wenigen Mördern! Wißt ihr das nicht?

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